Und leise tönt der Grabgesang 
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Donnerstag, 24. Juli 2008

Und leise tönt der Grabgesang

Originaltitel: Hallowed Bones
Übersetzt von: Dietmar Schmidt

5. Band der Reihe

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: September 2005
ISBN: 978-3-404-15392-8
Preis: 7,95 EUR

428 Seiten
Inhalt
5.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
5.3

Wertung:
5.3
von 10
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Zum Inhalt:

Doreen Mallory, eine schöne, zerbrechlich wirkende Frau, behauptet, die Gabe des Heilens zu besitzen. Doch wieso konnte sie dann nicht ihre eigene kleine Tochter Rebekah retten? Das Baby starb unter mysteriösen Umständen, und die Polizei ist überzeugt, dass Doreen es getötet hat. Sarah Booth Delaney soll Doreens Unschuld beweisen. Keine leichte Aufgabe, zumal ihre Klientin sich standhaft weigert, den Namen des Kindvaters zu nennen. Es gibt gleich mehrere suspekte Kandidaten, von denen jeder auch der Mörder Rebekahs sein könnte. Der Auftrag entwickelt sich bald zum gefährlichsten Job, den Sarah je hatte und der alles zu zerstören droht, was ihr lieb und teuer ist ...

Meinung:

Der fünfte Band der Sarah-Booth-Delaney-Reihe spielt ausnahmsweise zu einem großen Teil nicht in der bezaubernden Kleinstadt Zinnia, sondern im nahe gelegenen New Orleans. Doch Carolyn Haines zeigt dem Leser in "Und leise tönt der Grabgesang" nicht die übliche romantisch verklärte Sicht auf diese Stadt - bei der in der Regel das Gefühl aufkommt, dass die Tourismusbranche ihre Finger im Spiel hat -, sondern eine Seite New Orleans', wie sie wohl nur von den Einheimischen wahrgenommen wird.

Sarah Booth Delaney und Tinkie Richmond werden dieses Mal von einer Nonne beauftragt zu beweisen, dass die Wunderheilerin Doreen Mallory ihre kleine Tochter Rebekah nicht umgebracht hat. War man ursprünglich davon ausgegangen, dass das Kind am "Plötzlichen Kindstod" verstarb, hatte die Autopsie herausgebracht, dass dem behinderten Baby eine tödliche Portion Schlafmittel in die Milchflasche gemischt worden war.

Verdächtig machen sich in erster Linie die drei potenziellen Väter von Rebekah. Die Recherchen führen Sarah und ihre Freundin Tinkie unter anderem zu zwei der mächtigsten Männer New Orleans'. Doch auch von der Ehefrau eines der Verdächtigen geht eine nicht zu unterschätzende Gefahr aus, ist Ellisea doch die Tochter eines bekannten Mafiabosses. Da hilft es auch nicht bei den Ermittlungen, dass zwischen ihr und Sarahs Freundin Cece ein Kleinkrieg um die Moderation einer Wohltätigkeitsveranstaltung entbrannt ist.

Sarah hingegen wird von ihren Recherchen immer wieder durch ihr Privatleben abgelenkt. Vor noch gar nicht langer Zeit waren sie und Sheriff Coleman Peters sich näher gekommen. Doch aufgrund der Schwangerschaft seiner Frau hatte der Sheriff sich entschieden, seiner Ehe noch eine Chance zu geben. Ein weiterer Mann hatte zu Beginn von Sarahs Detektivkarriere ihr Herz gewonnen ... und als Hamilton Garrett V. wieder auf der Bildfläche erscheint und ihr seine Liebe gesteht, weiß die Detektivin nicht mehr, wie sie sich entscheiden soll.

Neben Sarahs privaten Verwirrungen und dem rätselhaften Fall des ermordeten Mädchens dreht sich in "Und leise tönt der Grabgesang" die ganze Handlung um Glaubensfragen. Religion und der Glaube an die eigene oder göttliche Kraft sind ebenso ein wichtiges Thema wie die Möglichkeit von Wunderheilungen. Der fast schon heilig wirkenden Doreen werden mehrere Personen gegenübergestellt, die die Not der Menschen und ihre Hoffnung auf Heilung nur in finanzieller Hinsicht ausnutzen.

Die schon übertriebene Krönung der ganzen Thematik erfolgt, als Tinkie befürchten muss, ein bösartiges Geschwulst zu haben. Sarahs Freundin wird zwischen ihrer Angst vor der Krankheit, ihrer Hoffnung auf Heilung durch Doreen und den vernünftigen Argumenten ihrer Freunde und Familie - die sie dazu überreden wollen, sich von einem Arzt gründlich untersuchen zu lassen - hin und her gerissen. Immerhin erfährt der Leser so einmal ein bisschen mehr über Tinkies Leben, welches sonst doch immer etwas oberflächlich behandelt wurde.

Carolyn Haines gelingt es erstaunlicherweise, die vielen verschiedenen Themen zu einem recht unterhaltsamen Roman zu verschmelzen. Doch trotzdem kommt bei diesem Buch nicht die gleiche Begeisterung auf, die frühere Romane der Reihe im Leser hervorrufen konnten. Vielleicht liegt es an Sarahs ständigen Fahrten zwischen Zinnia und New Orleans oder an ihren Beziehungsproblemen, dass so wenig Spannung aufkommt. Oder es ist das Thema Wunderheilungen, das beim kritischen Leser auf Widerstand stößt. Auch Sarahs Hausgeist Jitty und ihre liebenswerten Freunde aus Zinnia kommen in diesem Buch recht wenig vor, sodass zwei entscheidende Faktoren, die sonst zum Amüsement des Lesers beitragen, einfach untergehen.

Fazit:

"Und leise tönt der Grabgesang" ist leider der bisher schwächste Roman aus der Sarah-Booth-Delaney-Reihe von Carolyn Haines. So schön es ist, dass die Geschichte mal in einem realistisch dargestellten New Orleans spielt, so sehr vermisst der Leser auch Sarahs Freunde aus Zinnia und ihren wortgewandten Hausgeist Jitty. Auch der Schwerpunkt der Erzählung, in dem es um alle möglichen Varianten von Glauben geht, erleichtert einem den Zugang zu der Geschichte nicht. Letztendlich bleibt nach der Lektüre des Buches das Gefühl, dass die Autorin hier einfach zu viele Geschehnisse in eine Geschichte packen wollte und dabei die liebenswerten Besonderheiten der Serie verloren gegangen sind.
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