Das Marsgrab 
Bücher: Belletristik Science-Fiction
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Dienstag, 12. August 2008

Das Marsgrab

Originaltitel: Consequences
Übersetzt von: Frauke Meier

Reihe: Miles Flint
4. Band der Reihe

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: April 2008
ISBN: 978-3-404-23320-5
Preis: 8,95 EUR

491 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
Jetzt kaufen



Zum Inhalt:

Auf dem Mars herrschen die nichtmenschlichen Disty. Diese entdecken in ihrem Gebiet ein dreißig Jahre altes Menschenskelett. Nach ihren Bräuchen stellt allein die Existenz des Toten eine entsetzliche Bedrohung dar. Sofort verlangen sie eine umfassende Aufklärung des Falls. Miles Flint ist ein Lokalisierungsspezialist. Er spürt verschollene oder untergetauchte Personen auf. Doch während er der dreißig Jahre alten Spur folgt, stößt er auf ein tödliches Geheimnis - ein Geheimnis, das das gesamte Sonnensystem erschüttern wird!

Meinung:

Die Miles-Flint-Reihe von Kristine Kathryn Rusch bietet mit jedem bislang erschienen Roman Spannung wie bei einem richtig guten Krimi. Dass diese Bücher in der Zukunft spielen, war dabei eigentlich eher Nebensache. Die Science-Fiction war für den Hintergrund der Handlung verantwortlich, aber nicht für diese selbst. Mit "Das Marsgrab" hat Kristine Kathryn Rusch ihr Konzept etwas geändert, denn hier trägt die Science-Fiction deutlich zur Handlung bei.

Zum ersten Mal in der Miles-Flint-Reihe liegt der Schwerpunkt auf den Außerirdischen, besonders auf den Disty. Bei diesen war es bislang eher so, dass sie am Rand des Geschehens als Staffagen oder Antagonisten auftauchten. In jedem Fall wirkten sie stets zweidimensional. Die Disty wurden immer als äußerst aggressiv, schon fast böse beschrieben und ihre spezifischen Rituale waren blutig und grausam. Dadurch, dass sie aufgrund irgendwelcher intergalaktischen Gesetze immer im Recht waren - trotz ihrer für einen Menschen moralisch anrüchigen Methoden -, bildeten sie nur eine weitere Gruppe von (in der Literatur nur allzu häufig anzutreffenden) bösen Aliens.

Mit diesem Roman ändert sich die Sichtweise auf die Außerirdischen etwas. Zum ersten Mal konzentriert sich Kristine Kathryn Rusch darauf, die Disty auszubauen. Sie erscheinen zwar immer noch fremdartig, wirken aber nicht mehr so absolut böse. Ihre extremen Reaktionen auf das gefundene Skelett sind verständlich und für den Leser nachvollziehbar. Und zum ersten Mal im Laufe der Buchreihe erfährt man näheres über diese Spezies!

Die im Buch beschriebenen Ereignisse wirken sich natürlich auch auf die üblichen Protagonisten der Miles-Flint-Reihe aus. Am meisten profitiert Noelle DeRicci davon, da diese Figur immer detaillierter ausgearbeitet wird. Miles Flints ehemalige Partnerin hat weiter Karriere gemacht. Sie ist in dem aktuellen Fall diejenige, die mit den Konsequenzen der Disty-Reaktion auf den Leichenfund zurechtkommen muss. Eine schwierige Situation, da politische Aspekte zu beachten sind - und einige Personen aus den Medien nur darauf warten, dass die erfolgreiche Frau einen Fehler macht. Ihr Anteil an der Handlung ist auch der wesentlich spannendere - im Vergleich zu den Szenen um die eigentliche Hauptfigur Miles Flint.

Wenn man sich bei ihm noch mal vergegenwärtigt, wie er sich im Laufe der Buchreihe entwickelt hat, setzt man in seinen Charakter schon große Erwartungen. Im ersten Band "Die Verschollenen" war Miles Flint noch ein Polizist auf dem Mond, wenn auch mit einer tragischen Vergangenheit. Erst als er und seine Kollegen Noelle DeRicci zufällig über verratene - und ermordete - Flüchtlinge stolperten, veränderte sich sein Leben.

Am Ende dieser Geschichte quittierte er seinen Job und wurde zu einem Lokalisierungsspezialist (einer Art Privatdetektiv), dessen Aufgabe es ist, verschwundene Personen aufzuspüren. Eine Aufgabe, die er mit Bravour erfüllt, auch wenn er im Laufe seiner Tätigkeit immer misstrauischer und paranoider wird. Trotzdem macht Miles Flint weiter und kann seiner ehemaligen Partnerin ein ums andere Mal in prekären Situationen helfen.

Doch leider kann man sich bei seinem Auftritt in "Das Marsgrab" des Eindrucks nicht erwehren, dass seine Charakterisierung kaum Fortschritte macht. Das Einzige, was man feststellen kann, ist, dass seine berufsmäßige Paranoia noch stärker geworden ist. Bis er richtig zur Handlung - und somit zur Lösung des Problems - beiträgt, dauert es eine Weile. Bis zu diesem Punkt stagniert die Handlung um Miles Flint fast. Für den Leser ist es sehr enttäuschend, dass die eigentliche Hauptfigur der Reihe in diesem Band so schlecht abschneidet. Vor allem in Anbetracht der Charakterentwicklung in den vorherigen Büchern der Serie.

Fazit:

Zum ersten Mal in der Buchreihe um den Lokalisierungsspezialisten Miles Flint tritt der Science-Fiction-Anteil mehr in den Vordergrund. Kristine Kathryn Rusch gelingt es, die bislang eher zweidimensionalen Disty deutlicher zu charakterisieren. Auch Miles' ehemalige Partnerin Noelle DeRicci profitiert von der Handlung und wird deutlich weiterentwickelt - was auf die Hauptfigur leider nicht zutrifft. Miles Flints Charakter macht in diesem Band keine Fortschritte, was zu Unmut beim Leser führt, da er der Titelheld ist. Da bleibt nur zu hoffen, dass er bei einer eventuellen Fortsetzung wieder stärker im Vordergrund steht.
Weiterführende Infos