Die Tödlichen 
Bücher: Belletristik Science-Fiction
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Montag, 11. August 2008

Die Tödlichen

Originaltitel: Consequences
Übersetzt von: Frauke Meier

Reihe: Miles Flint
3. Band der Reihe

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: Oktober 2007
ISBN: 978-3-404-23313-7
Preis: 8,95 EUR

463 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.2

Wertung:
6.2
von 10
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Zum Inhalt:

Eingentlich wollte der Ermittler Miles Flint einer untergetauchten Frau zu einem neuen Leben, einer zweiten Chance verhelfen. Doch etwas geht schief. Die Frau wird von einem Scharfschützen kaltblütig ermordet. Die Aufklärung ihres Todes führt Flint auf einen gefährlichen Weg und zu einer beängstigenden Entdeckung: Im Untergrund schwelt seit Jahren ein kalter Krieg zwischen Menschen und einer außerirdischen Spezies. Doch dieser Krieg droht nun offen auszubrechen. Plötzlich geht es nicht mehr um ein Einzelschicksal, sondern um das Wohl der gesamten Menschheit ...

Meinung:

Kristine Kathryn Rusch ist es endlich gelungen, beim Leser Vorfreude auf den nächsten Band ihrer Miles-Flint-Reihe aufkommen zu lassen. Das liegt daran, dass sie den Spagat zwischen Science-Fiction auf der einen und Krimi auf der anderen Seite geschafft hat. Wie schon beim Vorgängerroman "Die Lautlosen" gibt es eine klare Aufteilung zwischen den beiden Genres. Die Science-Fiction-Elemente sorgen für den Handlungshintergrund, während die Geschichte in klassischer Krimi-Manier erzählt wird.

Diese Erzählstruktur zeigt sich im vorliegenden Band "Die Tödlichen" noch mal umso deutlicher: Die Geschichte handelt von der Suche Miles Flints nach dem Mörder seiner Klientin. Die Art und Weise, wie die Ermittlungen erzählt werden, erinnert an klassische Kriminalromane. Alles dreht sich um Vertrauen und den Missbrauch, der damit getrieben wird. Hier wird auch deutlich, wie sehr sich die Figuren fortentwickelt haben.

Noelle DeRicci, Miles Flints ehemalige Partnerin bei der Polizei, ist aufgrund der Ereignisse des vorherigen Romans "Die Lautlosen" die Karriereleiter aufgestiegen. Sie verkörpert die Seite des Gesetzes und muss im Namen von Recht und Ordnung die Ermittlungen gegen Miles Flint aufnehmen, der in Verdacht gerät, eine ganze Familie getötet zu haben.

Der Privatdetektiv hingegen entwickelt immer mehr eine Art berufsmäßige Paranoia, die sich nur zu bald als gerechtfertigt herausstellen soll. Seinen Freundeskreis hält er auf Abstand und Fremden begegnet er extrem misstrauisch. Dieses Verhalten hat Konsequenzen: So gerät er schon nach kurzer Zeit in einen Konflikt mit seiner ehemaligen Kollegin Noelle DiRicci, als er sich - ohne ihr Wissen - in die Ermittlungen einmischt. Dies führt dazu, dass zum Teil alte Spuren auf ihn als Täter weisen. Und weil er so extrem misstrauisch ist, hat er das Gefühl, dass er niemandem vertrauen kann und flieht.

Doch das Buch besteht nicht nur aus den beiden Protagonisten Miles und Noelle, sondern auch aus diversen Nebenfiguren. Bedauerlicherweise sind diese Charaktere bei Weitem nicht so gut ausgebaut wie die beiden Protagonisten. Eher ist das Gegenteil der Fall: Die Nebenfiguren erfüllen die allerschlimmsten Klischees. Da begegnet der Leser der karrierehungrigen Reporterin, die für eine gute Story alles tut. Auch gibt es die sattsam bekannten Politiker, die ihr Gewissen schon längst verloren haben. Alles bekannte Klischees und Kristine Kathryn Rusch versucht leider auch gar nicht erst, diesen entgegenzuwirken, sondern bestätigt sie nur noch voll und ganz.

Das ist angesichts des ansonsten gelungenen Plots doch ziemlich schade. Die Handlung dreht sich nämlich um Fragen der Moral, z.B. wie weit Menschen gehen, um ihre Ziele zu erfüllen - sei ihr Ziel Anerkennung oder Rache. Die Schilderung erfolgt jedoch ohne erhobenen Zeigefinger. Im Gegenteil, selbst die Charaktere, deren Rachemotive am ehesten nachvollziehbar sind, ziehen ihre eigentlich recht ehrbaren Absichten durch ihre schrecklichen Aktionen in den Schmutz. Sie begeben sich auf das Niveau derer hinab, die sie einst bekämpft haben.

Fazit:

Kristine Kathryn Rusch hat ein faszinierendes Buch geschrieben, das sich mit Fragen der Moral beschäftigt. Zwar gibt es in "Die Tödlichen" zwei klar abgegrenzte Seiten, die sich gegenüberstehen, aber die Methoden, mit denen beide agieren, sind alles andere als gutzuheißen. Zwischen den beiden Seiten sind die Hauptfiguren Miles Flint und Noelle DeRicci gefangen. Der Privatdetektiv Miles hat sich immer mehr zu einem Berufsparanoiker entwickelt, während die Polizistin Noelle noch am ehesten an ihre Träume glaubt und versucht, diese mithilfe des Gesetzes zu verwirklichen. Leider sind die beiden die einzigen glaubwürdigen Figuren, da sich die restlichen Charaktere hauptsächlich aus Klischees zusammensetzen.