Necromancer 
Bücher: Belletristik Fantasy
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Freitag, 13. Juni 2008

Necromancer

Originaltitel: The Death of the Necromancer
Übersetzt von: Friedrich Mader

Verlag: Heyne
Erschienen: März 2008
ISBN: 978-3-453-52412-5
Preis: 15,00 EUR

702 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
9.0
Gesamtwertung
7.2

Wertung:
7.2
von 10
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Zum Inhalt:

Willkommen in Ile-Rien! Willkommen in einer Stadt, in der Technik nicht mehr von Magie zu unterscheiden ist. Einer Stadt, in der die Kunst der Nekromantie, der Geisterbeschwörung, Teil des Alltags ist. Einer Stadt, in der niemand ahnt, welch gefährliche Mächte sich anschicken, die Zukunft der Menschheit für immer zu verändern ... Dies ist die Geschichte von Nicholas Valiarde, einem der angesehensten Bürger von Ile-Rien - und der erfolgreichste Dieb der Stadt. Doch eines Tages verläuft ein Raubzug nicht wie geplant: Statt auf die erhoffte Beute stößt Nicholas auf eine nekromantische Kraft, wie es sie seit Jahrhunderten nicht mehr gegeben hat. Sie ist der Vorbote kommender Veränderungen - und für Nicholas der Beginn eines atemberaubenden Abenteuers!

Meinung:

Es ist verwunderlich, wieso Heyne ausgerechnet "Necromancer" als ersten auf Deutsch veröffentlichten Roman von Martha Wells ausgewählt hat. Denn die Autorin hatte bereits einen Roman ("The Element of Fire") geschrieben, der in der Welt von Ile-Rien spielt - und auch eine Trilogie ("The Fall of Ile-Rien") gibt es, die dort angesiedelt wurde. Zwar ist kein Vorwissen nötig, um dieses Buch lesen zu können, aber wäre es nicht dennoch logischer, mit dem ersten Buch anzufangen, mit dem diese Welt erschaffen wurde?

Martha Wells scheint Ile-Rien an das viktorianische England angelehnt zu haben. Sie verbindet in diesem Roman Fantasyliteratur mit Krimi- und Horrorelementen und spickt ihre Geschichte mit unterhaltsamen Dialogen. Neue Entdeckungen, wie zum Beispiel die Elektrizität, werden für das Amüsement der Upper Class verwendet und Opium ist das Rauschgift Nummer eins. Nebel umwölkt die Stadt und fast erwartet der Leser, dass gleich Sherlock Holmes auftaucht und sich auf die Fährte des Diebes Nicholas Valiarde setzt. Dabei umweht diese Welt ein Hauch des Mysteriösen und Geheimnisvollen.

Nicholas Valiarde ist die vielschichtigste Person im ganzen Buch. Auf der einen Seite ist er ein Teil der bürgerlichen Elite mit all ihrer Exzentrizität, auf der anderen Seite ist er aber auch Teil der Unterwelt. Der Leser sieht ihn als noblen Dieb - eine Art Robin Hood -, der für das Gute stiehlt, doch gleichzeitig arbeitet er auch daran, einen Racheplan umzusetzen. Natürlich braucht eine solche Figur auch Helfer bei ihrem Tun.

Von denen spielen besonders zwei Charaktere eine wichtige Rolle im Roman. Da wäre zum einen Madeline, eine Schauspielerin und - was besonders überrascht - mal nicht die potentielle Liebe des Heldens. Sie ist eine starke Frau und die perfekte Partnerin für Valiarde. Sie steht dem Dieb zur Seite, unterstützt ihn bei seinen Plänen und hilft ihm bei seinem Rachefeldzug. Die andere wichtige Figur ist der Magier Arisilde, der sich hauptsächlich durch seine starke Drogensucht definiert, die ihn langsam, aber sicher umzubringen scheint. Diese drei Personen sind die, die von der Autorin am Besten charakterisiert wurden.

Die Gegenseite hingegen besteht aus einem korrupten Adeligen, der die Ursache für Nicholas Valiardes Rachefeldzug ist. Leider taucht diese Figur kaum auf und wird auch nicht tiefergehend dargestellt. Er erscheint unwichtig, was angesichts des Einflusses, den er auf die Hauptfigur ausübt, doch überrascht. Die zweite Schurkenrolle wird von einem mächtigen Magier besetzt, der im Laufe des Buches die Rolle des Hauptgegenspielers einnimmt - und gegen den auch die finale Konfrontation läuft. Bedauerlicherweise empfindet der Leser die Figur als unglaubwürdig. Der Magier ist laut und pompös - und erscheint dadurch auch extrem schwach. Er hat zwar eigentlich bedrohliche Kräfte, agiert jedoch so, dass man ihm diese Gefährlichkeit nicht abnimmt.

Fazit:

Martha Wells hat mit "Necromancer" einen sehr stimmigen Fantasyroman geschrieben. Die fantastische Welt Ile-Rien ist wirklich geheimnisvoll und erinnert an das viktorianische Zeitalter. Während die Autorin ihre Hauptfiguren Nicholas Valiarde und seine Freunde Madeline und Arisilde wunderbar charakterisiert hat, scheitert sie etwas an der Darstellung der bösen Gegenspieler. Diese werden entweder kaum nähergehend charakterisiert oder wirken unglaubwürdig. Es bleibt zu hoffen, dass auch noch die vorherigen Romane, die in der gleichen Welt spielen, ins Deutsche übersetzt werden.
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