Die Zeit-Odyssee 
Bücher: Belletristik Science-Fiction
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Mittwoch, 11. Juni 2008

Die Zeit-Odyssee

Originaltitel: Time's Eye
Übersetzt von: Biggy Winter

1. Band der Reihe

Verlag: Heyne
Erschienen: Mai 2008
ISBN: 978-3-453-52410-1
Preis: 7,95 EUR

443 Seiten
Inhalt
4.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
4.4

Wertung:
4.4
von 10
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Zum Inhalt:

Es ist das Jahr 2037, als das Raum-Zeit-Kontinuum plötzlich auseinander bricht und auf bizarre Weise wieder zusammengefügt wird. Die Erde zerfällt dabei in unterschiedlichste Zeitzonen: Während es in einem Landstrich noch 2037 ist, ist es im benachbarten 1885, und im nächsten Tausende von Jahren in der Vergangenheit. Wie konnte das geschehen? Welche Macht ist imstande, eine solch gewaltige Veränderung zu bewirken?

Meinung:

Arthur C. Clarke gilt als einer der größten Science-Fiction-Schriftsteller. Oftmals basieren seine Romane auf wissenschaftlichen Prinzipien. Leider ist der visionäre Autor, dessen wissenschaftliches Werk ebenfalls beachtlich ist, im Jahr 2008 verstorben. "Die Zeit-Odyssee" entstand bereits 2004 als Gemeinschaftsprojekt mit dem Schriftsteller Stephen Baxter. Auch dieser hat sich bereits einen großen Namen in der Science-Fiction-Literatur gemacht. Die Bandbreite seiner Werke reicht von einer autorisierten Fortsetzung von H.G. Wells' "Die Zeitmaschine" über Science-Fiction-Bücher für Kinder bis hin zu wissenschaftlich fundierten Romanen, wie zum Beispiel "Evolution".

Mit "Die Zeit-Odyssee" startet ein dreiteiliger Zyklus, der mit "Sonnensturm" fortgesetzt und mit "Wächter" abgeschlossen wird. Die ersten beiden Romane sind bereits vor drei Jahren vom Heyne-Verlag veröffentlicht worden. Nun hat man sie - im Zuge des Erscheinens von "Wächter" - neu aufgelegt. Die "Zeit-Odyssee"-Trilogie ist nach dem Roman "Das Licht ferner Tage" die zweite Kooperation der beiden bekannten Schriftsteller. Bei einer Zusammenarbeit zweier so berühmter Autoren dürfte klar sein, dass der Leser mit hohen Erwartungen an den Roman herangeht. Leider gelingt es Arthur C. Clarke und Stephen Baxter aber nur zum Teil, das erwartete Niveau zu bieten.

Der Schwerpunkt bei den Charakteren liegt auf einer Gruppe von Personen, die aus dem Jahr 2037 herausgerissen werden. Nahezu alle Protagonisten wirken auf den Leser glaubwürdig und lebendig. Sie erscheinen nicht wie Abziehbilder, sondern wie reale Personen. Die Charaktere sind keine unschlagbaren Helden, sondern haben ihre eigene Sorgen und Nöte, die der Leser miterleben kann. Wobei kritisch angemerkt werden muss, dass der Kulturschock nach dem Auseinanderbrechen des Raum-Zeit-Kontinuum zum Beispiel zwischen dem Jahre 2037 und dem Jahr 1885 bemerkenswert niedrig ausfällt. Die Technologie aus der Zukunft wird von den Bewohnern problemlos akzeptiert, was wohl auch daran liegt, das sie kaum noch verwendet werden kann.

Doch die verschiedenen Hauptfiguren sind natürlich nicht allein auf der Welt. Die Bewohner der Erde müssen sich an die neuen Verhältnisse anpassen, wobei berühmte Persönlichkeiten aus anderen Zeitepochen - wie Alexander der Große und Dschingis Khan - versuchen, auch unter diesen Bedingungen ihre Macht auszubauen. Das Ganze wird von merkwürdigen schwebenden "Augen" beobachtet. Über den Sinn und Zweck dieser schwebenden Objekte können die Protagonisten nur spekulieren. Sie finden lediglich heraus, dass sie vollkommen fremdartig sind und wohl nicht von Menschenhand erschaffen wurden.

Leider beschränken sich die beiden Autoren nicht darauf, ihre Figuren einfach nur diese neue merkwürdige Welt erforschen zu lassen. Sie bauen auch noch einen Konflikt in die Handlung ein, indem sie alles auf eine große Konfrontation zwischen Alexander dem Großen und Dschingis Khan zusteuern lassen. Dabei werden die Bösen, in Gestalt der Mongolen unter Dschingis Khan, absolut barbarisch dargestellt. Sie töten ohne Skrupel, werden als Monster gezeigt und erhalten darüber hinaus keine tiefere Charakterisierung - und bedauerlicherweise sind sie nicht die einzigen Figuren, die so oberflächlich gehalten werden.

Fazit:

Leider ist der Roman "Die Zeit-Odyssee" nicht ganz so gut gelungen, wie man es aufgrund der beiden erfolgreichen Autoren hätte erwarten können. Die Grundidee ist zwar sehr interessant und die Hauptfiguren werden gut ausgebaut, aber der in die Handlung verwobene Konflikt stört den Leser einfach. Dass Arthur C. Clarke und Stephen Baxter für diese Auseinandersetzung auch noch Klischee-Bösewichte verwenden, ist zudem ziemlich niveaulos. Daher kann man diesen Auftakt von "Die Zeit-Odyssee" nur als äußerst mittelmäßig bezeichnen.
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