Blutmusik 
Bücher: Belletristik Science-Fiction
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Donnerstag, 2. Oktober 2008

Blutmusik

Originaltitel: Blood Music
Übersetzt von: Usch Kiausch

Verlag: Heyne
Erschienen: April 2008
ISBN: 978-3-453-52365-4
Preis: 8,95 EUR

432 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
9.0
Gesamtwertung
7.2

Wertung:
7.2
von 10
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Zum Inhalt:

Der Biochemiker Vergil Ulam ist ein Genie seines Fachs. Sein Ziel ist die Erzeugung "intelligenter" Lebensformen aus Bakterien. Doch als ihm die Firmenleitung seine Experimente verbietet, fasst er einen fatalen Entschluss: Er testet die Zellkulturen an sich selbst. Und ändert damit den Lauf der menschlichen Evolution.

Meinung:

Hard-Science-Fiction, also wissenschaftlich fundierte Science-Fiction, wird allgemein hauptsächlich mit Arthur C. Clarke in Verbindung gebracht. Andere Autoren, die auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse spannende Zukunftsromane schrieben, sind wohl nur absoluten Kennern des Genres ein Begriff. Doch auch Greg Bear hat mit "Blutmusik" einen Roman abgeliefert, der mit dem Werken Arthur C. Clarkes durchaus mithalten kann. Seit 1975 schreibt der Autor Science-Fiction, und nun hat der Heyne-Verlag sein vielleicht berühmtestes Werk innerhalb der Reihe "Meisterwerke der Science-Fiction" neu überarbeitet herausgebracht.

Wenngleich so manche Anspielung auf die Ära des Kalten Kriegs nicht mehr zeitgemäß wirkt, bietet das Buch eine auch heute noch spannende Geschichte. Die Handlung ist allerdings vielleicht nicht für jeden Leser leicht zu verdauen - und der emotionale Schock des Finales lässt sich am ehesten mit Arthur C. Clarkes "Die letzte Generation" vergleichen. In jenem Roman hat Clarke auf eine sehr nüchterne Art und Weise den nächsten Evolutionsschritt der Menschheit beschrieben, an dessen Ende die Erde ohne Leben zurückbleibt.

Auch in "Blutmusik" wird von Greg Bear nüchtern dargestellt, wie der Menschheit ein ähnlich tiefgreifendes Schicksal widerfährt. Alles fängt mit Vergil Ulam an, einem Wissenschaftler, der die von seiner Firma gesteckten Grenzen in Sachen Forschung wissentlich und willentlich überschreitet. Anfänglich hat das Experiment noch einen durchaus positiven Effekt für ihn. Doch dann Geraten die Dinge außer Kontrolle und die gesamte Menschheit wird bedroht. Das ist der Moment, an dem sich die Handlung wandelt. Immer mehr Horror-Elemente entwickeln sich und beginnen langsam das Buch zu bestimmen. Dabei wirkt die Geschichte insgesamt wie aus einem Guss und wird vom Autor flüssig erzählt.

Nur an einer Stelle kommt die Handlung ins Stocken ... nämlich zu dem Zeitpunkt, an dem der Leser eine detaillierte philosophisch-wissenschaftliche Analyse der Konsequenzen von Vergils Handlung vorgesetzt bekommt. Greg Bear verweist dabei auf diverse Denkmodelle, die dem Durchschnittsleser eher unbekannt sind und ihn durch ihre Sichtweise eher verwirren. Daher ist diese Passage ziemlich schwer verständlich. Nach diesem Abschnitt fängt sich die Handlung allerdings wieder und steuert auf ein spannendes Finale zu.

Gerade durch die erschreckenden Ereignisse der Geschichte wird das Buch so lesenswert. Es ist wie bei einem Thriller, man muss einfach wissen, wie es weitergeht. Dabei lässt Greg Bear seine Charaktere allerdings ziemlich außer Acht. Er räumt Vergil nach einem Drittel des Buchs auf ziemlich eindeutige Art und Weise aus dem Weg und lässt einige Seiten später seinen Mörder eine Wandlung durchmachen, ohne danach auf das weitere Schicksal der Figur einzugehen.

Das Buch wird durch ein umfangreiches Glossar abgerundet, das dem Leser zumindest die wichtigsten wissenschaftlichen Begriffe verständlich macht, die für die verschiedenen Vorgänge in "Blutmusik" entscheidend sind.

Fazit:

"Blutmusik" ist eines der Science-Fiction-Bücher, die man nach dem Lesen nicht so schnell wieder vergisst. Was Greg Bear in seinem Roman beschreibt, ist gruselig - besonders weil es eine wissenschaftliche Grundlage besitzt. Dabei dominiert die Wissenschaft zum Glück nie zu sehr die Handlung ... bis auf eine Stelle, an der der wissenschaftliche Aspekt philosophisch vorgetragen wird, was den Durchschnittsleser leider restlos überfordert. Abgesehen von dieser kleinen Schwäche und der etwas lieblos wirkenden Charakterzeichnung ist "Blutmusik" aber ein grandioses Werk.
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