Ein Jeglicher hat seine Sünde 
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 7. Juni 2008

Ein Jeglicher hat seine Sünde

Originaltitel: Crossed Bones
Übersetzt von: Dietmar Schmidt

4. Band der Reihe

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: November 2003
ISBN: 978-3-404-15068-7
Preis: 7,95 EUR

476 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
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Zum Inhalt:

Sarah Booth Delaney ist keine gewöhnliche Privatdetektivin - und hat es diesmal auch nicht mit einem gewöhnlichen Mord zu tun. Der Tote ist Ivory Keys, ein begabter schwarzer Pianist, und seine Ermordung zeitigt jene Art von Rassendiskriminierung, wie man sie in Zinnia, Mississippi, seit dem Bürgerkrieg nicht mehr erlebt hat. Als Hauptverdächtiger gilt ein reicher junger Mann. Sarah wird angeheuert, seine Unschuld zu beweisen. Keine leichte Aufgabe, zumal die Ermittlungen ihre Heimatstadt zu spalten drohen. Die schlummernden Leidenschaften der Einwohner sind unsanft geweckt worden, und Sarah Booth ist gefangen zwischen ihrem Bedürfnis, die Wahrheit zu ergründen, und den Konsequenzen, die das für ihre Stadt hätte.

Meinung:

Im vierten Krimi um die Privatdetektivin wird Sarah Booth Delaney von der Ehefrau des ermordeten Pianisten Ivory Keys angeheuert um zu beweisen, dass der mutmaßliche Mörder die Tat nicht begangen hat. Obwohl alle Tatsachen gegen den verdächtigen Scott Hampton sprechen, ist die Witwe davon überzeugt, dass ihr Mann dem jungen Gitarristen nicht grundlos sein Vertrauen schenkte. Es soll bewiesen werden, dass das Lebenswerk ihres Mannes - und seine Überzeugung, dass Musik über die Grenzen von jahrhundertealten Vorurteilen hinweg vermitteln kann - nicht auf tönernen Füßen stand.

Auch wenn "Ein Jeglicher hat seine Sünde" auf den ersten Blick nur aus den üblichen Elementen besteht, die Carolyn Haines für ihre Krimis verwendet, kommt durch das Thema Rassendiskriminierung ein neuer und ernsthafter Ton in der Geschichte auf. Natürlich findet der Leser trotzdem noch die liebgewonnenen Charaktere der ungewöhnlichen Stadt Zinnia wieder und kann sich an den amüsanten Dialogen erfreuen. Doch während in früheren Romanen der Unterschied zwischen dem Leben der Weißen und Schwarzen im Mississippi-Delta höchstens einmal angedeutet wurde, wird in diesem Buch schnell klar, dass die Themen Sklaverei und Rassentrennung noch lange nicht aufgearbeitet worden sind.

Sarahs Bedürfnis nach einer befriedigenden Beziehung zu einem Mann scheint neben diesen gewichtigen Themen fast unpassend breit ausgearbeitet zu sein. Während der Ermittlungen wird die junge Frau von diversen Männern abgelenkt, die in der Regel auch als potenzielle Mörder in Frage kämen. Verstand und Gefühl der Privatdetektivin laufen mal wieder in verschiedene Richtungen und sorgen für so manche erheiternde Szene. Doch obwohl Hausgeist Jitty normalerweise alles tun würde, um Sarah endlich "an den Mann" zu bringen, ist auch sie dieses Mal mehr mit den rassistischen Hintergründen des Mordes beschäftigt.

Sarah Booth Delaneys Fälle haben die Privatdetektivin von Anfang an in Lebensgefahr gebracht, doch so bedrohlich wie dieser war noch keiner von ihnen. Veraltete Gruppierungen, die alles tun würden, um einen weißen Mann, der einen Schwarzen ermordet hat, aus dem Gefängnis zu holen, bedrohen Sarah. Auf der anderen Seite wird ihr das Leben von einem Verein farbiger Kapuzenmänner schwer gemacht, die alles daransetzen, einen weißen Mann für den Mord an einem Schwarzen hängen zu sehen. An der Wahrheit ist keiner von ihnen interessiert. Auch zwei Mitglieder einer Motorradgang treiben sich auf einmal in Zinnia herum und sind anscheinend in den einen oder anderen illegalen Vorfall verwickelt.

Carolyn Haines schildert eindringlich und überzeugend, wie der alte Rassismus bei den Menschen im Mississippi-Delta unter der Oberfläche schwelt. Scheint an einem normalen Tag die Welt in Ordnung und Gleichbehandlung nicht nur ein Schlagwort der Politiker zu sein, so genügt doch ein kleiner Funke um im amerikanischen Süden fast schon einen Bürgerkrieg auszulösen. Über all dem klingt in "Ein Jeglicher hat seine Sünde" der Blues und mit ihm die Liebe der Autorin zu ihrer Heimat Mississippi.

Dem Leser zuckt es bei diesem Roman regelrecht in den Fingern, den Plattenschrank zu durchforsten und die alten Blues-Größen noch einmal aufzulegen. In der Nähe von Memphis ist der Blues zuhause und durchdringt jede Seite des Buches, bis man selbst ganz melancholisch wird. Doch in der Traurigkeit dieser Musik steckt auch immer eine unüberhörbare Spur von Lebensfreude. So lässt die Autorin in diesem Buch ihren ganz eigenen Humor ebenfalls nicht vermissen und verbindet die schwelenden Konflikte, den Blues und die skurrilen Figuren der Stadt Zinnia zu einem überaus unterhaltsamen und spannenden Roman.

Fazit:

Mit "Ein Jeglicher hat seine Sünde" spricht Carolyn Haines ein ungewohnt ernsthaftes Thema an. Obwohl auch dieser Sarah-Booth-Delaney-Krimi mit amüsanten Dialogen und skurrilen Charakteren aufwarten kann, ist das Thema Rassismus doch zu ernsthaft, um die übliche Leichtigkeit der vorherigen Romane zu verbreiten. Durch die vielen extremen Parteien gerät die Privatdetektivin ständig in Lebensgefahr, was für ein großes Maß an Spannung sorgt. Trotz des immer noch existenten Rassismus bringt die Autorin den Leser mit ihren Krimis dazu, das Mississippi-Delta durch ihre Augen zu sehen und lieben zu lernen.
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