Der Krieg im Dunkeln 
Bücher: Sachbuch Kultur & Zeitgeschehen
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Mittwoch, 28. Mai 2008

Der Krieg im Dunkeln - Die wahre Macht der Geheimdienste

Verlag: Heyne
Erschienen: April 2008
ISBN: 978-3-453-60069-0
Preis: 9,95 EUR

542 Seiten
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Zum Inhalt:

Bestsellerautor Udo Ulfkotte erzählt die Geschichte der Geheimdienste als eine Geschichte von Höhepunkten und Niederlagen, Pannen und Skandalen, legalen und illegalen Methoden. Anhand aktueller, brisanter und skandalöser Fälle schildert der Experte, wie Agenten die Weltwirtschaft lenken, was Politiker von den Aktionen ihrer Spionageeinrichtungen wissen und wie die Nachrichtendienste zusammenarbeiten. Das kritische Standardwerk über die großen Geheimdienste der Welt.

Meinung:

Bei "Der Krieg im Dunkeln" handelt es sich um die aktualisierte Neuausgabe der gleichnamigen Hardcover-Version, die Anfang 2006 im Eichborn-Verlag erschien.

Geheimdienste lassen einen natürlich sofort an James Bond denken. Martini trinken, mit hübschen Frauen flirten und so ganz nebenbei die Welt retten. Nur leider hat diese Darstellung überhaupt nichts mit der Realität zu tun, denn derart cool und lässig geht es bei den echten Geheimdiensten nicht zu.

Nach der Lektüre des Buchs wird man vielmehr die Ansicht der zahlreichen Verschwörungsfanatiker nachvollziehen können, die die Geheimdienste für nahezu alles Übel der Welt verantwortlich machen - und das nicht erst seit dem kürzlich enthüllten BND-Skandal.

Zur Erinnerung:
Der Bundesnachrichtendienst hat ohne Genehmigung Gespräche zwischen einem afghanischen Minister und einer deutschen Journalistin abgehört. Ein riesiger Skandal, so scheint es zumindest auf den ersten Blick. Doch muss man sich leider darüber im Klaren sein, dass solche Vorgänge bei den Geheimdiensten an der Tagesordnung sind. Ulfkotte zeigt deutlich auf, dass es sich hierbei nicht um die Ausnahme, sondern vielmehr um die Regel handelt. Zwar gelten auch für die Nachrichtendienste gewisse Richtlinien, aber diese werden immer wieder gekonnt ignoriert.

Es gelingt dem Autor ohne Probleme, alle größeren Geheimdienste zu porträtieren und dabei beim Leser die unterschiedlichsten Reaktionen hervorzurufen. Mal kann man über den Dilettantismus in einigen Fällen nur den Kopf schütteln, mal ist man entsetzt, wie häufig die Dienste auf eigene Faust agieren, ohne Rücksicht auf jegliche Art von Konventionen. Besonders deutlich wird dies bei den amerikanischen Geheimdiensten, die immer mal wieder gegenseitig im Clinch liegen.

Im Bezug auf letzteres Thema ist allerdings schade, dass sich Udo Ulfkotte hauptsächlich auf die CIA konzentriert und von den restlichen amerikanischen Geheimdiensten einzig die NSA in einem Kapitel berücksichtigt wird. Andere amerikanische Geheimdienste und bundespolizeiliche Einrichtungen - hier vor allem das FBI - werden nur dann erwähnt, wenn es um eine Schilderung im Zusammenhang mit der CIA geht. Allerdings hätte es wohl den Rahmen des Buchs gesprengt, wenn Udo Ulfkotte allen amerikanischen Organisationen genauso viel Aufmerksamkeit gewidmet hätte wie dem berühmten Auslandsnachrichtendienst der USA.

Nach der Lektüre dieses Bandes sieht man die Welt der Geheimdienste unter einem völlig neuen Gesichtspunkt. Man fürchtet sie einerseits und betrachtet gewisse Entwicklungen unserer Zeit mit anderen Augen.

Fazit:

"Der Krieg im Dunkeln" ist ein gelungenes Sachbuch über die Welt der Geheimdienste. Udo Ulfkotte wartet im Verlauf des Buchs mit vielen interessanten Details auf und enthüllt Spannendes, aber auch Erschreckendes. Zwar berücksichtigt er nicht alle großen Geheimdienste dieser Welt, doch immerhin wird ein Großteil vorgestellt. Selbst das reicht schon aus, um beim Leser ein gewisses Unwohlsein hervorzurufen. Denn eins wird nach der Lektüre schnell klar: Geheimdienste halten sich an keine Regeln. Nicht mal an ihre eigenen.
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