Feuerblüte 2: Im Reich der Wolkentrinker 
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Donnerstag, 1. Mai 2008

Im Reich der Wolkentrinker

Reihe: Feuerblüte
2. Band der Reihe

Untergenre: Fantasy
Verlag: Ueberreuter
Erschienen: Juli 2006
ISBN: 978-3-8000-5245-5
Preis: 16,95 EUR

367 Seiten
Inhalt
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Preis/Leistung
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Zum Inhalt:

Im Westen Dareshs ist die Grenze, die das Land vor der feindlichen Draußenwelt abschirmt, zusammengebrochen. Alena ke Tassos aus der Feuer-Gilde ergreift mit dem Iltismenschen Cchraskar, zwei Freunden und dem Gildenlosen Jorak die Chance, auf eigene Faust die unerforschten Gebiete jenseits der Sieben Türme zu erkunden und nach dem legendären Schatz von Atakán zu suchen. Doch sie finden weit mehr als erwartet - denn jenseits der Grenze gibt es eine fremdartige Zivilisation. Dort wartet auf die junge Schwertkämpferin und ihre Gefährten eine Zerreißprobe für ihre Freundschaft und alles, woran sie glauben.

Meinung:

Im zweiten Band der "Feuerblüte"-Trilogie, "Im Land der Wolkentrinker", steht Daresh vor der größten Bedrohung seit Bestehen des Landes. Von allen Seiten eilen die Mitglieder der verschieden Völker an die westliche Grenze, um diese vor Eindringlingen zu schützen. Alena und ihre Freunde werden im Dorf zurückgelassen, da sie als zu jung und unerfahren für die Verteidigung des Landes gelten. Für die drei Jugendlichen aber scheint dieser Zusammenbruch des Schutzwalls eine einzigartige Möglichkeit zu sein, das Land außerhalb Dareshs zu erkunden.

Beschattet von einem geheimnisvollen Unbekannten, brechen Alena, Kilian und Jalica von der Feuer-Gilde zusammen mit dem Halbmenschen Cchraskar zu einer abenteuerlichen Expedition auf. Der Verfolger stellt sich bald als Alenas Bekannter Jorak heraus, der sich auf dem Weg durch das Grenzgebiet der Gruppe anschließt. Während sie nach der sagenhaften Stadt Atakán suchen, stoßen die fünf auf immer größere Gefahren, die sie nur um Haaresbreite überleben.

Umso glücklicher sind die Reisenden, als sie nach einem mühevollen Weg eine wunderschöne Stadt erreichen. Rhiannon wirkt geradezu überwältigend perfekt auf Alena und ihre Freunde. Das Leben scheint dort unbeschwert zu sein und die Bewohner widmen ihr Dasein den verschiedenen Kunstformen. Das höchste Ziel ist es, einmal beim großen Festival eine Auszeichnung für eine künstlerische Schöpfung zu erhalten.

Doch natürlich gibt es auch in einer solch paradiesischen Stadt Arbeiten, die erledigt werden müssen. Zum Glück übernimmt eine Dienerrasse, die Miks, diese Tätigkeiten. Die Arbeit in Rhiannon ist anscheinend die einzige Lebensaufgabe der Miks, welche nicht wirklich menschlich zu sein scheinen. Sie gleichen sich alle bis auf das letzte Detail und erfüllen den Bewohnern von Rhiannon jeden Wunsch.

So ungewohnt dieses Leben für die Gruppe aus Daresh auch ist, so sehr genießen sie doch das einfache und kreative Leben. Besonders für Jorak scheint sich hier ein Traum zu erfüllen. Zuhause ist er aufgrund seiner Gildenlosigkeit ein Ausgestoßener, doch in Rhiannon gibt es keine Gilden. Hier zählen nur sein großes Talent mit Worten und seine magischen Fähigkeiten. Einzig die Ausbeutung der Miks trübt die Idylle, denn weder Alena noch ihre Freunde können sich vorstellen, dass diese ihr Leben als Diener freiwillig gewählt haben.

Während seine Tochter sich in der Welt außerhalb von Daresh aufhält, wird Alenas Vater Tavik von der Regentin dazu berufen, sich einer Gruppe der Feuer-Gilde anzuschließen. Diese Meister sollen einen Weg finden, den defekten Grenzturm zu reparieren und den Schutzwall wiederherzustellen. Bei dieser Arbeit wird der Schmied von alten Erinnerungen heimgesucht. Er hatte schon einmal in Begleitung des bösen Propheten Cano die Türme betreten, als er noch an dessen Seite kämpfte. Doch trotz der Gedanken an seine Vergangenheit genießt Tavik es auch, mal wieder gemeinsam mit Meistern seiner Gilde zu arbeiten und zu forschen.

Durch den geschickten Schachzug, einmal das Land jenseits der Grenzen zu zeigen, bietet sich Katja Brandis die Möglichkeit, ihre klar definierte Kultur zu verlassen und mit ganz neuen Elementen zu spielen. Von der Grundkonstruktion erinnert die Stadt Rhiannon sehr an klassische Science-Fiction-Gesellschaften, doch gelingt es der Autorin, aus diesem alten Konzept eine erfrischende und spannende Handlung zu entwickeln.

Während die Entwicklung Alenas, die schon im ersten Band gelungen dargestellt war, stimmig fortgeführt wird, besticht den Leser vor allem die Figur des Jorak. Für ihn bietet das Leben auf der anderen Seite der Grenze Möglichkeiten, wie er sie nie zuvor für realisierbar gehalten hätte. Nicht nur, dass er wegen seiner Fähigkeiten anerkannt wird und sogar einen wichtigen Posten in der Stadt annehmen soll, der junge Mann hat auch zum ersten Mal die Gelegenheit, seine künstlerische Ader auszuleben. Diese Entfaltung des Gildenlosen ist wirklich bewegend und mitreißend geschildert.

In "Feuerblüte" entwickelte sich die Handlung eher langsam, und es gab für den Leser wenige aufregende Höhepunkt, da die Autorin erst einmal die Charaktere einführen und ihre Welt vorstellen musste. "Im Reich der Wolkentrinker" hingegen ist so dicht und atmosphärisch geschrieben, dass man am Ende das Buch atemlos vor Spannung aus der Hand legt und es kaum erwarten kann, den Folgeband "Das Mondorakel" in die Finger zu bekommen.

Fazit:

Mit "Im Land der Wolkentrinker" hat es Katja Brandis geschafft, ihre schon spannend und interessant begonnene Geschichte um Alena von der Feuer-Gilde sehr gelungen fortzusetzen. Dieser Roman hat allerdings mehr Tempo aufzuweisen als der Auftakt der "Feuerblüte"-Trilogie und die Charaktere werden von der Autorin mit liebevoller Hand noch detaillierter ausgearbeitet. Auch die Darstellung der Stadt Rhiannon kann man nur lobend erwähnen, selbst wenn die Grundidee auf den ersten Blick doch sehr abgedroschen wirkt. Diese Expedition hinter die Grenze hat Katja Brandis' Welt Daresh wirklich bereichert.