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Ethan Ringler 2: Die Nebelmänner  Drucken E-Mail
Comics: Frankobelgier Historisches
Geschrieben von Manuel Tants   
Montag, 9. März 2009

Ethan Ringler 2: Die Nebelmänner

Zeichner: Gilles Mezzomo

Originaltitel: Ethan Ringler 2: Les Hommes-Brume
Übersetzt von: Horst Berner

Reihe: Ethan Ringler
2. Band der Reihe

Verlag: Piredda
Format: Hardcover
Erschienen: Dezember 2008
ISBN: 978-3-941279-41-4
Preis: 13,50 EUR

56 Seiten
Inhalt
7.0
Zeichnungen
7.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.2

Wertung:
7.2
von 10
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Zum Inhalt:

Ethan Ringler steht immer noch in Van Rhinelanders Diensten. Gleichzeitig wurde er aber von Agent Prinston angeworben, Van Rhinelander zu überwachen, da dieser der Drahtzieher beim verbotenen Handel mit den Indianern sein soll. Neben Van Rhinelander hat auch die Saloonsängerin Cynthia in eine mit Dampf betriebene Flugmaschine des Erfinders Hans Benz investiert. Als kurz darauf die Pläne aus Benz' Werkstatt entwendet werden, fällt der Verdacht auf Mac Steernan, den Anführer aller irischen Clans in New York. Ethan, der nun mit der Agentin Melanie zusammenarbeitet, beginnt seine Suche im Indianerlager, wo er sich an Lautlose Feder wendet ...

Meinung:

Nach dem eher lauen Auftaktband der "Ethan Ringler"-Reihe legen Autor Denis-Pierre Filippi und Zeichner Gilles Mezzomo mit "Die Nebelmänner" einen deutlich stärkeren Nachfolger vor. Da im ersten Band Ethans Verflechtung sowohl mit FBI-Agent Prinston als auch mit der zwielichtigen Organisation des auf raue Weise herzlichen Van Rhinelander vorbereitet wurde, kann er nun bei einem wichtigen Einsatz beweisen, dass das Vertrauen, das seine beiden widersprüchlichen Arbeitgeber in ihn gesetzt haben, gerechtfertigt war.

Auch einige Figuren, die im ersten Band noch ein wenig blass wirkten, gewinnen in dieser Episode deutlich an Profil. Hier ist vor allem die Sängerin Cynthia zu nennen, die nicht nur mit ihrem Äußeren den Männern den Kopf verdreht, sondern gleichzeitig eine knallharte Geschäftsfrau ist, die nicht mit sich spaßen lässt - vor allem dann nicht, wenn ihre finanziellen Interessen gefährdet sind, weil ein Konkurrent Van Rhinelanders in die Werkstatt eines seiner Ingenieure einbricht und die Pläne für eine motorisierte Flugmaschine stiehlt. Da Cynthia ebenfalls in diese bahnbrechende Erfindung investiert hatte, setzt sie nun alle Mittel ein, um Van Rhinelander noch stärker zu motivieren, dass er die entwendeten Unterlagen von seinen Handlangern - darunter auch Ethan - zurückholen lässt, notfalls auch mit Gewalt.

Fast noch wichtiger als der gestiegene Anteil von Action und Spannung ist allerdings, dass den diversen vagen Andeutungen aus dem vorigen Band hier nun endlich ein paar handfeste Hinweise auf die Abstammung des jungen Protagonisten folgen. Allerdings gelangen die Informationen einmal mehr nicht durch Ethans eigenes Zutun in seinen Besitz, sondern eher durch Zufall, und es gibt auch wieder so manche brenzlige Lage, aus der er mehr durch Glück als durch Geschick heil wieder herauskommt. Wenn er dann doch einmal erfolgreich eine Situation klären kann, scheint er selbst allerdings derjenige zu sein, der von seiner eigenen respektablen Leistung am stärksten überrascht ist. Dieses für einen Comic-Helden eher untypische Understatement lässt Ethan Ringler als Figur durchaus sympathisch und realitätsnah wirken.

Ebenfalls überzeugend dargestellt wird Ethans innere Zerrissenheit: Einerseits will er sich gegenüber seinem Umfeld nicht als indianischstämmig zu erkennen geben und leugnet jede Beziehung zu den - von den Weißen ohnehin verachteten - Ureinwohnern Amerikas. Andererseits verspürt er nicht nur große Neugier darauf, endlich seine Abstammung restlos zu klären, sondern empfindet auch einen unbändigen Drang, sich in die Gesellschaft anderer Indianer zu begeben. Denn unter ihnen fühlt er sich auf seltsame Weise geborgen und "wie zu Hause". Die Qualität der Geschichte ist also generell spürbar gestiegen. Einige Dialoge wirken jedoch leider ein wenig flach.

Noch vor dem eigentlichen Beginn der Geschichte stößt der Leser in "Die Nebelmänner" auf einen Einblick in Gilles Mezzomos Skizzenheft, anhand dessen die Handlung des vorigen Bandes rekapituliert wird. Obendrein wird hier deutlich, dass die Bleistiftzeichnungen des Künstlers noch ausdrucksstärker sind als seine getuschten Reinzeichnungen. Letztere leiden womöglich auch unter den erneut ein wenig zu aufdringlichen Farben von Nadine Thomas. Die Illustrationen weisen nach wie vor einen leicht cartoonhaften Zug auf, was jedoch nicht im Widerspruch zur vorwiegend ernsthaften Handlung steht. Vielmehr gewinnen die Charaktere aus der leichten Überzeichnung eine angenehme Lebhaftigkeit. Die besonders sorgsam ausgearbeiteten Hintergründe lassen zudem das New York des Jahres 1879 sowohl in seiner Pracht als auch in seinem Elend eindrucksvoll wiederauferstehen.

Fazit:

Im Vergleich zum ersten Band um Ethan Ringler stellt "Die Nebelmänner" eine klare Steigerung dar. Nun, da alle Akteure in Position sind, kann Autor Denis-Pierre Filippi endlich damit beginnen, die Handlung richtig zu entfalten. Und so präsentiert er diesmal einen spannenden Fall von Werksspionage, der mit der richtigen Mischung aus Action und Diplomatie wieder aufgelöst wird. Zusätzlich gibt es nicht nur erste greifbare Hinweise für Ethans Suche nach seinen Ursprüngen, sondern auch ein paar neue Andeutungen, die Spekulationen über den Anlass für seine Reise von London nach New York aufkommen lassen. Die ansehnlichen Zeichnungen von Gilles Mezzomo können ebenfalls überzeugen, sodass nur zu hoffen bleibt, dass das Künstler-Team auch weiterhin diesen Kurs beibehalten kann.
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