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Ethan Ringler 1: Tecumska  Drucken E-Mail
Comics: Frankobelgier Historisches
Geschrieben von Manuel Tants   
Mittwoch, 19. November 2008

Ethan Ringler 1: Tecumska

Zeichner: Gilles Mezzomo

Originaltitel: Ethan Ringler 1: Tecumska
Übersetzt von: Horst Berner

Reihe: Ethan Ringler
1. Band der Reihe

Verlag: Piredda
Format: Hardcover
Erschienen: Oktober 2008
ISBN: 978-3-941279-40-7
Preis: 13,00 EUR

48 Seiten
Inhalt
5.0
Zeichnungen
7.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.4

Wertung:
6.4
von 10
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Zum Inhalt:

Als junger Mann im Alter von 17 Jahren setzt Ethan Ringler von London aus mit dem Schiff nach Amerika über. Er entstammt einer gut situierten Familie und hat von seiner Mutter her indianisches Blut in seinen Adern. Doch Ethan möchte das Erbe seines verstorbenen Großvaters nicht annehmen, denn er ist vielmehr auf der Suche nach seiner wahren Herkunft. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, heuert er daher als Leibwächter des zwielichtigen van Rhinelander an. Bei einem Handgemenge kommt Ethan beinahe ums Leben. Nur das Eingreifen eines gewissen Prinston rettet ihn vor dem Tod. Pikanterweise arbeitet Prinston für die Bundespolizei der Vereinigten Staaten von Amerika und ist hinter van Rhinelander her...

Meinung:

Gleich in den ersten beiden Sätzen des Comics erfährt der Leser, dass die Titelfigur Ethan Ringler, die hier auch als rückblickender Erzähler fungiert, eigentlich "Tecumska" heißt und indianischer Abstammung ist. Das sind jedoch noch längst nicht alle Geheimnisse, die sich um den - zum Zeitpunkt der Handlung 17-jährigen - Jüngling ranken, sodass die Serie für die Zukunft noch so manche Enthüllung erwarten lässt. Im vorliegenden Band, der 1879 in New York spielt, bleiben die großen Erkenntnisse allerdings noch aus - genauso wie etwaige Spannungs-Höhepunkte der Handlung.

Der naive Ethan will sich in der fremden Stadt auf der Suche nach seiner Herkunft allein durchschlagen und greift deshalb nicht auf das beträchtliche Vermögen seines Großvaters zurück. Doch schnell hat der junge Mann seinen kleinen Vorrat an Bargeld verbraucht und muss sich Arbeit suchen. So gerät er einerseits an einen Job als Barmann und andererseits an den Gangsterboss van Rhinelander, der Ethans Arbeitsplatz zu seiner Stammkneipe gemacht hat und einen neuen Leibwächter sucht. Dieser van Rhinelander steht wiederum unter Beobachtung einer FBI-Einheit unter Leitung von Mr. Prinston, der Ethan gerne als V-Mann in die Verbrecherorganisation einschleusen würde.

All diese Handlungsstränge werden mit Ethans privater (und im ersten Band noch komplett ergebnisloser) Suche nach seinen indianischen Ursprüngen verwoben, wirken aber in ihrer Umsetzung reichlich halbherzig. Irgendwie hat der Protagonist drei Jobs gleichzeitig, scheint aber keinen davon gezielt zu verfolgen, sondern stolpert eher zufällig von einer brenzligen Situation in die nächste, ohne am Ende selbst viel zu deren Auflösung beizutragen. Szenarist Denis-Pierre Filippi, der schon mit Träume: Coraline ein in erster Linie durch seine Inhaltslosigkeit auffallendes Werk abgeliefert hat, macht also auch bei "Ethan Ringler" einen nur marginal besseren Eindruck.

Dabei deutet der Autor durchaus an, dass hier noch einige interessante Geheimnisse ihrer Entdeckung harren: Da gibt es nicht nur Ethans Suche nach seinen Wurzeln, sondern auch seine hochmodernen Schusswaffen (die er in diesem Band jedoch niemals einsetzt, sondern höchstens als Handelsware betrachtet) scheinen von einem interessanten Mysterium umgeben zu sein, das in einer Vergangenheit begründet liegt, die er lieber verschweigt. Randfiguren wie die verführerische Sängerin Cynthia scheinen ebenfalls eigene Pläne zu verfolgen, die nicht unbedingt legal wirken, und auch die genauen Absichten von FBI-Mann Prinston bleiben verborgen. In diesem ersten Band werden diese durchaus vielversprechenden Story-Elemente jedoch lediglich angedeutet - und das allein genügt leider noch längst nicht, um den Band wirklich lesenswert zu machen.

Die Zeichnungen von Gilles Mezzomo sind im Grunde recht realistisch, weisen dabei aber einen leichten Einschlag in Richtung Cartoon-Stil auf, was jedoch keineswegs stört, sondern dem Mienenspiel der Figuren mehr Ausdrucksstärke verleiht. Lediglich der Protagonist sticht hier heraus, da er ein sehr ebenmäßiges Gesicht verpasst bekommen hat, das dadurch häufig ein wenig "leer" wirkt - aber das darf vermutlich als Zeichen seiner Jugend gedeutet werden. Auch bei den Kulissen macht Mezzomos Arbeit einen überzeugenden Eindruck: Sein feiner Strich bringt das Flair des frühen New York gekonnt zu Papier, wenngleich der Piredda-Verlag auf ein etwas kleineres Albenformat zurückgreifen konnte als z. B. bei W.E.S.T., ohne dass hier zu viele Details verloren gehen. Die Kolorierung von Nadine Thomas unterstützt die Atmosphäre weitgehend, auch wenn sie mitunter eine Nuance zu kräftig und farbenfroh geraten ist.

Fazit:

Für sich betrachtet ist "Ethan Ringler: Tecumska" kaum mehr als ein nur mittelmäßig ausgearbeiteter Kriminalfall im New York des späten 19. Jahrhunderts, bei dem der Protagonist zudem bestenfalls einen unbedarften Lockvogel darstellt. Damit eignet sich die Geschichte im Grunde nicht sehr gut als Serienauftakt, der den Leser doch eigentlich durch den Charme des Helden und einen packenden Plot in die Handlung hineinziehen sollte. Lediglich Ethans Suche nach seinen Ahnen und die diversen angedeuteten Mysterien, die ihn und seine Vergangenheit umgeben, sorgen dafür, dass man sich eventuell noch für die bereits angekündigten Folgebände interessiert. Wenn aber auch der zweite Band, "Die Nebelmänner", in dieser Hinsicht bei vagen Hinweisen bleibt und keinerlei neue Erkenntnisse liefert, könnte das dazu führen, dass die Leserschaft endgültig verstimmt ist.
Weiterführende Infos

 
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