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Siegfried  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Comics: Frankobelgier Fantasy & Sci-Fi
Geschrieben von Jano Rohleder   
Mittwoch, 2. Juli 2008

Siegfried

Autor: Alex Alice
Zeichner: Alex Alice

Originaltitel: Siegfried
Übersetzt von: Tanja Krämling

Reihe: Siegfried
1. Band der Reihe

Verlag: Splitter
Format: Hardcover
Erschienen: Mai 2008
ISBN: 978-3-940864-18-5
Preis: 15,80 EUR

72 Seiten
Inhalt
9.0
Zeichnungen
10.0
Verarbeitung
9.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
9.2

Wertung:
9.2
von 10
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Zum Inhalt:

Der erste Band der Trilogie erzählt die Kindheit des jungen Waisenkindes Siegfried, das vom Zwergenschmied Mime aufgezogen wird. Aus dem Jungen soll ein Held werden. Einer, der sogar einen Drachen töten kann - einen ganz bestimmten Drachen, der auf einem Riesenhaufen von Gold sitzt. Gold, das Mime ganz gern einsacken würde. Aber Siegfried ist ein verdammt eigensinniger Bursche. Und Erziehung ist auch in Fantasy-Welten eine Sache für sich ...

Meinung:

Der Franzose Alex Alice ist bei uns vor allem durch die bei Carlsen erschienene Reihe "Das dritte Testament" bekannt geworden. Für sein neues Werk "Siegfried" hat sich Alice an eine moderne Umsetzung der altnordischen und germanischen Sagen um den gleichnamigen Helden und die Nibelungen gewagt. Dabei beschränkt er sich jedoch nicht auf eine einzelne der klassischen Geschichten, sondern greift vielmehr Elemente und Figuren diverser Herkunft auf, um sie in seinem Comic zu etwas ganz Eigenem zu vermischen.

Band 1, der von Splitter als aufwändig gestaltetes Hardcover veröffentlicht wird, erzählt von Siegfrieds Herkunft und den Ereignissen, die zu ihr führten bzw. mit ihr in Verbindung standen. Einst schuf Odin einen Klumpen Gold, der dem Besitzer die absolute Macht verleiht. Dieser Macht kann nichts und niemand widerstehen, doch im Gegenzug ist sie auch ein Fluch, denn sie beherrscht das Herz ihres Besitzers und macht es auf immer unempfänglich für die Liebe. Da solch ein Opfer selbst für Odin zu groß wäre, wirft er den Goldklumpen in einen Fluss und stellt seine älteste Tochter als Wächterin ab.

Auf ihrem Posten wird sie von dem Nibelung Fafnir entdeckt, der von ihrer Schönheit geblendet ist. Doch alle Annäherungsversuche weist sie zurück und Fafnir brodelt vor Eifersucht, als sie sich eines Tages in einen vorbeiziehenden Menschen verliebt. Wütend stiehlt er den Goldklumpen und bringt ihn zu Mime, dem besten aller Schmiede, damit dieser aus ihm einen mächtigen Ring erschafft. Die Macht des Goldes ergreift Besitz von Fafnir und lässt ihn zu etwas unsäglichem Neuen werden. Ein Wesen jenseits jeglicher Vorstellungskraft. Seit diesem Tag ruht Fafnir im Untergrund allein auf seiner Macht und das Volk der Nibelungen, das dort zuvor lebte, verstreute sich ins Exil aller vier Himmelsrichtungen.

Unterdessen kommt der Zorn Odins über die ungehorsame Tochter und ihren Geliebten. Während der Mensch sofort des Todes ist, nimmt Odin der jungen Frau ihre Unsterblichkeit und lässt sie allein im Schnee des Waldes zurück. Als nunmehr Sterbliche bringt sie einen Sohn zur Welt, den sie dem auf seiner Wanderung gerade vorbeikommenden Mime anvertraut, bevor sie stirbt. Von nun an wächst Siegfried bei dem einstigen Schmied im Wald auf, ohne dass die Götter von ihm wissen. So zumindest hat es zunächst den Anschein...

Man merkt schon: Bei Alice Interpretation der alten Sage kommt eine gute Portion Fantasy ins Spiel. Die Nibelungen, beispielsweise, werden hier zu einem mysteriösen Volk von behörnten Fabelwesen, das im Untergrund lebt und das Tageslicht scheut. So ist dann auch Mime - der Schmied, bei dem Siegfried im Wald lebt - kein stattlicher Franke, sondern eher eine Mischung aus Miraculix und Gollum. Generell finden sich in diesem ersten Band der auf drei Teile angelegten Comic-Saga Anspielungen auf einige bekannte Werke. Die Szene um das Schmieden des Rings der Macht hat deutliche Anleihen beim "Herr der Ringe", während das tobende Spiel des jungen Siegfried mit den Wolfskindern im Wald stark an Mowgli aus dem "Dschungelbuch" erinnert.

Wenngleich die Story auf den ersten Blick etwas abwegig erscheinen mag, kann sie doch durch eine hervorragende grafische Umsetzung und gelungenes Timing überzeugen. Die Geschichte wird größtenteils gemächlich langsam erzählt, bekommt aber an den richtigen Stellen das entscheidende Tempo. Hier wird eben ein Epos aufgebaut und deshalb dauert es in diesem Einführungsband auch verhältnismäßig episch lange, bis der eigentliche Held der Geschichte auftaucht. Doch hat man sich in die (auf den ersten Seiten zunächst leicht verwirrend erscheinende) Handlung eingefunden, wird "Siegfried" schnell zu einem Pageturner, der unter Comics Seinesgleichen sucht. Mit Spannung verfolgt man die Geschichte und ist bei jeder Seite aufs Neue von den genial atmosphärischen und vielseitigen Zeichnungen begeistert. Bei den Darstellungen des Waldes spürt man beispielsweise geradezu das Laub durch die Blätter rascheln, während der verschrobene Nibelung Mime nicht nur als komischer Sidekick auftritt, sondern auch eine absurd putzige Niedlichkeit an sich hat, die ihm fast schon Trickfilmqualitäten beschert.

Fazit:

Alex Alices "Siegfried" basiert frei auf den germanischen und altnordischen Nibelungensagen und vermischt diese mit einer Vielzahl an Fantasyelementen, was der Geschichte jedoch nicht schadet, sondern äußerst gut tut. Nicht nur die Story weiß zu gefallen - insbesondere die hervorragend atmosphärischen Zeichnungen sind ein Geniestreich, den man so nur selten zu Gesicht bekommt. Mal realistisch, mal eher zeichentrickhaft schaffen sie es, die Handlung immer auf den Punkt genau grafisch stimmig umzusetzen und lassen beim Leser die Vorfreude auf die beiden Folgebände wachsen.
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