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Kind des Blitzes 1: Blutsteine  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Comics: Frankobelgier Fantasy & Sci-Fi
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 9. November 2008

Kind des Blitzes 1: Blutsteine

Zeichner: Didier Poli

Originaltitel: L'enfant de l'orage: Pierres de sang
Übersetzt von: Resel Rebiersch

1. Band der Reihe

Verlag: Splitter
Format: Hardcover
Erschienen: Juni 2008
ISBN: 978-3-940864-25-3
Preis: 12,80 EUR

48 Seiten
Inhalt
9.0
Zeichnungen
10.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
9.2

Wertung:
9.2
von 10
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Zum Inhalt:

Nach einem Gewitter findet der Jäger Moskip bei einem Jagdausflug eine tote Frau, die vom Blitz erschlagen wurde. Neben ihr liegt ein quicklebendiges Neugeborenes. Da Moskips Frau Gladhin keine Kinder bekommen kann, sieht der Jäger den Jungen als einen Glücksfall an und nimmt ihn als eigenes Kind in die Familie auf. Doch Laith, wie seine Pflegeeltern den Jungen nennen, hat eine unheimliche Gabe, die immer bei Gewittern zum Tragen kommt und die Menschen, die ihm ein Zuhause gegeben haben, in große Gefahr bringt.

Meinung:

Manuel Bichebois und Didier Poli haben mit dem Auftakt ihrer ersten Comic-Serie "Kind des Blitzes" in ihrem Heimatland so viel Anerkennung gefunden, dass sie in Nîmes mit dem Albert-Uderzo-Award "Sanglier de Bronze" als beste Newcomer ausgezeichnet wurden. Fünf Jahre nachdem die beiden Künstler diese wunderbare Comic-Trilogie begonnen haben, erscheint die Serie nun auf Deutsch beim Splitter-Verlag.

Im ersten Band "Blutsteine" kann der Leser miterleben, wie der Jäger Moskip den neugeborenen Laith findet und mit in sein Dorf nimmt, um ihn als eigenes Kind aufzuziehen. Der Junge sieht anders aus als die restlichen Dorfbewohner, und nicht jeder kann sich über sein Fremdsein hinwegsetzen. Doch trotz des Misstrauens, das ihm von einigen Seiten entgegenschlägt, erlebt Laith eine glückliche Kindheit mit liebevollen Eltern und gleichaltrigen Spielkameraden. Doch eine Tatsache trübt sein Leben: Bei jedem Gewitter erlebt der Kleine schreckliche Anfälle, die mit seinem Heranwachsen immer heftiger werden.

Als es bei dem ersten selbstständigen Jagdausflug, den die Jungen des Dorfes zu Übungszwecken unternehmen sollen, zu einem furchtbaren Unglück kommt, können Laith und seine Eltern diese Probleme vor dem Clanältesten Fahuw nicht mehr verbergen. Dieser beschließt, dass es an der Zeit ist, den Jungen im nächsten Frühling in die Stadt Medillum zu bringen und einem Arzt vorzustellen, der ihm vielleicht helfen kann. Aber bevor es dazu kommt, wird General Algard, Anführer der Armee der Republik Frätt, auf das zerstörerische Potenzial des jungen Laith aufmerksam. Er setzt alles daran, den Jungen in seine Hände zu bekommen, damit er ihn als Waffe im Krieg gegen das Reich Onfidhen einsetzen kann.

Auf den ersten Blick wirkt die Geschichte rund um Laith wie eine ganz normale Fantasyerzählung. Es gibt ein Findelkind mit bedrohlichen Kräften, einen Clan, der das Kind aufzieht, und verschiedene Parteien, die die Fähigkeiten des Jungen für ihre eigenen Zwecke ausnutzen wollen. Doch Manuel Bichebois und Didier Poli ist es gelungen, ihren eigenen Zauber über diese klischeebehafteten Elemente zu werfen und einen ganz wundervollen Comic daraus zu machen.

Schon auf den ersten Seiten lassen die detaillierten und dynamischen Zeichnungen von Didier Poli Begeisterung aufkommen, und vor allem die sehr ausdrucksstarken Gesichter tragen einen großen Teil zu der mitreißenden Stimmung bei, während die wunderschöne Farbgebung, für die Tariq Bellaoui zusammen mit dem Zeichner verantwortlich ist, den Gesamteindruck perfekt abrundet. Saftig grüne Wälder, friedliche Schneelandschaften und die trostlose Atmosphäre eines Armeelagers können ebenso überzeugen wie die eher anonym und hart wirkende Stadt Medillum.

Doch Zeichnungen allein können einen Comic nur selten tragen. Umso schöner ist es, dass auch der Texter Manuel Bichebois sehr gute Arbeit leistet. Häufig benötigt er nur wenige Zeilen, um die Geschichte weiterzutreiben und den Leser in den erschreckenden Geschehnissen rund um den jungen Laith gefangen zu nehmen. Er verleiht jedem Charakter einen ganz eigenen Ausdruck und fängt die Stimmung der jeweiligen Szene wunderbar ein. In "Blutsteine" stecken so viele Geschehnisse und Informationen, dass man fast den Eindruck bekommt, dass man gerade mehr als nur 48 Seiten gelesen hat. Und doch wird der Leser nie überfordert und fühlt sich nicht überinformiert. Ganz natürlich fließen Text und Bild zusammen und vereinigen sich zu einer mitreißenden und spannenden Geschichte.

Der Leser findet in diesem Comic eine faszinierende Welt voller Gegensätze. Auf der einen Seite sind da die freundlichen - und ein wenig tierähnlichen - Clanleute, bei denen Laith aufwächst, dann die erschreckende, aber ausgelaugte Armee rund um den egozentrischen General Algard und zuletzt noch die erstaunlich modern wirkende Stadt Medillum mit ihren Bewohnern. Die Frage, was wohl noch alles in dieser Welt zu entdecken ist, wird den Leser wohl genauso zum Kauf des nächsten Bandes bewegen wie der wirklich fiese Cliffhanger am Ende von "Blutsteine".

Fazit:

"Kind des Blitzes: Blutsteine" beinhaltet alles, was den Fantasyleser unter den Comicfans in Begeisterung versetzen kann: Faszinierende Charaktere und eine wirklich spannende Geschichte vereinen sich mit wunderschönen und sehr ausdrucksstarken Zeichnungen zu einem gelungenen Ganzen. Die Erlebnisse des Waisenkindes Laith basieren zwar auf vertrauten Elementen des Genres, werden aber so stimmungsvoll erzählt, dass sie den Leser einfach mitreißen. Die faszinierende Welt in diesem Comics und die Frage, was in Zukunft noch alles mit dem Jungen geschehen wird, sorgen auf jeden Fall dafür, dass man dem folgenden Band, "Wo sich die Winde kreuzen", entgegenfiebert.
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