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Das verlorene Paradies 1: Hölle  Drucken E-Mail
Comics: Frankobelgier Fantasy & Sci-Fi
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 1. März 2009

Das verlorene Paradies 1: Hölle

Autor: Ange
Zeichner: Alberto Varanda

Originaltitel: Paradis Perdu: Enfer
Übersetzt von: Tanja Krämling

1. Band der Reihe

Verlag: Splitter
Format: Hardcover
Erschienen: Oktober 2006
ISBN: 978-3-939823-00-1
Preis: 12,80 EUR

48 Seiten
Inhalt
7.0
Zeichnungen
8.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.6

Wertung:
7.6
von 10
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Zum Inhalt:

Gabriel ist ein Engel, aber keineswegs der berühmte Erzengel, sondern ein "Working Class"-Engel, der eines der vielen Tore zwischen Licht und Dunkel bewacht. In seinem Falle eine Pariser Metro-Station. Gabriel erledigt seinen Job gewissenhaft, aber er schlägt sich mit einem einzigartigen Problem herum. Denn er ist in die wunderschöne Dämonin Anya verliebt. Und für sie ist er bereit, buchstäblich zur Hölle zu fahren. Unglücklicherweise folgt ihm der kleine Julien, was die sowieso schon heikle Angelegenheit noch um einiges komplizierter macht.

Meinung:

Der erste Band der vierteiligen Serie "Das verlorene Paradies" ist genau wie "Die Legende der Drachenritter" eine Zusammenarbeit des Autorenduos Ange (Anne und Gerard) mit dem Zeichner Alberto Varanda. Auch wenn ab dem zweiten Teil Philippe Xavier für die Darstellungen verantwortlich zeichnet, prägt Varandas Stil doch den Auftakt und sorgt für einen recht ansprechenden ersten Eindruck.

In "Hölle" lernt der Leser gleich auf der ersten Seite, dass die Erde nur eine von vielen Ebenen ist, die durch verschiedene Tore verbunden sind. Der Engel Gabriel ist einer der Torwächter und versieht seinen Dienst in einer Station der Pariser Metro. Eines Tages folgt Gabriel dem Jungen Julien, der sich zu nah an das Tor zur Hölle heranwagt. Er kann Julien daran hindern, durch das Tor zu gehen, muss aber miterleben, wie seine alte Freundin Anya mit dem Höllenzug im Abgrund verschwindet.

Obwohl Anya eine Dämonin ist, ist der Engel wild entschlossen, sie aus der Hölle zu retten - zuerst muss er Julien allerdings nach Hause bringen. Doch Höllenhunde verfolgen Gabriel und Julien, sodass es anscheinend nur eine Möglichkeit gibt, den Jungen vor ihren dämonischen Fängen zu retten: Julien soll im Paradies Zuflucht finden, bis es für ihn auf der Erde wieder sicher ist. Als Gabriel sich in das Reich der Verdammten aufmacht und Julien allein zurücklassen will, bekommt es der Junge jedoch mit der Angst zu tun und folgt dem Engel in die Hölle. Zusammen versuchen die beiden, Anya zu finden und müssen bald feststellen, dass es nicht so leicht ist, einen Dämon zu erretten. Auch wird schnell klar, dass Julien mehr ist als nur ein verirrtes Kind, denn Engel und Dämonen sehen in ihm ein Werkzeug im Kampf zwischen Licht und Dunkelheit.

Nach einer kurzen Einführung wird der Leser mitten in die Geschichte um den Wächter, den Jungen und die Dämonin gestoßen und erfährt erst im Laufe dieses Bandes ein wenig mehr über die Hintergründe. Dies führt dazu, dass die Handlung etwas dünn wirkt und "Hölle" nicht mehr bietet als einen reizvollen Auftakt zu einer Serie über den Kampf zwischen Engeln und Dämonen. Wie es sich für eine klassische Comicgeschichte gehört, ist Gabriel ein wahrer Kämpfer für das Paradies. Und auch wenn sich der Engel von persönlichen Motiven geleitet in die Hölle stürzt, ist er beseelt von dem Glauben an das Gute.

Julien scheint nicht mehr als ein hilfloses Kind zu sein, doch schon vor den ersten Andeutungen, die Ange in ihre Texte eingebaut haben, ahnt der Leser schnell, dass der Junge letztendlich den Mittelpunkt der Handlung einnehmen wird. Auch die Dämonin Anya verlässt nur selten den Bereich des Klischees, wenn sie ihre Reize einsetzt, um ihre Ziele zu erreichen, oder sich aus einem Impuls heraus gegen ihre Verbündeten wendet. Doch trotz der recht stereotypen Charaktere und eines klassischen Himmel-und-Hölle-Szenarios macht "Das verlorene Paradies" Lust auf die folgenden Comics der Serie. Die Texte von Ange lassen genügend Fragen offen, um gespannt auf ihre Auflösung im zweiten Band der Reihe zu warten.

Doch vor allem sind es die Zeichnungen von Alberto Varanda, die auf den ersten Blick faszinieren. Der klare Stil des Künstlers überzeugt nicht nur bei imposanten architektonischen Darstellungen, wie sie zum Beispiel im Paradies zu finden sind, sondern auch bei den Abgründen der Hölle, in denen es von Dämonen nur so wimmelt. Viele Details, betont abgegrenzte Schatten und eine von Lyse häufig Ton in Ton gehaltenen Farbgebung sorgen dafür, dass die Zeichnungen deutlich atmosphärischer wirken, als man es bei seinem doch recht technischen Stilschwerpunkt erwarten würde. Die Panelaufteilung, die eher an amerikanische Comics erinnert, sorgt neben den vielen dargestellten Kämpfen für eine Menge Action auf den Seiten und trägt deutlich zur Spannung bei.

Fazit:

Das Autorenduo Ange erzählt mit "Das verlorene Paradies: Hölle" eine klassische Geschichte über den Kampf zwischen Himmel und Hölle. Unterstützt wird die Handlung von Alberto Varandas stimmungsvollen Zeichnungen, die ein beeindruckendes Bild des Paradieses und des Reichs der Verdammten zeigen. Stereotype Charaktere und vorhersehbare Handlungsverläufe führen normalerweise eher zu Langeweile als zu Interesse. Doch da das Zusammenspiel zwischen Text und Zeichnungen so gelungen ist und noch genügend Fragen offen bleiben, auf deren Beantwortung man hoffen kann, bleibt der Leser neugierig auf die weitere Entwicklung der Geschichte rund um den Wächter Gabriel, die Dämonin Anya und den geheimnisvollen Jungen Julien.
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