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Träume 1: Coraline  Drucken E-Mail
Comics: Frankobelgier Allgemeines
Geschrieben von Jano Rohleder   
Dienstag, 8. Juli 2008

Träume 1: Coraline

Zeichner: Terry Dodson

Originaltitel: Songes: Coraline
Übersetzt von: Tanja Krämling

Reihe: Träume
1. Band der Reihe

Verlag: Splitter
Format: Hardcover
Erschienen: Dezember 2007
ISBN: 978-3-939823-43-8
Preis: 13,80 EUR

56 Seiten
Inhalt
5.0
Zeichnungen
9.0
Verarbeitung
9.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
7.2

Wertung:
7.2
von 10
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Zum Inhalt:

Die charmante Coraline wird als Betreuerin für den jungen Sohn eines reichen Herzogs engagiert. Ihr Auftrag ist es, den lernbegierigen und altklugen Vernère zu unterhalten. Der kleine, einfallsreiche Genius hasst jedoch Spiele und ist überaus unleidlich. Trotzdem versucht Coraline, ihren Schützling zu verstehen und wird dabei immer tiefer in die seltsame und überraschende Traumwelt des Herrenhauses hineingezogen. Und weder die garstige Gouvernante noch der glattzüngige Butler können sie davon abhalten, nächtlich ihre eigenen, erotischen Traumeskapaden zu leben ...

Meinung:

Terry Dodson dürfte vielen vornehmlich als Zeichner im Superhelden-Genre bekannt sein. So arbeitete er unter anderem an "Spider-Man", "Harley Quinn" und "Daredevil" mit. "Träume: Coraline" ist seine erste Arbeit für einen französischen Verlag - und man muss sagen, dass er seinen Job auch außerhalb von Marvel und DC richtig gut macht.

"Träume: Coraline" entführt den Leser in einen Rausch aus Bildern, Farben und Eindrücken, der ihn selbst in die Traumwelt der Zeichnungen eintauchen lässt. Sehr atmosphärisch und stimmungsvoll wirkt beispielsweise das beeindruckende Herrenhaus, das Ähnlichkeiten mit der überbordenden Fantasy-Wunderwelt des Anwesens "Whipstaff Manor" aus dem Film "Casper" aufweist. Wenn man dann auch noch die wunderlichen Maschinen sieht, die der junge Vernère entwirft, mit all ihren Motoren und Dampfgetrieben, fühlt man sich direkt in diese nicht näher festgelegte Zeit zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert zurückversetzt. Auch die Kolorierung ist sehr gelungen. Sie bietet nicht nur schöne, kräftige Farben, sondern auch ein gelungenes Spiel mit Licht und Schatten, das die Illustrationen frischer und plastischer wirken lässt.

Doch so herrlich das Artwork auch ist, so platt zeigt sich leider die Story - oder zumindest das, was man in diesem ersten Band von ihr zu sehen bekommt. Eigentlich passiert nämlich gar nichts. Coraline kommt im Herrenhaus an, bezieht ihr Zimmer, verbringt zwei Tage mit dem erfinderischen Vernère und hat jede Nacht abstruse Träume, die sie - ausgehend von einem Portal in ihrem Wandschrank - mal mit raubeinigen Piraten, mal mit wilden Kannibalen oder einem Tarzan-Verschnitt konfrontieren. In der jeweiligen Traumwelt muss es natürlich keine Logik geben und so ist der durchgängige rote Faden auch in erster Linie der, dass Coraline in jedem dieser Abenteuer den größten Teil ihrer Kleidung verliert... und am nächsten Morgen ohne Unterwäsche aufwacht.

Dodson genießt den Ruf, gerne dralle Frauenkörper zu zeichnen. Hier bot sich ihm nun ganz offensichtlich die perfekte Gelegenheit, seiner Leidenschaft nachzugehen, ohne dabei dem Zwang amerikanischer Konventionen zu unterliegen. Wo es in einem US-Superheldencomic geradezu undenkbar wäre, mehr Haut als nötig zu zeigen, und sämtliche Blößen durch übertrieben auffällig platzierte Gegenstände, Vorhänge u.Ä. verdeckt würden, kann sich der französische Band "Träume: Coraline" zahlreiche Full-Frontal-Einstellungen - zumindest im Bereich des Oberkörpers - leisten, ohne damit großartiges Aufsehen zu erregen.

Wäre nur schön, wenn auch die Story einen etwas tiefgründigeren Eindruck machen würde. Dass mehr hinter den Ereignissen stecken könnte, deutet sich zwar entfernt an, bleibt aber letztlich im Ungewissen. Es scheint so, als ob ein von Vernère gemischtes Getränk mit den kuriosen Träumen in Zusammenhang stünde. Vielleicht ist alles nur ein weiteres Experiment des seltsamen Jungen. Dazu würde auch passen, dass Butler und Hausmädchen jeden Morgen nach Coralines Aufstehen ein mysteriöses "Wieder nichts!" von sich geben, ohne dass man erfährt, was es damit auf sich hat.

In dieser Hinsicht bleibt also durchaus Spannungspotenzial für den zweiten Band vorhanden. Allerdings ist momentan noch die Frage, inwieweit in diesem dann auch tatsächlich die Handlungsstränge wieder aufgenommen werden. Denn schließlich soll dort ein anderes Mädchen die Hauptrolle spielen, vielleicht bekommt man also auch ein völlig anderes Setting geboten. Letzteres wäre aufgrund der noch offenen Fragen aus Band eins allerdings sehr schade.

Momentan lässt sich allerdings nur der vorliegende Comic bewerten. Und das, was sich darin als Story andeutet, ist im Endeffekt leider einfach zu dünn, um wirklich überzeugen zu können. Bis jetzt hat es zumindest noch den Anschein, dass die minimale Handlung letztlich nur als Brückenschlag von einer Entkleidungsszene zur nächsten dienen soll. Der Folgeband kann hier Klarheit schaffen ... in Form von Ernüchterung oder positiver Überraschung.

Fazit:

"Träume: Coraline" ist ein wunderbar gezeichneter Comic mit opulenten Farben, der den Leser selbst zum Träumen anregt. Leider macht die Story im ersten Band allerdings einen sehr dünnen Eindruck und lässt zudem zahlreiche Fragen offen. Ob sich diese im Laufe der Reihe noch klären werden, bleibt abzuwarten, da der nächste Band bereits die Träume eines anderen Mädchens behandeln soll. Fans schöner Zeichnungen können bedenkenlos zugreifen, dürfen aber keine tiefgründige oder auch nur annähernd nachvollziehbare Geschichte erwarten.
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