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Oh, diese Mädchen!  Drucken E-Mail
Comics: Frankobelgier Allgemeines
Geschrieben von Konstanze Tants   
Dienstag, 8. März 2011

Oh, diese Mädchen!

Autor: Sophie Michel
Zeichner: Emmanuel Lepage

Originaltitel: Oh, les filles!
Übersetzt von: Tanja Krämling

Verlag: Splitter
Format: Hardcover
Erschienen: November 2010
ISBN: 978-3-940864-50-5
Preis: 19,80 EUR

144 Seiten
Inhalt
6.0
Zeichnungen
8.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.2

Wertung:
7.2
von 10
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Zum Inhalt:

Chloé wächst bei einer alleinerziehenden, karriereorientierten Mutter auf, die kaum Zeit für sie hat. Leila lebt mit vielen Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen. Agnès hat gut betuchte Eltern, doch niemand ist wichtiger für sie als ihr Kindermädchen.
Drei grundverschiedene Verhältnisse, drei völlig verschiedene Mädchen, doch das Leben wird Chloé, Leila und Agnès zusammenführen. Sie überwinden alle Unterschiede, teilen ihre Träume und ihre guten wie schlechten Erfahrungen. "Oh, diese Mädchen!", das ist die Geschichte einer großen Freundschaft im Paris der Gegenwart, charmant, humorvoll, farbig und manchmal auch tragisch.

Meinung:

Sophie Michel erzählt mit "Oh, diese Mädchen!" die Geschichte von drei Mädchen, die den Großteil ihrer Kindheit in Paris verbringen. Von der Geburt an kann der Leser abschnittsweise das Leben der drei verfolgen und miterleben, wie sie sich - trotz sehr großer Herkunftsunterschiede - anfreunden und gegenseitig durch Höhen und Tiefen begleiten. Schon auf den ersten Seiten wird deutlich, in welchen Umfeldern die Kinder jeweils aufwachsen. Während sich Chloés Mutter zu Fuß auf den Weg zu einer Hebamme macht und dort ohne jeglichen Beistand ihr Mädchen zur Welt bringt, wird Leila (vermutlich in Algerien) in eine liebevolle Großfamilie hineingeboren. Agnès hingegen wird schon als Neugeborene von einem Kindermädchen betreut, da ihre Mutter mit dem Säugling nichts anzufangen weiß.

Als Leila fünf Jahre alt ist, kann ihr Vater Abdallah endlich seine Familie nach Paris holen, und so zieht das Mädchen in das gleiche Haus, in dem auch Chloé wohnt. Beim Spielen im Park lernen die beiden Agnès kennen und die drei Mädchen werden gute Freundinnen. Dabei gelingt es Sophie Michel, ansprechende, wenn auch leider sehr klischeehafte Figuren zu entwerfen. Leila ist das intelligente und brave Einwandererkind, dessen Familie trotz Ausländerfeindlichkeit und einer unsozialen Nachbarschaft versucht, ein gutes und ehrbares Leben zu führen. Für sie alle ist es wichtig, dass die Kinder ihr Bestes in der Schule geben und später sämtliche Möglichkeiten, die das französische Ausbildungssystem bietet, nutzen können.

Agnès hingegen ist das arme reiche Mädchen, das zwar materiell verwöhnt wird, aber keine Beziehung zu seinen Eltern aufbauen kann. Ihr Kindermädchen ist ihre einzige Ansprechpartnerin in der Familie. Und als diesem gekündigt wird, nachdem Agnès alt genug ist, um ohne Betreuung zurechtzukommen, rebelliert das Mädchen. Chloé hingegen scheint auf den ersten Blick keine Probleme zu haben. Sie ist sich bewusst, dass ihre Mutter sie über alles liebt und alles dafür tut, damit ihre Tochter die ersehnten Tanzstunden nehmen kann. So erlebt Chloé eine zwar nicht gerade begüterte, aber glückliche und behütete Kindheit.

Bis zum Abitur der drei Mädchen kann der Leser die verschiedenen Probleme in den Familien verfolgen, miterleben, wie sie sich zum ersten Mal verlieben, wie sie selbstständiger werden und wie ihre Träume in Erfüllung gehen oder scheitern. Dabei drehen sich die einzelnen Episoden vor allem um die Freundschaft der drei Mädchen. Denn dieser enge Zusammenhalt hilft Agnès, Chloé und Leila durch viele Schwierigkeiten, auch wenn es für die Mädchen nicht immer einfach ist, diese Freundschaft aufrechtzuerhalten, während sie erleben, dass die Freundin in ihrem Zuhause genau das hat, was man sich selbst so sehnlichst wünscht. Obwohl viele Szenen in diesem Comic den Leser zum Schmunzeln bringen, entsetzen oder zu Tränen rühren, gelingt es Sophie Michel nicht, ihn mit dem Handlungsverlauf zu überraschen. Denn ebenso klischeebehaftet wie die Figuren ist leider auch die - eigentlich sehr schön erzählte - Geschichte.

Für die Zeichnungen in "Oh, diese Mädchen!" ist Emmanuel Lepage verantwortlich, dessen feiner und detailreicher Stil von der gelungenen Farbgebung unterstützt wird. Dabei gelingt es dem Künstler, die Leichtigkeit der heiteren Szenen in der Kindheit der drei Mädchen ebenso gut wiederzugeben wie die düsteren - von schweren Schatten begrenzten - Momente im Leben. Auch fängt Emmanuel Lepage Bewegungen wie zum Beispiel bei der Ballett-tanzenden Chloé oder bei Agnès' Kater wunderbar in seinem Bildern ein und überzeugt bei seinen Figuren durch ausdruckstarke Mimik und Gestik.

Fazit:

Mit "Oh, diese Mädchen!" erzählt die Autorin Sophie Michel von der Freundschaft dreier Mädchen, die in Paris aufwachsen. Obwohl die drei von unterschiedlicher Herkunft sind, kann der Leser episodenweise verfolgen, wie sie sich bis zum Erwachsenwerden gegenseitig durch Höhen und Tiefen ihres Lebens begleiten. Trotz einiger bewegender Szenen kann sich die Autorin dabei leider weder in der Ausarbeitung ihrer Charaktere noch im Verlauf der Handlung vom Klischee trennen. Dafür überzeugt Emmanuel Lepage mit seinen detailreichen Zeichnungen, die - je nach Szene - zwischen pastellfarbener Helligkeit oder eindrucksvoller Düsternis wechseln. Doch vor allem die feine Mimik seiner Figuren bewegt den Betrachter.
Weiterführende Infos

 
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