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Midnighter 1: Killing Machine  Drucken E-Mail
Comics: DC & Marvel Comics
Geschrieben von Manuel Tants   
Freitag, 17. April 2009

Midnighter 1: Killing Machine

Autor: Garth Ennis
Originaltitel: The Midnighter 1-6
Übersetzt von: Bernd Kronsbein

Reihe: Midnighter
1. Band der Reihe

Verlag: Wildstorm
Format: Softcover
Erschienen: August 2008
Preis: 16,95 EUR

148 Seiten
Inhalt
6.0
Zeichnungen
8.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10


Zum Inhalt:

Bei einem Solo-Einsatz wird der Midnighter gefangen genommen. Der geheimnisvolle Mister Paulus zwingt den kompromisslosen Authority-Helden zu einem unfassbaren Einsatz: Er soll in die Vergangenheit reisen, um einen gewissen kleinen Irren aus Braunau zu erledigen, bevor dieser die Welt in Brand steckt. Doch das Verändern der Vergangenheit ist gar nicht so einfach, selbst für eine unaufhaltsame Killermaschine wie den Midnighter.

Meinung:

Garth Ennis ist in den 90er Jahren als Autor von Titeln wie "Hellblazer" sowie seinen eigenen Serien "Preacher" und "Hitman" populär geworden. Damals war sein offenherziger Umgang mit Gewalt in Kombination mit seinem schwarzen Humor bahnbrechend neu, was ihm schnell eine große Fangemeinde bescherte. Im Laufe der Zeit wurde jedoch deutlich, dass sich alle seine Werke früher oder später um stets wiederkehrende Themen wie die katholische Kirche oder den Krieg (bevorzugt den Zweiten Weltkrieg oder den Nordirlandkonflikt) drehen, was bei seinem Publikum irgendwann zu leichten Ermüdungserscheinungen führte. Mittlerweile ist der gebürtige Nordire in der Comicszene längst nicht mehr so präsent wie noch zur Jahrtausendwende, doch aktiv ist er nach wie vor.

Zu Ennis' Hauptbetätigungsfeld der letzten Jahre gehört neben seinem eigenen aktuellen Projekt "The Boys" die Superhelden-Serie "The Authority" des Wildstorm-Verlags, für die er beispielsweise die Nebenfigur Kev erschuf. Sein in Sachen Gewalt und Humor tabuloser Schreibstil passt hervorragend zu dieser Reihe, die sich als die kompromisslose Extremform althergebrachter Helden-Teams wie etwa der "Justice League" präsentiert. Daher ist es kaum überraschend, dass Garth Ennis auch mit der Aufgabe betraut wurde, die Authority-Spinoff-Serie "Midnighter" zu verfassen.

Der Midnighter ist sozusagen die Turboversion von Batman: Komplett in schwarz gekleidet, ist er ein biotechnisch hochgezüchteter Nahkampfexperte, der jede Bewegung des Gegners vorausberechnen kann und obendrein übernatürliche Heilungskräfte besitzt. Da seine ganze Existenz auf den Kampf ausgerichtet ist und er zudem keinerlei Hemmungen hat, seine Gegner zu töten, ist der Titel "Killing Machine", den der vorliegende Band trägt, durchaus gerechtfertigt. Auch seinen Kollegen des Authority-Teams und selbst seinem Lebensgefährten Apollo gegenüber zeigt er nur selten Gefühle. Und so kommt es dazu, dass er sich von der Authority-Operationsbasis aus lieber in diverse Krisengebiete auf der Erde teleportieren lässt, um dort seiner Bestimmung (sprich: dem Töten) nachzugehen, als am sozialen Leben seiner Teamgefährten teilzunehmen.

Auf dem Rückweg von einem dieser Routine-Einsätze wird der Midnighter jedoch abgefangen und zum undurchsichtigen Mr. Paulus gebracht. Dieser verfügt offenbar über extrem fortschrittliche Technologie, denn er kann nicht nur die überlegenen Fähigkeiten des Helden neutralisieren, sondern auch Zeitreisen ermöglichen. Der geheimnisvolle Mann zwingt den Midnighter, in die Vergangenheit zu reisen und dort Adolf Hitler zu töten, bevor dieser an die Macht kommt. Damit die Kampfmaschine dem Auftrag auch wirklich nachkommt, hat Paulus das Zweit-Herz des Midnighters durch eine Bombe ersetzt, die er jederzeit zünden kann.

Das Abenteuer, das sich nun entfaltet, schickt den Midnighter aufgrund unvorhergesehener Entwicklungen durch mehrere Zeitepochen und ist überraschend amüsant geraten. Zwar darf man bei einem voll auf Action fokussierten Comic wie diesem natürlich keine allzu tiefgründigen Momente erwarten, aber auf ihrer Ebene funktioniert die Geschichte recht ordentlich und bietet einige unterhaltsame Wendungen, die - wie so oft bei Authority-Geschichten - streckenweise beinahe ans Absurde grenzen. Und das gerade hierzulande stets leicht brisante Thema des "Hitler-Attentats" wurde vom Autor einerseits nicht zu sehr auf die leichte Schulter genommen, andererseits aber doch mit genügend ironischer Distanz aufbereitet, sodass hier kein unangenehmer Beigeschmack entsteht.

Zeichner Chris Sprouse hat schon mit Alan Moore an "Tom Strong" und mit Warren Ellis an "Ocean" gearbeitet. Seine klaren Linien lassen die Illustrationen sehr sauber wirken. Dadurch bleiben die überzogenen Actionszenen bei aller Dynamik gut nachvollziehbar. Zwischendurch mussten allerdings auch diverse Aushilfszeichner das Anfertigen einiger Seiten übernehmen, von denen einige in der Qualität gegenüber Sprouse ein wenig abfallen. Die gelungene Kolorierung von Randy Mayor sorgt hier aber für Einheitlichkeit, sodass oberflächliche Betrachter diese Wechsel vielleicht gar nicht bemerken.

Der Band enthält zusätzlich die Bonusgeschichte "Blumen für die Sonne", die ebenfalls von Ennis geschrieben und von seinem langjährigen Kooperationspartner Glenn Fabry gezeichnet wurde. Die Extra-Episode präsentiert ein alternatives Universum, in dem der Midnighter als Samurai auftritt, der seinen geliebten Partner (in Gestalt von Apollo) rächt. Insgesamt ist dieser Abstecher in die japanische Geschichte nicht unbedingt herausragend, aber als Dreingabe durchaus akzeptabel, zumal damit alle von Ennis für die "Midnighter"-Serie geschriebenen Stories gesammelt in einem Band vorliegen.

Fazit:

"Midnighter: Killing Machine" bietet - nicht unerwartet - reichlich Action und setzt damit in erster Linie auf oberflächliche Unterhaltung ohne allzu viel Tiefgang. Allerdings wurde die Zeitreise-Geschichte recht amüsant und mit einigen überraschenden Wendungen inszeniert, und auch das heikle Thema "Hitler" hat Garth Ennis mit der richtigen Mischung aus Ernsthaftigkeit und Augenzwinkern behandelt. Die klaren, aber angenehmen Zeichnungen von Chris Sprouse setzen die actionlastige Geschichte zudem ansprechend ins Bild. Wer sich mit einem radikalen Superhelden vom Schlage eines Midnighter anfreunden kann, wird mit "Killing Machine" recht gut bedient sein.

 
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