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Hulk 1  Drucken E-Mail
Comics: DC & Marvel Comics
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Freitag, 16. Januar 2009

Hulk 1: Wer ist der Hulk?

Autor: Jeph Loeb
Originaltitel: Hulk #1-3; King-Size Hulk #1
Übersetzt von: Reinhard Schweizer

Reihe: Hulk
1. Band der Reihe

Format: Softcover
Erschienen: Oktober 2008
Preis: 12,95 EUR

100 Seiten
Inhalt
4.0
Zeichnungen
9.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.8

Wertung:
6.8
von 10


Zum Inhalt:

Eigentlich suchte er stets nur seine Ruhe. Ein Leben fern der menschlichen Zivilisation. Doch erst jetzt, nach all den bitteren Erfahrungen und nachdem er der Welt den Krieg erklärt hatte, scheint Bruce Banner am Ziel seiner Träume angelegt. Sicherheitsverwahrung! Drei Meilen unter der Erde! In der Mojave-Wüste Kaliforniens! Zwischen SHIELD-Agenten, Doc Samson, General Ross und Iron Man! Kein Grund, gleich rot zu sehen ... oder vielleicht doch? Ein altbekannter Charakter wurde ermordet. Und alle Spuren deuten auf ... den Hulk?!

Meinung:

Der Name Jeph Loeb ist sowohl im Comic-Bereich als auch in der Welt des Fernsehens bekannt. Er hat mit berühmten Künstler wie Tim Sale ("Daredevil: Yellow") oder Jim Lee ("Batman: Hush") zusammengearbeitet und produzierte unter anderem die TV-Serien "Smallville" und "Lost". Gemeinsam mit dem Künstler Ed McGuinness bildet er das Kreativ-Team der neuen "Hulk"-Comicreihe.

Der Hulk war früher der Wissenschaftler Bruce Banner, der bei einem fehlgeschlagenen Experiment mit radioaktiven Gammastrahlen bombardiert wurde. Daraufhin verwandelt sich dieser immer dann, wenn sein Puls schneller geht (zum Beispiel bei Wut) in ein grünes, muskelbepacktes, ultrastarkes Monster, welches jedoch den Verstand eines Kleinkindes hat. Die Geschichte um die Figur wurde seit ihrer Erfindung in den 60er-Jahren mehrfach verfilmt. Der letzte Leinwand-Auftritt war im Film "Der unglaubliche Hulk", der 2008 in die Kinos kam.

Doch der Hulk in diesem Comic ist nicht die Figur, die man von der Leinwand her kennt. Er sieht dem Original zwar ähnlich, ist jedoch rot, intelligent und höchst aggressiv. So attackiert er den Heli-Carrier von SHIELD, dem Geheimdienst des Marvel-Universums, tötet den alten Erzfeind des grünen Hulk, Abomination, der ebenfalls ein Geschöpf der Radioaktivität ist, und köpft einen Wendigo, ein menschenfleischfressendes Monster. Unklar ist jedoch, wer das Alter Ego dieses roten Monsters ist. Bruce Banner scheidet aus, denn er ist ein Gefangener des amerikanischen Militärs, und auch Rick Jones, der ehemalige Sidekick des ursprünglichen Titelhelden, ist es nicht.

Die Arbeit des Comicautoren Jeph Loeb ist qualitativ sehr schwankend. In Kooperation mit Tim Sale ist er in der Lage, erstklassige Geschichten zu erschaffen. Seine restlichen Werke sind jedoch bestenfalls Durchschnitt, was man auch bei dieser Serie merkt. Hier setzt er hauptsächlich auf Action und vernachlässigt darüber den Plot. Dies hat zur Folge, dass dieser ziemlich viele Löcher hat und auch arg unlogisch daherkommt. So wird die Handlung von Zufällen bestimmt, was besonders der Angriff auf den Heli-Carrier zeigt. Der rote Hulk taucht plötzlich unbemerkt auf dem fliegenden Flugzeugträger auf, zieht eine Spur der Verwüstung hinter sich her und kann trotzdem, ohne dass jemand davon Notiz nimmt, alle die ihm im Wege stehen ausschalten. Er weiß, wo sich She-Hulk - die Cousine von Bruce Banner und dank einer Bluttransfusion von diesem ebenfalls grünhäutig und superstark - aufhält und kann sie überraschend erledigen.

Beim Erzählen der Geschichte verzichtet der Autor fast gänzlich auf irgendwelche Erklärungen. Die Dinge sind einfach so, wie sie sind. Da er jedoch auch fast vollkommen auf irgendeine Art von benötigtem Vorwissen verzichtet, ist der Comicband gleichzeitig auch perfekt für Neueinsteiger geeignet. Trotzdem bleibt ein Gefühl des Frusts zurück, das sich noch verstärkt, wenn man bedenkt, dass nahezu alle Figuren wenig bis kaum charakterisiert werden. Sie bleiben blass und zweidimensional. Der neue Hulk? Ein intelligentes, gefährliches Monster. Hier versucht Jeph Loeb ein Mysterium um dessen wahre Identität aufzubauen, was jedoch nicht gelingt. Iron Man? Direktor von SHIELD und Prügelknabe des neuen Hulks. Rick Jones a.k.a. A-Bomb? Prügelknabe des neuen Hulks. Am besten kommt natürlich dabei die Titelfigur weg. Die restlichen Protagonisten dürfen sich freuen, wenn sie nicht als inkompetente Trottel dargestellt werden, wie es bei dem Eisernen der Fall ist.

Während der Inhalt enttäuschend ist, ist die graphische Darstellung umso überzeugender. Dies ist den Zeichnern zu verdanken, allen voran Ed McGuinness ("Superman/Batman"). Er zeichnet die Hauptgeschichte und erzählt sie in möglichst wenigen, seitenfüllenden Panels. Dadurch wird die Action perfekt umgesetzt, auch wenn der Künstler dafür auf Hintergründe verzichtet und sie nur dann einsetzt, wenn es unbedingt notwendig ist. Neben den drei ersten Heften der US-Vorlage sind in diesem Band auch drei Geschichte aus dem US-Heft "King-Size Hulk" enthalten. Alle wurden von Jeph Loeb geschrieben und von unterschiedlichen Zeichnern umgesetzt.

Eine Geschichte erzählt von dem Kampf des Roten Hulks gegen den Wendigo. Gezeichnet wurde diese von Art Adams, einem US-Künstler, der für seine detaillierten Darstellungen berühmt ist. Zeichnerisch gesehen ist diese Erzählung die beste von allen. So beeindruckt der Künstler nicht nur durch Details, sondern auch durch die Komposition der Panels, die die Handlung perfekt vermitteln.

Auch der in der Hauptgeschichte nicht gezeigte Kampf zwischen She-Hulk und dem neuen Hulk wird näher dargestellt. Hier wurde der Künstler Frank Cho, der früher den Comicstrip "Liberty Meadows" gezeichnet hat, aktiv. Er ist bekannt für seine Frauengestalten, die allesamt sehr gut ausgestattet sind. Leider ist er von allen vier Zeichnern der schwächste, weil er es kaum vermag, sich innerhalb der limitierten Seitenzahl voll zu entfalten. Diese Episode dient wohl nur als Ansatz zu einer eigenen Storyline der Heldin, die wohl irgendwann in der Zukunft fortgesetzt wird.

Neuleser sollten sich auf jeden Fall den Ursprung des im ersten Kapitel des Comics getöteten Hulk-Gegners Abomination durchlesen. Gezeichnet wurde dieser von dem legendären Künstler Herb Trimpe, der die Comicserie "Incredible Hulk" Ende der 1960er und in den 1970er-Jahren lange Zeit gestaltet und geprägt hat. Seine Zeichnungen wirken daher natürlich vom Stil her etwas altmodisch, was jedoch diese Geschichte im positiven Sinne enorm hervorhebt.

Fazit:

"Hulk" ist das Comic-Äquivalent zu einem Actionfilm. Man kann ihn genießen, wenn man nicht groß über den Plot nachdenkt, der enorme Löcher aufweist. Ebenso sollte man auch die mangelhaften Charakterisierungen ignorieren. Denn Jeph Loeb konzentriert sich einzig und allein auf den roten Hulk und versucht ein Mysterium um diese Figur aufzubauen, was ihm nicht so ganz gelingen will. Zeichnerisch ist der Comic ohne Zweifel gelungen. Die Liste der Künstler liest sich enorm gut, denn mit Ed McGuinness ist ein hervorragender Zeichner an die Hauptstory gesetzt worden, der die Action perfekt umzusetzen weiß. Die Backup-Geschichten wurden dafür von so namhaften Künstlern wie Art Adams (sehr detailiert und vom Story-Telling hervorragend), Frank Cho (der von allen vier am wenigsten überzeugt) und Herb Trimpe (in den 60er- und 70er-Jahren der Hulk-Zeichner überhaupt) gestaltet.

 
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