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100% Marvel 34: Iron Man - Extremis  Drucken E-Mail
Comics: DC & Marvel Comics
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Donnerstag, 19. Februar 2009

Iron Man - Extremis

Autor: Warren Ellis
Zeichner: Adi Granov

Originaltitel: Iron Man, Volume 4 (Heft 1 bis 6)
Übersetzt von: Reinhard Schweizer

Reihe: 100% Marvel
34. Band der Reihe

Format: Softcover
Erschienen: April 2008
Preis: 16,95 EUR

156 Seiten
Inhalt
6.0
Zeichnungen
7.0
Verarbeitung
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
6.8

Wertung:
6.8
von 10


Zum Inhalt:

Tony Stark plagt das Gewissen. Nicht immer hat der Playboy, Waffenfabrikant und Multimilliardär in seinem Leben die richtigen Entscheidungen getroffen. Nun aber überkommt ihn das Verlangen, sich von den Fehlern seiner Vergangenheit zu lösen - sowohl privat als auch geschäftlich. Doch als eine mächtige synthetische Erfindung namens Extremis in die Hände eines brutalen und rachsüchtigen Schurken fällt, hat Tonys Talfahrt erst begonnen. Und der Mann hinter der eisernen Maske muss erkennen, dass sich die Zeiten gewandelt haben. Neue, effizientere und radikalere Methoden sind gefragt, will er die Herausforderung überstehen ...

Meinung:

Die Figur und die Serie "Iron Man" gehören mit zu den ältesten des US-Verlags Marvel Comics. Seit 1963 werden die Abenteuer von Tony Stark erzählt, der als Multimillionär eine hochmoderne Rüstung baut, um mithilfe der ihm durch diese verliehenen Fähigkeiten Gutes tun zu können. Im Laufe der Jahre durchlebte die Serie gemeinsam mit ihrem Titelhelden viele Höhen und Tiefen. Zuletzt ging es jedoch eher bergab. Die Verkaufszahlen waren enttäuschend und die Kreativteams wechselten sehr häufig. Nun sollte Warren Ellis der Reihe zu neuem Erfolg verhelfen.

Ellis ist britischer Herkunft, genauso wie die berühmten Autoren Grant Morrison ("Animal Man") und Alan Moore ("Watchmen"). Seinen Durchbruch schaffte er mit den beiden Serien "Transmetropolitan" und "Planetary", die beide bei DC Comics erschienen. Bei Marvel konnte er sich unter anderem mit der vorliegenden Arbeit als die Person etablieren, die müden Serien wieder neues Leben einhaucht. Zur Seite stellte man ihm den Künstler Adi Granov. Dieser wurde in Bosnien-Herzogwina geboren und machte durch seine Werke, die eine beeindruckende Mischung aus normalen Zeichnungen und Computereffekten sind, auf sich aufmerksam. Dabei weiß man als Betrachter nie, was von Hand und was am Rechner erstellt wurde. Bei Marvel Comics ist Granov vor allem als Künstler für die Cover diverser Serien tätig, so war auch für die "Iron Man"-Serie zuständig, schon bevor Warren Ellis zum Team stieß. Seine Tätigkeit bei dieser Reihe führte dazu, dass er beim Iron-Man-Kinofilm als Storyboard-Künstler sowie als Designer der Rüstungen tätig werden durfte.

In "Extremis" erzählt Warren Ellis von einem Tony Stark, den das tägliche Allerlei anödet. Er möchte endlich Abstand von den Waffengeschäften gewinnen, mit denen sich seine Firma vor allem finanziert. Die Zukunft sieht er in zivilen Technologien, wie einem von ihm entworfenen Wunder-Handy. Und so ist es nicht erstaunlich, dass er sich regelmäßig in seiner persönlichen Werkstatt einschließt oder in seiner Rüstung einen Rundflug macht, um dem Alltag zu entfliehen. Da kommt der Notruf seiner ehemaligen Bekanntschaft, der Wissenschaftlerin Maya Hansen, genau richtig. Sie hat gemeinsam mit einem Kollegen an dem Mittel "Extremis" gearbeitet. Dieses verwandelt einen normalen Menschen in eine nahezu unaufhaltbare Killer-Maschine. Und nun hat ihr Kollege es an einen Terroristen verkauft und dann aus lauter Schuldgefühlen Selbstmord begangen. Der Käufer hat "Extremis" bereits an sich selbst angewandt und befindet sich quer durch die USA auf einem Feldzug der Zerstörung - und nur Iron Man kann ihn aufhalten.

Warren Ellis lässt sich beim Erzählen der Handlung sehr viel Zeit. Bis zur ersten Konfrontation zwischen Starks Alter Ego Iron Man und seinem Gegenspieler ist die Geschichte schon zur Hälfte durch. Diese langsame Erzählweise hat den Vorteil, dass man sie dazu nutzen kann, die Figuren genauer zu charakterisieren. Gerade die Titelfigur profitiert sehr davon, da sich der Autor Iron Man voll und ganz widmet. So entsteht der Eindruck eines Helden, der, um Gutes zu tun, alles - sogar sein eigenes Leben - riskiert. Dabei vertraut er voll und ganz auf sein eigenes Genie, seine eigene Intelligenz. Gleichzeitig ist er auch ein Getriebener, wenn auch aus eigener Entscheidung. Er konfrontiert sich selbst mit den Ergebnissen seiner Arbeit als Waffenfabrikant und vermag deshalb nicht, sich im Spiegel anzuschauen.

Doch so sehr Tony Stark auch von der langsamen Erzählweise profitiert, so wenig trifft dies auf Maya Hansen und den Terroristen zu. Die Wissenschaftlerin dient praktisch nur dazu, die Ereignisse in Gang zu setzen. Danach ist sie nicht mehr als eine Art schmückender Anhang, der Tony auf seiner Mission begleitet die Welt zu retten. Warren Ellis versucht zwar am Ende noch, all das, was man über die Wissenschaftlerin weiß, auf den Kopf zu stellen, doch wirkt dies nicht sehr überzeugend.

Noch schlimmer sieht es bei dem Gegenspieler aus. Hier sind es vor allem zwei Probleme, die der Figur zu schaffen machen: Das erste ist die Frage, warum sich Warren Ellis für diesen Terroristen als Gegenpart für Tony Stark entschieden hat. Iron Man hat im Laufe der Jahre viele verschiedene Schurken bekämpft, von denen einige weit mehr als ein dunkles Spiegelbild dienen könnten als der Schurke in der vorliegenden Story. Es gibt zum Beispiel den Iron Monger, der wie Tony Stark ein Industrieller ist, und sich ebenfalls eine Rüstung baut. Im Film, der zum Zeitpunkt als der Comic erschien, noch in der Vorproduktion war, wurde auf diesen Gegenspieler zurückgegriffen.

Das zweite Problem ist, dass Warren Ellis es versäumt, dem Terroristen Tiefe zu verleihen. Der Leser erfährt nicht viel von Mallen, dem Antagonisten. Die wenigen Informationen lesen sich eher klischeehaft und sind nicht sehr überzeugend. Mallen ist anscheinend rechtsradikal und seine Eltern wurden von Polizisten getötet. Diese Enthüllung erfolgt jedoch erst in der zweiten Hälfte der Geschichte. Und es bleibt bei dieser einen Hintergrundinfo, sodass man während des Rests der Geschichte nur eine Figur vorgesetzt bekommt, die irgendwie anonym - und dadurch blass und nicht sehr überzeugend - wirkt.

Adi Granov liefert als Künstler durchweg solide Arbeit ab, obwohl einige seiner Figuren recht steif dargestellt sind. Auch verzichtet er zu oft auf Hintergründe beziehungsweise lässt diese recht spartanisch wirken oder ersetzt sie durch irgendwelche Farb- oder Computereffekte. Reinhard Schweizers Übersetzungsarbeit ist gelungen. Allerdings gibt es doch immer wieder einige Stellen, wo er die Figuren zu flapsig klingen lässt, was angesichts der doch eher ernsten Geschichte etwas irritierend wirkt.

Fazit:

Der Neustart ist der Iron-Man-Serie ist mit "Iron Man - Extremis" gelungen. Das Kreativteam Warren Ellis und Adi Granov liefert eine solide und überzeugende Arbeit ab, wenn auch mit einigen Schönheitsfehlern. Die Geschichte wird langsam erzählt, sodass der Autor Gelegenheit hat, sich auf die Figuren zu konzentrieren. Leider wird nur Tony Stark von Warren Ellis ausführlich dargestellt, die restlichen Charaktere bleiben etwas farblos, was besonders beim Gegenspieler negativ auffällt. Adi Granovs Arbeit ist ein Highlight in diesem Band. Auch wenn der Künstler zu oft Hintergründe weglässt oder sie durch Effekte ersetzt, sind seine Zeichnungen sehr angenehm anzusehen.

 
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