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Zeitstürme: Die Ufer der neuen Welt  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Science-Fiction
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Dienstag, 29. April 2008

Die Ufer der neuen Welt

Originaltitel: Sky Coyote
Übersetzt von: Elvira Bittner

Reihe: Zeitstürme
2. Band der Reihe

Verlag: Heyne
Erschienen: Februar 2008
ISBN: 978-3-453-52351-7
Preis: 9,95 EUR

448 Seiten
Inhalt
4.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
4.3

Wertung:
4.3
von 10
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Zum Inhalt:

Im 24. Jahrhundert ist es einer Reihe von Wissenschaftlern gelungen, einen uralten Menschheitstraum zu verwirklichen: Die von Dr. Zeus gegründete "Company" schickt in geheimen Missionen Gruppen von Spezialisten, die durch medizinische Eingriffe unsterblich gemacht wurden, in verschiedene Epochen der Vergangenheit. Diese sollen auf wissenschaftlicher Basis kulturelle Errungenschaften sowie den Fortbestand seltener Pflanzen und Tiere sichern, um die Lebensbedingungen der Menschheit in Zukunft zu verbessern. Doch in welchem Ausmaß soll man dabei in den Lauf der Geschichte eingreifen?

Der treue Mitarbeiter Joseph und die Spanierin Mendoza reisen mit ihrem Stab in die Frühzeit. AltaKal, das heutige Kalifornien, hat eine niedrige Entwicklungsstufe, gilt aber den Datenanalysen von Dr. Zeus zufolge als prosperierendes Wirtschaftsimperium. Der Auftrag lautet: Den mächtigen Stamm der Chumash umzusiedeln, um Bodenschätze und wertvolle kulturelle Artefakte jener Epoche an sich reißen zu können. Alles scheint bestens zu laufen - bis ein Kollege, der sich einige kritische Worte über die "Company" erlaubt hat, urplötzlich versetzt wird. Und niemand kennt Ort und Zeit seines neuen Aufenthaltes ...

Meinung:

Kage Baker ist es gelungen, den zweiten Teil ihrer "Zeitstürme"-Serie so zu gestalten, dass man nicht bemerkt, dass man eine Fortsetzung in den Händen hält. Der Roman ist separat lesbar und für Neueinsteiger geeignet. Die Autorin hat die für den Leser notwendigen Informationen so in die Handlung einbaut, dass er ihr auch ohne Vorwissen problemlos folgen kann.

"Die Ufer der neuen Welt" bietet durch das Thema Zeitreise und die Beeinflussung der menschlichen Geschichte durch eine skrupellose Firma ein hochinteressantes Hintergrundszenario mit jeder Menge Konfliktpotenzial. Leider schöpft die Autorin diese von ihr geschaffenen Möglichkeiten nicht aus. Durch uninteressante Figuren und die nicht vorhandene Spannung fehlt dem Leser die Motivation, die Handlung weiter zu verfolgen. Vor allem die Hauptcharaktere wirken im Laufe der Erzählung zu cool und zu gelassen, um wirkliche Sympathien aufkommen zu lassen.

Joseph und sein Team sollen die Kultur der Chumash gründlich erforschen und sie dann in die Gegenwart umsiedeln. Doch spätestens zu dem Zeitpunkt, an dem diese im 17. Jahrhundert lebenden Indianer den Mund aufmachen und sich anhören, als ob sie heutige Jugendliche wären, verliert der Leser das Interesse an der fremdartigen Kultur und dem Schicksal dieses Volkes. Der Kontrast zwischen dem, was man erwartet, und dem, was die Autorin stattdessen bietet, lässt den ganze Stamm der Chumash unglaubwürdig wirken.

Auch hat sich Kage Baker zu sehr auf die Erforschung der Indianer und die Transportvorbereitungen in die Zukunft konzentriert und diese dabei leider recht langweilig geschildert. Die wenigen Momente, in denen die Geschichte Spannungspotenzial gehabt hätte, wirken aufgesetzt und nicht flüssig in die Handlung integriert.

So interessant die Grundidee zu der Serie "Zeitensturm" auch aufgebaut ist, so wenig schafft es die Autorin, mit ihrem gemächlichen Aufbau dieses Spannungspotenzial auch wirklich abzurufen. Hier wurde der Versuch einer langsamen Steigerung des Erzählstrangs leider so sehr übertrieben, dass das Interesse des Lesers erlahmt und man auch keine Motivation hat, sich zukünftig noch einen weiteren Roman aus der Reihe zuzulegen.

Fazit:

Kage Baker hat ihrem Roman "Die Ufer der neuen Welt" ein viel versprechendes Ausgangsszenario zu Grunde gelegt. Leider war die Autorin nicht in der Lage, auf diesem interessanten Hintergrund eine spannende Geschichte aufzubauen. Die Charaktere sind langweilig und für den Leser nicht sympathisch. Besonders die zu moderne Sprache verhindert eine überzeugende Darstellung der Chumash. Bei einem so enttäuschenden Buch wird der Leser es sich in Zukunft zweimal überlegen, ob er sich noch einen weiteren Teil der Reihe zulegen soll.

 
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