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Bücher: Belletristik Science-Fiction
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Montag, 19. Mai 2008

Upload

Originaltitel: Eastern Standard Tribe
Übersetzt von: Michael K. Iwoleit

Verlag: Heyne
Erschienen: Mai 2008
ISBN: 978-3-453-52413-2
Preis: 7,95 EUR

317 Seiten
Inhalt
3.0
Preis/Leistung
6.0
Gesamtwertung
3.3

Wertung:
3.3
von 10
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Zum Inhalt:

In naher Zukunft gibt es neben den Nationen, wie wir sie kennen, noch eine andere Art von Staaten: Virtuelle Netzwerke, entstanden durch Internet-Kontakte, organisiert nach den unterschiedlichen Zeitzonen der Erde. Und diese Staaten bekämpfen sich nicht weniger erbittert als ihre Vorbilder in der realen Welt.

Art Berry ist Konsumforscher und in einem zweiten, geheimen Leben Mitglied einer durch Internetkontakte entstandenen Gruppe von Computerfreaks. Die Gruppe hat es sich zum Ziel gesetzt, eine neue Nation zu bilden, eine Nation, die nur im Internet existiert. Doch dieser Plan erweist sich bald als lebensgefährlich ...

Meinung:

Nach "Backup" erscheint mit "Upload" das nächste Werk von Cory Doctorow. Wie schon beim ersten Roman, besteht hier für den Leser die Möglichkeit, sich das Buch online kostenlos herunterzuladen, denn der Autor veröffentlicht auch dieses Werk unter einer Creative-Commons-Lizenz. Aber ist das Buch dem eher schwachen Vorgänger qualitativ überlegen? Leider nein.

Die Ausgangssituation des Romans wirkt eigentlich ziemlich interessant. Es gelingt Doctorow innerhalb weniger Seiten, den Leser in die Erzählung einzuführen und den Protagonisten Art Berry vorzustellen. Dieser erzählt in Rückblenden aus einer Irrenanstalt heraus seine Geschichte. Dabei wirkt der Charakter auf den Leser äußerst sympathisch. Er ist ein kreativer Geist, der niemals ruht - bis zu dem Moment, in dem Art merkt, dass er verraten worden ist.

Ab diesem Punkt verabschiedet sich die bislang gute Qualität des Buches. Cory Doctorow deutet diesen Verrat nicht gerade sehr subtil an. Für den Leser häufen sich schon nach einer Weile die Hinweise, dass etwas nicht stimmt, zum Beispiel wenn Art Berry von einem Arbeitskollegen in einer wichtigen Sache hingehalten wird. Nur dass Art diese überdeutlichen Hinweise nicht bemerkt, was angesichts seiner bisherigen Verhaltensweise und Darstellung stark irritiert. Er wirkt dümmer, als er eigentlich aufgrund seines Charakters sein sollte.

Als dann der Plot schließlich den Punkt erreicht, an dem Art ins Irrenhaus kommt, sinkt das Niveau der Erzählung endgültig ab. Denn auf diesen Moment hat Cory Doctorow die ganze Geschichte über hingearbeitet. Über die Erzählweise in Rückblenden wurde eine gewisse Spannung aufgebaut, die aber dann letzten Endes nicht aufrechterhalten bleibt. Denn der entscheidende Moment, wie, wann und weshalb Art in die Irrenanstalt kommt, wird nur kurz angerissen, aber nicht ausführlich beschrieben. Doctorow löst sozusagen sein am Anfang des Buches gegebenes Versprechen nicht gänzlich ein und enttäuscht damit den Leser. Dadurch fällt der Spannungsbogen in sich zusammen und baut sich bis zum Schluss auch nicht mehr richtig auf.

Doctorow ist zwar gut darin, in der von ihm dargestellten Zukunft heutige Internet-Verhaltensweisen konsequent weiterzudenken. Doch leider scheitert er an der Handlung seines Romans. Das Ende ist ebenfalls sehr enttäuschend. Es wirkt zu glatt und kommt zu plötzlich. Alles löst sich viel zu schnell auf, worunter auch der Hauptplot leidet. Dieser wird nur beiläufig in ein paar Sätzen abgeschlossen.

Fazit:

Der Roman "Upload" bietet dem Leser mehr Frustration als Vergnügen. Cory Doctorow versteht sich darauf, ausgehend von heutigem Sozialverhalten im Internet eine interessante Zukunft aufzubauen. Dann versagt er aber ausgerechnet bei der Geschichte, die er vor diesem Hintergrund erzählt. Der Autor baut ein interessantes Grundgerüst auf und scheitert in dem Moment, in dem er dem Leser eigentlich erklären sollte, wieso Art Berry in einer Irrenanstalt landet. An diesem Punkt geht der Handlung die Spannung aus und es ist bedauerlich, dass sich diese bis zum Ende des Buches nicht wieder einstellt. Aber auch der Schluss wirkt ziemlich enttäuschend, weil er viel zu glatt ist und der Hauptplot nur nebenbei aufgelöst wird.

 
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