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Streuner  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Science-Fiction
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Samstag, 31. Mai 2008

Streuner

Originaltitel: Ragamuffin
Übersetzt von: Axel Plantiko

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: April 2008
ISBN: 978-3-404-23321-2
Preis: 8,95 EUR

459 Seiten
Inhalt
2.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
2.5

Wertung:
2.5
von 10
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Zum Inhalt:

Die Satrapen sind eine gefährliche außerirdische Spezies: Sie herrschen über viele Welten und haben die Menschheit längst unterjocht. Mit eiserner Hand unterdrücken sie jede Technologie der Unterworfenen. Doch nicht alle Menschen leben in Knechtschaft. Die so genannten Streuner sind Nachkommen der verlorenen Erde. Sie verdingen sich als Piraten und Schmuggler und jagen auf den einsamen Routen rings um ein totes Wurmloch. Lange Zeit wurden sie von den Satrapen toleriert. Doch nun starten die Satrapen einen Feldzug. Ihr Ziel: die unbändigen Menschen ein für allemal auslöschen.

Meinung:

"Streuner" ist das zweite Werk von Tobias S. Buckel. Sein Erstlingswerk "Kristallregen" liefert die Grundlage, auf der dieses Buch aufbaut. Beide Bücher spielen in ein und demselben Universum. Davon bekommt der Leser allerdings erst etwas mit, wenn er in die zweite Hälfte des Buches vorgedrungen ist. Dort kommt es plötzlich zu einem Wechsel der handelnden Personen. Und die Anspielungen auf einen vorherigen Teil sind verwirrend, denn der Leser bekommt keine Informationen, was jetzt genau die Vorgeschichte von John DeBrun ist oder was es mit dem Geheimnis seines Freundes Pepper auf sich hat, der - einer Kampfmaschine gleich - alles und jeden aus dem Weg räumt.

Der Autor scheint es nicht für nötig gehalten zu haben, die Wissenslücken des Lesers an den richtigen Stellen auszugleichen. Erst, wenn man auf den letzten Seiten des Buches die Reklame für "Kristallregen" liest, wird klar, dass zum Verständnis von "Streuner" die Kenntnis des ersten Buches nötig ist. Abgesehen von dieser Werbung fehlt von Seiten des Verlages jeglicher Hinweis auf einen Vorgänger.

Aber das ist beileibe nicht das einzige Problem des Buches. Ein weiteres Manko ist, dass es nur um Action geht. Wenn dieser Roman ein Kinofilm wäre, wäre es wahrscheinlich ein FSK-16-Science-Fiction-Actionkracher, bei dem der Zuschauer sein Gehirn am Eingang abgeben kann, um den Film wirklich zu genießen. Aber eine Geschichte, die fürs Kino ausreichend sein könnte, funktioniert nicht unbedingt in Buchform. Für Romane sind die Bedingungen anders und wesentlich strenger. Hier braucht es neben einem halbwegs glaubwürdigen Plot auch sich weiterentwickelnde Charaktere - die in "Streuner" einfach nicht gegeben sind.

Das Problem ist, dass sich der Grundkonflikt ganz einfach zusammenfassen lässt: Mensch gut, Alien böse. Nun ist es nicht so, dass diese Form der Auseinandersetzung nicht auch in anderen Büchern verwendet wird. Nur wird von anderen Autoren in ihren Romanen wesentlich mehr aus dieser Grundidee gemacht. In "Streuner" hingegen ist alles schwarzweiß. Die Aliens sind für alles Übel im Universum verantwortlich und falls Menschen etwas Schlechtes tun, dann nur, weil sie von Aliens manipuliert wurden. Nur tote Aliens scheinen gute Aliens zu sein. Doch solch platte Plotelemente können den Leser heutzutage einfach nicht mehr reizen.

Irgendwie bringt das Buchcover schon zum Ausdruck, worum es hauptsächlich geht: Schießereien en masse - bis das Blut spritzt. Die Charaktere der Figuren sind nebensächlich. Sie werden kaum weiterentwickelt und falls jemand stirbt, berührt das den Leser kaum. Wozu auch? Mit den verwendeten Personen kann sich der Leser nicht identifizieren und ihr Schicksal berührt einen nicht. Sie sind nur Kanonenfutter und sollen die scheinbare Dramatik der jeweiligen Action-Szene durch ihren Tod verdeutlichen. Eine solche Verschwendung von Charakterpotenzial ist überaus frustrierend.

Fazit:

Tobias S. Buckels "Streuner" ist ein Science-Fiction-Werk, wie man es schon lange nicht mehr gelesen hat. Die ganze Handlung dreht sich um bloße Action, ohne tiefere Hintergründe zu bieten, während die Charaktere bloße Abziehbilder bleiben. Die Figuren sind flach konstruiert und werden vom Autor kaum ausgebaut. Auch wäre es hilfreich gewesen, wenn es von Verlagsseite einen Hinweis gegeben hätte, dass das Vorwissen aus dem ersten Band nötig ist, um die Hintergründe der Geschichte zu verstehen. "Streuner" ist ein Buch, dass der Leser nach der Lektüre am liebsten nur wieder vergessen möchte.
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