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Sternenstürme  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Science-Fiction
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Samstag, 11. Oktober 2008

Sternenstürme

Originaltitel: Gibraltar Sun
Übersetzt von: Martin Gilbert

2. Band der Reihe

Verlag: Heyne
Erschienen: Juli 2008
ISBN: 978-3-453-5231-0
Preis: 8,95 EUR

396 Seiten
Inhalt
2.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
2.5

Wertung:
2.5
von 10
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Zum Inhalt:

Es ist das 24. Jahrhundert: Die Menschheit hat die ersten Schritte in die Tiefen der Galaxis unternommen und stößt unvermittelt auf die mysteriösen Broa, die ein galaktische Imperium mit über tausend Planeten beherrschen. Nach einer Raumschiffkollision kann eines dieser Wesen in Gewahrsam genommen werden. Es zeigt sich überaus gelehrig. So gelehrig, dass die Kommandeure des Erkundungsraumers Magellan einen furchtbaren Verdacht schöpfen: Sehen die Broa die Menschheit als Gegner, den man unter allen Umständen vernichten muss?

Meinung:

Obwohl "Sternenstürme" die Fortsetzung von "Sternenfeuer" ist, gelingt es Michael McCollum problemlos, auch den zweiten Teil der Gibraltar-Trilogie für jeden zugänglich zu machen. Gleich am Anfang des Romans liefert er eine knappe und informative Zusammenfassung des Vorgängerbandes. Der Autor ist neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit auch als Raumschiff-Ingenieur tätig und hat im Laufe seiner Karriere an nahezu allen militärischen und zivilen Raumfahrtstypen mitgearbeitet.

Das hinter der Geschichte der Gibraltar-Trilogie stehende Szenario ist durchaus interessant: Die Menschheit stößt gerade ins All vor und trifft dabei auf eine Zivilisation, die viele andere Rassen beherrscht. Wer sich gegen sie wehrt, wird vernichtet. In dem vorliegenden Roman beschäftigt sich Michael McCollum mit den Konsequenzen der Entdeckung aus dem letzten Band. Die Menschheit muss sich jetzt überlegen, wie sie nach der Entdeckung der fremden Zivilisation reagieren soll. Soll sie sich verstecken und alle ihre Fortschritte im All aufgeben? Oder soll sie an einem Plan arbeiten, um die Broa zu besiegen? Eine nicht ganz leichte Entscheidung, die jedoch letzten Endes durch die Aktionen des gefangenen Broa Sar-Say selbst gefällt wird.

Leider gelingt es McCollum nicht, aus den vorhandenen und sehr vielversprechenden Ansätzen, eine vernünftige Geschichte zu machen. Zwar beschreibt er durchaus glaubwürdig die Reaktionen der Menschheit und die unterschiedlichen Ansichten der verschiedenen Seiten. Doch er schafft es an keiner Stelle, so etwas wie Interesse oder Spannung beim Leser aufkommen zu lassen. Das liegt vor allem daran, dass seine Figuren holzschnittartig wirken. Die Charaktere sind blass, zweidimensional und agieren manchmal haarsträubend naiv.

Das zeigt sich besonders bei der Hauptfigur Mark Rykand. Diese Figur wird über zwei Dinge definiert: Seine Versuche gegen die Broa anzugehen und seine Beziehung zu Lisa Arden, die persönlichen Kontakt zu dem gefangenen Broa pflegt. Es ist schon irgendwie bezeichnend, dass das Erste, was ihm an Lisa auffällt, ihre nackten, glänzenden Brüste sind. Seitdem hat er eine Beziehung zu ihr, die anscheinend hauptsächlich daraus besteht, in der Freizeit möglichst oft mit ihr Sex zu haben. Das ganze dominiert so sehr, dass seine Aversion gegen die Broa zu kurz kommt. Ein solcher Charakteraufbau ist ein bisschen wenig für eine solch zentrale Figur und so nervt Mark Rykand den Leser bereits nach wenigen Seiten.

Dadurch entsteht beim Lesen eine Lücke, die leider niemand füllt. Selbst der Broa Sar-Say bleibt für einen Gegenspieler erstaunlich harmlos. Er agiert die ganze Zeit mit der Aura einer Person, die eine gewisse Arroganz und Intelligenz hat. Nur dass dahinter leider nichts steckt. Es kommt zwar ein Zeitpunkt, wo seine Bedrohung eine gewisse Realität erhält, doch das wirkt dann eher zufällig, obwohl eine gewisse Planung zugrunde liegt. Er ist letzten Endes Nutznießer der Intelligenz und Dummheit seiner Partner - falls er zu einer Herausforderung für die Menschen werden könnte, so wird sie für den Leser niemals real dargestellt.

Letzten Endes gerät das Buch in der zweiten Hälfte der Handlung endgültig in Schieflage. Die Menschheit muss aus diversen Gründen wieder ins All und nimmt dabei Kontakt mit anderen Spezies auf. Dabei stellen sich die Figuren alles andere als intelligent an, begehen äußerst unintelligente Fehler und wiederholen diese teilweise noch, obwohl sie wissen, dass das Ganze nicht glatt geht. Sie gehen von vollkommen irrigen Voraussetzungen aus und geben sich dabei häufig äußerst ignorant, sodass der Leser am Ende des Romans weder von den Charakteren noch von der Handlung jemals überzeugt worden ist.

Fazit:

Mit "Sternenstürme" hat Michael McCollum ein Buch geschrieben, das den Leser absolut nicht mitreißen kann. Alle Figuren sind extrem blass dargestellt und können in ihrer Charakterisierung nicht überzeugen. Der Protagonist Mark Rykand wird praktisch nur über seine Sex-Beziehung zu seiner Freundin Lisa und seine Aversion gegen die Broa definiert. Der Broa Sar-Say bleibt in seiner Rolle als Gegenspieler auch erstaunlich passiv, von seinem Bedrohungspotenzial spürt man praktisch nichts, und als er dann endlich aktiv wird, wirkt das absolut lächerlich.
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