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Eine unberührte Welt  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Science-Fiction
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Donnerstag, 26. Februar 2009

Eine unberührte Welt

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: August 2008
ISBN: 978-3-404-15859-1
Preis: 8,95 EUR

318 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
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Gesamtwertung
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Wertung:
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Zum Inhalt:

Erfahren Sie, wie - und vor allem warum - man UFOs anlockt. Ob es im Garten Eden nicht zu langweilig ist. Wie gefährlich gut gemeinte Liebesbeweise sind und dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis wir im Müll ersticken. Außerdem in diesem Band: eine verschollene Geschichte um die Haarteppichknüpfer sowie zahlreiche bisher unveröffentlichte Geschichten.

Meinung:

Andreas Eschbach ist einer der wenigen international erfolgreichen deutschen Autoren. Dabei ist die Bandbreite seines Schaffens enorm: Seine Karriere hat mit dem Roman "Die Haarteppichknüpfer" angefangen, der auch für seine frühere Phase symptomatisch war - und so fußt sein Bekanntheitsgrad in erster Linie auf seinen Science-Fiction-Geschichten. Auch das erfolgreich verfilmte Buch "Das Jesus Video" stammt von Andreas Eschbach. Doch mit der Zeit hat sich sein Schwerpunkt weg vom Zukunftsgenre zur allgemeinen Belletristik verlagert.

Mit "Eine unberührte Welt" liegt nun erstmalig eine Sammlung zahlloser Kurzgeschichten aus seiner Feder vor. Über zwanzig Geschichten - aus den unterschiedlichsten Genres - präsentiert der Bastei-Lübbe-Verlag mit diesem Band, in dem sich die ganze Bandbereite von Andreas Eschbachs Können zeigt. Die Darstellungsform jeder Kurzgeschichte fällt gleich aus: Zuerst erzählt der Autor die Umstände, die zur Entstehung geführt haben, ehe die eigentliche Geschichte anfängt. Dabei ist dieses Vorwort ab und an interessanter als die Handlung, die darauf folgt. Wie bei solchen Sammlungen üblich, schwankt die Qualität stark - wobei man nie richtig sagen kann, dass eine Erzählung absolut schlecht ist. Selbst die schlechteste Story in "Eine unberührte Welt" wird vom Autor immer noch interessant genug erzählt, um den Leser zu unterhalten.

Ein Beispiel hierfür wäre "Der Goethepfennig". Andreas Eschbach erzählt darin von einer möglichen Subvention angehender Autoren, die am Ende vollkommen außer Kontrolle gerät. Was inhaltlich interessant zu sein scheint, wird jedoch alles andere als mitreißend beschrieben. Das Problem liegt darin, dass das Ende bzw. die Auflösung der absurden Ereignisse für den Leser zu vorhersehbar ausfällt. Die positive Seite an diesem Text ist sicherlich die Art und Weise, in der die grassierende Bürokratie um sich greift und dabei die ursprünglich gut gedachte Idee ins Gegenteil umkehrt.

Ebenfalls in die Kategorie nicht so gelungen, aber dennoch interessant fällt "Die Wiederentdeckung", die im gleichen Universum spielt wie der erste Roman von Andreas Eschbach, "Die Haarteppichknüpfer". Genau darin liegt allerdings das Problem. Es wird auf Ereignisse und Personen angespielt, die wohl nur ein Leser verstehen kann, der den Roman gelesen hat. Das ist für den nicht vorbelasteten Leser sehr schade und hätte wohl nur durch eine eingehende Erklärung im Einleitungsteil verbessert werden können. Doch dafür hat in dieser Anthologie anscheinend einfach der Platz gefehlt.

Die wohl beste Geschichte aus der ganzen Sammlung ist "Al-Qaida TM". In ihr erzählt Andreas Eschbach, wie ein amerikanischer Anwalt sich scheinbar mit der Terror-Organisation verbündet. Dabei benutzt dieser die bizarrsten Eigenheiten des amerikanischen Rechtssystems, um der gefürchteten Organisation zu helfen. Eine äußerst amüsant zu lesende Geschichte, die man eigentlich schon nicht mehr als Science-Fiction bezeichnen kann.

Bei "Halloween" handelt es sich um eine lupenreine Horror-Geschichte. Ein Mann geht am gleichnamigen Tag einen Pakt mit dem Teufel ein, um sich die Liebe seines Lebens zu sichern. Doch wie üblich bei einer solchen Vereinbarung, hat das Ganze einen Haken. Hier beweist der Autor wunderbar, dass er auch andere Genres beherrscht. Der Horror wird für den Leser richtig spürbar und das Ende weist einen wunderbaren und sehr gelungenen Twist auf.

Und wie zum Beweis, dass er außer Horror und Science-Fiction auch noch das Fantasy-Genre beherrscht, bekommt man in dieser Sammlung auch noch die kleine, aber feine Geschichte "Jenseits der Berge" präsentiert. Darin geht es um Hoffnung, um den Versuch eine alte Ordnung zu durchbrechen, die schon fast versteinert ist. Auch hier gelingt es Andreas Eschbach innerhalb weniger Seiten perfekt, auf die Charaktere einzugehen und sie detailliert und überzeugend darzustellen.

Fazit:

Ein Autor, über 20 Kurzgeschichten - und nahezu alle sind gelungen. Kann das überhaupt sein? Es kann, wie "Eine unberührte Welt" beweist. Andreas Eschbach springt in dieser Anthologie mit seinen Erzählungen von Genre zu Genre. Wobei die zugrunde liegenden Ideen ebenso vielfältig sind wie die Anzahl der präsentierten Kurzgeschichten. Dabei bleibt selbst die schlechteste Geschichte immer noch sehr unterhaltsam, gerade weil es für den Leser so faszinierend zu sehen ist, auf welche Gedanken der Autor kommt.
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