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Die Kinder der Drohne  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Science-Fiction
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Donnerstag, 21. August 2008

Die Kinder der Drohne

Originaltitel: Hilldiggers
Übersetzt von: Thomas Schichtel

Reihe: Polity-Romane
2. Band der Reihe

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: Juni 2008
ISBN: 978-3-404-23323-6
Preis: 8,95 EUR

590 Seiten
Inhalt
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.9

Wertung:
8.9
von 10
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Zum Inhalt:

Im All wird ein mysteriöses Objekt entdeckt, das man für einen kosmischen Superstring hält. Als das Objekt in vier zylindrische Stücke zerfällt, entdecken Wissenschaftler darin Dinge, die auf eine fremdartige Technologie oder Lebensform schließen lassen. Aus Sicherheitsgründen lagert man die Objekte in einer Hochsicherheits-Raumstation ein. Kurz darauf wird eine dort beschäftigte Forscherin auf unerklärliche Weise schwanger. Sie bringt Vierlinge zur Welt - und begeht nach der Entbindung Selbstmord. Während die Kinder aufwachsen, zeigt sich, dass sie alles andere als gewöhnlich sind ...

Meinung:

Der Science-Fiction-Autor Neal Asher wurde 1961 in Essex geboren. Erst mit 25 Jahren fing er an, professionell zu schreiben, wobei seine erste Romanveröffentlichung 2001 erfolgte. Die Jahre zuvor hat er "nur" diverse Novellen und Kurzgeschichten geschrieben, die allerdings einige Preise einheimsten. "Die Kinder der Drohne" folgt dem gleichen Schema wie alle anderen vorherigen Bücher von Neal Asher. Es ist episch im Handlungsspielraum und sehr dreckig und brutal im Ton. Dieser Roman ist das zweite Buch aus seiner "A Novel of the Polity"-Reihe, die im Polity-Universum angesiedelt ist. Die Polity ist das galaktische Reich, in dem die meisten Menschen leben und wird von KIs regiert.

Dafür, dass das Buch eigentlich nur eine weitere Geschichte aus diesem Universum ist - im Prinzip der zweite Teil eines Zyklus - gelingt es Neal Asher ohne Probleme, den Band für Neueinsteiger verständlich zu halten. Falls Hintergrundinformationen notwendig sind, werden sie vom Autor geliefert. Doch allzu viele Informationen braucht man nicht, um der Handlung folgen zu können.

Der Roman handelt von den zwei Welten Brumal und Sudorai. Beide sind von Kolonisten besiedelt worden - und standen aufgrund diverser Ereignisse bei der Besiedlung fast von Anfang an im Krieg miteinander. Ein Krieg, der sich über eine große Zeitspanne hinzog und lange keinen Sieger kannte. Bis der "Wurm" auftauchte, ein mysteriöse Objekt, das für einen kosmischen Superstring gehalten wird. Der Wurm wurde über der Welt Sudorai abgeschossen, deren Bewohner sich die Erkenntnisse aus diesem Objekt zunutze machten, um den Konflikt endgültig für sich zu entscheiden. Bei diesem letzten Kriegsakt haben sie beinahe die gesamte Bevölkerung von Brumal ausgelöscht.

Seit dem Ende des Krieges beobachtet eine Autonome KI mit dem Namen "Tigger" die Bewohner von Sudorai, um Informationen über die Welt und ihre Bewohner zu sammeln. Dieses Wissen soll dem Diplomaten Ian McCrooger helfen, einem durch den so genannten Scabberjay Virus unsterblichen ehemaligen Terraner. Doch dann muss der Diplomat erleben, wie unmittelbar nach seiner Ankunft die Dinge außer Kontrolle geraten und das Militär von Sudorai die Macht über den Planeten an sich reißt. Dabei spielen Vierlinge, die nach dem Abschuss des Wurmes zur Welt kamen, eine nicht unerhebliche Rolle.

Wenn man die ersten Seiten des Buches liest, hat man die Befürchtung, dass Ian McCrooger die Handlung zu sehr dominieren wird. Er wirkt zuerst wie eine Art Supermann. Aufgrund des Virus in seinem Körper kann er kleinere Verletzungen sehr schnell heilen. Ebenso passt sich sein Körper auch an neue Umgebungen an, was ihm bei den extremen Bedingungen auf beiden Welten nur zugute kommt. Zählt man noch die unglaubliche Stärke von McCrooger hinzu, dann hat man eine Person, die man eigentlich nicht bedrohen kann, weil sie sich aus jeder Situation befreien kann. Doch Neal Asher geht mit diesem Charakter ziemlich geschickt um. Er macht diesen Agenten der Polity so zu einem Spielball der Umstände, dass ihm seine besonderen Fähigkeiten nichts nutzen. Geschickt beschreibt der Autor, wie die Situation auf dem Planeten eskaliert, wie die Ankunft von McCrooger zu dem alles entscheidenden Auslöser wird. Und so wird der Diplomat zum Spielball von Ereignissen, die er selbst kaum beeinflussen kann.

Dasselbe gilt auch für "Tigger". Jedoch kommt die KI erst zum Schluss dazu, bei den Ereignissen mitzumischen. Zuvor spielt er nur die Rolle des aktiven Beobachters, der sich am Rande in die Dinge einmischt. Doch der Dreh- und Angelpunkt der Handlung sind die mysteriösen Vierlinge. Alle haben eine sehr hohe Intelligenz und nahezu alle halten Machtpositionen inne. Harald gelang eine enorme Karriere beim Militär und wird zum auslösenden Faktor der Ereignisse. Seine beiden Schwestern sind Diplomaten - die eine, Rhodane, bei den Bewohnern von Brumal, die andere, Yishna, auf Sudorai. Und dann ist da noch der letzte Bruder, Orduval, der an einer Krankheit leidet, deren Anfälle ihn langsam, aber sicher umbringen. Was alle vereint, ist, dass sie sich gegenseitig nicht allzu sehr mögen. Diese vier Charaktere tragen auf ihre eigene Art und Weise zur Handlung bei. Sie sind im Prinzip für den Plot von mehr Bedeutung als Ian McCrooger oder Tigger, vor allem der Militär Harald.

Wie bereits erwähnt, haben Neal Ashers Bücher einen dreckigen und brutalen Ton. Das fällt dem Leser bei "Kinder der Drohne" besonders auf. Die Handlung ist teilweise ziemlich heftig und selbst die handlungstragenden Personen sind nicht vor Verlusten gefeit. Doch trotz all der Action vergisst der Autor seine wichtigen Figuren nicht, sondern entwickelt sie sogar weiter. Am Ende der Geschichte hat es viele Verluste gegeben und daher fühlt sich selbst der Sieg über die Gegner leer an. Was auch daran liegt, dass Neal Asher es vermeidet, eindeutig gute oder böse Charaktere zu beschreiben. Selbst Figuren, deren Taten man eher als böse definieren könnte, haben einen oder zwei mildernde Faktoren.

Fazit:

Der Science-Fiction-Roman "Die Kinder der Drohne" von Neal Asher ist ein äußerst gelungenes Buch. Zum einen ist es sehr neueinsteigerfreundlich, obwohl es der zweite Band ist, der im Polity-Universum spielt, zum anderen fiebert der Leser bei der äußerst spannenden Handlung mit. Die Charaktere sind sehr ausgewogen gestaltet, sodass selbst der mit übermenschlichen Fähigkeiten ausgestattete Diplomat Ian McCrogger Probleme hat, mit den vor ihm liegenden Schwierigkeiten fertig zu werden. Die Geschichte ist sehr brutal, was sich auch auf die Hauptfiguren auswirkt. Denn trotz all der Action vergisst Neal Asher nicht, seine Akteure weiterzuentwickeln.
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