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Das Ikarus-Projekt 1: Schatten und Licht  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Science-Fiction
Geschrieben von Konstanze Tants   
Mittwoch, 27. Oktober 2010

Das Ikarus-Projekt 1: Schatten und Licht

Originaltitel: Black and White
Übersetzt von: Katrin Harlaß

1. Band der Reihe

Verlag: LYX
Erschienen: Juli 2010
ISBN: 978-3-8025-8354-4
Preis: 9,95 EUR

544 Seiten
Inhalt
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.9

Wertung:
8.9
von 10
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Zum Inhalt:

An der Akademie für Menschen mit übernatürlichen Kräften waren Iridium und Jet beste Freundinnen. Inzwischen sind sie jedoch verfeindet bis aufs Blut. Während Jet ihre Kräfte dazu benutzt, die Einwohner von New Chicago zu beschützen, herrscht Iridium über die Unterwelt der Stadt. Doch hinter der strahlenden Fassade der Akademie verbirgt sich ein finsteres Geheimnis. Jet und Iridium finden sich in einem Mahlstrom der Intrigen wieder, in dem die Grenze zwischen Gut und Böse verschwimmt ...

Meinung:

Mit "Schatten und Licht" ist den beiden Autorinnen Jackie Kessler und Caitlin Kittredge ein fesselnder Roman in der Tradition klassischer Superhelden-Geschichten gelungen. Die Handlung spielt im Jahr 2112, die Erde hat inzwischen den Vierten Weltkrieg überstanden und die Schere zwischen Arm und Reich klafft weiter auf den je. In den Straßen von New Chicago stehen sich die Superheldin Jet und die Schurkin Iridium gegenüber. Während die eine alles gibt, um die Menschen zu beschützen, scheint ihre Gegenspielerin ganz eigene - zerstörerische - Pläne zu verfolgen.

Dabei waren Jet und Iridium viele Jahre lang die besten Freundinnen, als sie gemeinsam die "Akademie für Menschen mit übernatürlichen Kräften" besuchten, wo sie lernten, mit ihren ungewöhnlichen Fähigkeiten umzugehen. In dieser Zeit war es Iridium, die die unsichere Jet häufig vor den Sticheleien der Mitschüler beschützen musste, während Jet die impulsive Freundin von so mancher Dummheit abhalten konnte. Doch ihr gegensätzliches Naturell hat inzwischen, ebenso wie diverse Intrigen, denen die jungen Frauen ausgesetzt waren, zu einer abgrundtiefen Feindschaft geführt.

Erzählt wird die Geschichte der beiden Frauen sowohl aus Jets als auch aus Iridiums Perspektive. Zusätzlich gibt es regelmäßig Zeitsprünge, die den Leser von den aktuellen Geschehnissen in die Vergangenheit führen, wo man verfolgen kann, wie sich Jet und Iridium kennengelernt, miteinander angefreundet und dann wieder entfremdet haben. Dabei gelingt es Jackie Kessler und Caitlin Kittredge so geschickt, die einzelnen Passagen zu präsentieren, dass der Leser sich nie orientierungslos fühlt oder sich nicht mehr erinnern kann, was zuvor in dieser Zeitebene passiert ist. Dafür kann man vor lauter Spannung darüber, wie die Geschichte wohl weitergeht und welche Hintergrundinformationen man als Nächstes präsentiert bekommt, kaum das kommende Kapitel erwarten.

Obwohl "Schatten und Licht" nach dem Klappentext wie eine locker erzählte Superheldengeschichte wirkt, gibt es viele Facetten in der Handlung, die dafür sorgen, dass dieser Roman deutlich vielschichtiger ist als anfangs erwartet. So bekommt der Leser schon auf den ersten Seiten einen Hinweis auf die Entstehung der Menschen mit übernatürlichen Kräften: Über Zeitungsartikel, die schon im Jahr 1991 erschienen sind, und andere Berichte erfährt man vom "Ikarus-Projekt", in dem Ehepaaren dank einer innovativen Methode durch künstliche Befruchtung zu einem Baby verholfen werden sollte. Doch die so entstandenen Kinder hatten ganz besondere Fähigkeiten - und selbst im Jahr 2112 ist die Gesellschaft noch nicht in der Lage, richtig mit diesen "Außermenschen" umzugehen.

Auch die Wechselwirkung von Superhelden und Superschurken sprechen die Autorinnen an und zeigen, dass hinter der Maske ein sensibler Mensch steckt, der tagtäglich gegen Anfeindungen von Außen, gegen die eigenen Fähigkeiten und seine Selbstzweifel ankämpfen muss. Politische Intrigen kommen ebenso in "Schatten und Licht" zur Sprache wie die Frage, wie dankbar man einer Organisation sein muss, die einem beigebracht hat, mit seinen eigenen Fähigkeiten umzugehen - und der man dafür für den Rest seines Lebens als Aushängeschild zur Verfügung stehen muss.

Vor allem der Gegensatz zwischen der selbstbewussten und rebellischen Iridium, deren Lichtkräfte ungemein verheerende Auswirkungen haben können, und Jet, deren unheimliche Schattenkräfte so im Kontrast zu ihrer sanften und unsicheren Persönlichkeit zu stehen scheinen, macht einen großen Reiz des Romans aus. Beide Figuren sind (ebenso wie die Nebencharaktere) glaubwürdig aufgebaut und ihre Taten - selbst wenn man als Leser vollkommen anders handeln würde - nachvollziehbar und innerhalb ihrer Persönlichkeit stimmig dargestellt worden.

Sowohl Iridium als auch Jet wachsen einem schnell ans Herz und so nimmt einen die Geschichte von "Schatten und Licht" auch emotional gefangen. Man hofft und bangt mit den beiden jungen Frauen, fürchtet sich vor dem, was ihnen noch bevorstehen mag, und ist wütend über die Manipulationen, die beider Leben so gravierend beeinflusst haben. Dabei fehlt es bei all den dramatischen Ereignissen auch nicht an humorvollen Szenen, die einen mit einem breiten Grinsen vor dem Buch sitzen lassen. Dank einer so gelungenen Mischung aus ebenso leichtem wie abwechslungsreichem Erzählstil sowie kritischen, spannenden und amüsanten Elementen macht das Lesen dieses Romans einfach nur Spaß.

Fazit:

"Schatten und Licht" ist die erste Zusammenarbeit von Jackie Kessler und Caitlin Kittredge und lässt die Hoffnung aufkommen, dass noch viele weitere so gelungene Geschichten aus der gemeinsamen Feder der beiden Autorinnen entstehen mögen. Die Handlung des ersten Teils von "Das Ikarus-Projekt" dreht sich um die Superheldin Jet und ihre Gegenspielerin Iridium. Dabei gelingt es Jackie Kessler und Caitlin Kittredge nicht nur, die Persönlichkeiten dieser beiden Figuren wunderbar auszuarbeiten, sondern auch eine spannende Geschichte zu erzählen, die den Leser von der ersten Seite an fesselt und emotional berührt.
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