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Unter schrägen Vögeln  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Freitag, 30. Mai 2008

Unter schrägen Vögeln

Untergenre: Humor
Verlag: Grafit
Erschienen: April 2008
ISBN: 978-3-89425-347-9
Preis: 8,95 EUR

224 Seiten
Inhalt
5.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
5.2

Wertung:
5.2
von 10
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Zum Inhalt:

Privatdetektiv Markus Waldo hat genug: von Ostdeutschland, von Halle, von seinem nicht vorhandenen Privatleben und von seinem Beruf. Sein jüngster Auftrag ist nicht von der Art, an diesem Zustand etwas zu ändern: Waldo soll den Entführer von Kaninchen stellen. Henri, Sascha und vier weitere Tiere sind Züchter Schönlein in den letzten drei Wochen abhanden gekommen. Dahinter kann eigentlich nur ein Konkurrent stecken, meint Schönlein. Doch als sich Waldo auf die Lauer legt, kommt er jemand anderem auf die Spur. Dann verschwindet auf dem benachbarten Hühnerzuchthof ein Australorps, der Fall bekommt eine neue Dimension und Waldo vielerlei Grund, sein Schicksal weiter zu bedauern.

Meinung:

"Unter schrägen Vögeln" ist nach "Unter Schweinen" und "Unter freiem Himmel" der dritte Roman um den glücklosen Privatdetektiv Markus Waldo. Das Buch wird vom Grafit-Verlag selbst als "Comedydetektivliteratur" bezeichnet. So kann der Leser von dieser Erzählung auch keinen fundierten Kriminalroman erwarten, sondern sich eher an der Tollpatschigkeit der Hauptfigur und den skurrilen Personen, denen er begegnet, erfreuen.

Markus Waldo hat in Halle an der Saale Psychologie studiert und blieb nach dem Studium irgendwie in dieser Stadt hängen. Glücklich ist er mit seinem Wohnort nicht und erst recht nicht mit seinem Leben. Noch immer trauert er seiner großen Liebe Annette nach, träumt davon, endlich aus dieser tristen Stadt im Osten zu verschwinden, und hofft, als Privatdetektiv endlich mal einen Fall zu bekommen, der nicht total lächerlich zu sein scheint. Doch stattdessen darf Waldo sich im Auftrag eines Kaninchenzüchters um das rätselhafte Verschwinden von sechs Zuchttieren kümmern.

Während des ersten Drittels des Buches ertrinkt die Hauptfigur in Selbstmitleid, was die Geduld des Lesers zum Teil doch sehr strapaziert. Ausgeglichen wird diese übertrieben melancholische Stimmung durch seltsame und doch realistische Begebenheiten, wie sie zum Beispiel auf einer Kaninchenschau passieren, sowie das komische Ungeschick des Privatdetektivs. Auch die Dialoge zwischen Markus Waldo und seinem besten Freund tragen einiges zur Unterhaltung bei. Ohne die Unterstützung des getreuen Albert könnte man davon ausgehen, dass Waldo unter seinen Depressionen und Marotten hoffnungslos begraben würde.

Doch dann muss sich der Privatdetektiv zusammenreißen: Auf dem Getraudenfriedhof wird eine Leiche gefunden, deren Tod eng mit Waldos Kaninchen-Ermittlungen zusammenhängen könnte. Durch seine eigene Trotteligkeit bringt sich der Detektiv selbst in Verdacht, der Mörder zu sein, und muss nun alles daransetzen, den echten Täter zu finden. Hier wäre für Peter Godazgar eine Gelegenheit gewesen, die Handlung zu einem echten Kriminalroman auszubauen, doch leider konzentriert er sich lieber weiter auf die Unfähigkeit seines Protagonisten.

Markus Waldo stolpert hilflos von einem Verdächtigen zum Nächsten, und statt vielleicht mal seine psychologische Vorbildung einzusetzen, beschränkt sich der Unglücksrabe darauf, über Drohungen und Penetranz an Informationen zu kommen. Wie erwartet, stellt er sich auch hier nicht besonders geschickt an und sorgt nur dafür, dass die Polizei sich weiter auf ihn konzentriert. Zu seinem großen Glück findet der Privatdetektiv Ablenkung von seinem miserablen Leben in sexuellen Fantasien über die Schwester eines Verdächtigen.

Die Romane von Peter Godazgar sind wirklich Geschmacksache. Seine Erzählungen rund um den glücklosen Privatdetektiv Markus Waldo sind gut geschriebene Aneinanderreihungen von Missgeschicken der Hauptfigur. Der Humor gleitet hierbei auch mal ins übertrieben Lächerliche ab, wobei Elemente wie der defekte Mülleimer Oskar für den Stammleser zu einem schmunzelnden Wiedererkennen führen. Leider neigt der Autor dazu, sich an bestimmten Gedankengängen seines Protagonisten festzubeißen und langweilt so den Leser mitunter ein wenig.

Fazit:

Wer einen gut aufgebauten Kriminalroman lesen möchte, sollte von "Unter schrägen Vögeln" und generell den Büchern Peter Godazgars die Finger lassen, denn nicht ohne Grund bezeichnet der Grafit-Verlag dieses Werk als "Comedydetektivliteratur". Der Leser aber, der nach leichter Unterhaltung mit skurrilen Figuren und Begebenheiten sucht und sich dabei auch von Slapstick oder häufigen Wiederholungen nicht abschrecken lässt, wird mit "Unter schrägen Vögeln" recht unterhaltsame Lektüre für zwischendurch finden.

 
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