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Totenbuch  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Samstag, 5. April 2008

Totenbuch

Originaltitel: Book of the Dead
Übersetzt von: Karin Dufner

Reihe: Kay Scarpetta
15. Band der Reihe

Erschienen: November 2007
ISBN: 978-3-455-01104-3
Preis: 23,00 EUR

446 Seiten
Inhalt
3.0
Preis/Leistung
6.0
Gesamtwertung
3.3

Wertung:
3.3
von 10
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Zum Inhalt:

Die sechzehnjährige Drew Martin galt als Shooting-Star am Tennishimmel. Nachdem man in Rom ihre furchtbar entstellte Leiche gefunden hat, schlägt der Fall international hohe Wellen. Deshalb bitten die italienischen Carabinieri Dr. Kay Scarpetta um Unterstützung. Die erfahrene Pathologin gerät im Laufe ihrer Untersuchungen unter großen öffentlichen Druck. Bald wird klar: Der Mörder muss sich in den USA aufhalten. Und der Tennisstar war nicht sein letztes Opfer.

Meinung:

Vor 18 Jahren erschien der erste Roman von Patricia Cornwell in deutscher Sprache. In ihm betrat mit der Figur der Kay Scarpetta die erste erfolgreiche Gerichtspathologin die Bühne der Kriminalliteratur. Während Patricia Cornwell schon damals nicht in erster Linie für besonders raffinierte Plots bekannt war, so bestachen ihre Romane durch einen zu dieser Zeit einzigartigen Detailreichtum in Bezug auf die Arbeit einer Gerichtsmedizinerin.

Schnell wurde bekannt, dass die Autorin schon früher berufliche Erfahrungen als Polizeireporterin, bei der Polizei und im Bereich der Gerichtsmedizin sammeln konnte. Dies und die Tatsache, dass ihr schon für den ersten Roman "Ein Fall für Kay Scarpetta" die Leiterin der Gerichtsmedizin des Staates Virginia als Beraterin zur Seite stand, verliehen ihren Romanen eine besondere Glaubwürdigkeit.

Zusätzlich sprach für die Romanreihe um die Gerichtsmedizinerin auch die liebevolle Ausarbeitung der Figuren. Vor allem Kay Scarpetta, welche sich als Wissenschaftlerin in einer Männerwelt behaupten musste, und das in einem Beruf, der oft an den Grenzen der seelischen Belastbarkeit kratzt, überzeugte die Leser. Ihre weiche Seite, die zum Vorschein kam, wenn sich die erfolgreiche Frau um ihre vernachlässigte Nichte Lucy kümmerte, bildete hier einen angenehmen Kontrast und bewahrte die Figur der Gerichtsmedizinerin davor, unsympathisch und gefühlskalt zu wirken.

Doch im Laufe der Romanreihe hat sich der Schreibstil von Patricia Cornwell sehr verändert und ihre Figuren haben sich ebenfalls zum Teil ins Extreme entwickelt, was auch in "Totenbuch", dem inzwischen fünfzehnten Roman der Reihe, zum Vorschein kommt. Schon vor einigen Büchern wechselte die Autorin in ihrer Erzählweise von der Ich-Perspektive in die dritte Person. Zusammen mit dieser Veränderung wird den Nebencharakteren rund um Kay Scarpetta eine größere Rolle zugeschrieben.

In "Totenbuch" macht sich dies negativ bemerkbar. Die verschiedenen Perspektiven, die die Autorin berücksichtigen will, sorgen für sehr viele Ortswechsel und Sprünge in der Erzählung, sodass es dem Leser zum Teil sehr schwer fällt, sich von einer Szene auf die nächste umzustellen. Auch werden diejenigen unter den Scarpetta-Fans, die die Serie seit der ersten Veröffentlichung begleiten, wohl nicht begeistert sein von den Entwicklungen, die bei früher sympathischen Figuren vollzogen wurden.

Krankheit, Misstrauen, Alkohol und Medikamentenmissbrauch sind nur einige der Probleme, die den Umkreis der Gerichtsmedizinerin erschüttern und dafür sorgen, dass aus der früher familiären Beziehung zwischen Kay Scarpetta und ihren Freunden und Mitarbeitern eine Gruppe geworden ist, die nur noch mit Unbehagen miteinander umgehen kann. Jeder hat etwas, das er den anderen verschweigt und so wird zum Beispiel aus einer rauen, aber sympathischen Figur wie dem ehemaligen Polizisten Pete Marino ein abstoßendes Wrack.

Überhaupt ist die frühere leise Melancholie in den Büchern von Patricia Cornwell zu einer deprimierenden und sehr niederdrückenden Grundstimmung geworden, ohne den leisen Funken Hoffnung auf die schönen Momente im Leben der Charaktere, die die bösen Erlebnisse und Eindrücke rund um eine Mordermittlung erträglich machen. Leider reißt auch der in "Totenbuch" dargestellte Kriminalfall diese negative Veränderung der Figuren nicht heraus.

Nach einem überaus viel versprechenden Anfang, der die letzten Minuten im Leben der Tennisspielerin Drew Martin schildert, flacht der Roman ziemlich ab. Die Geschichte dreht sich mehr um die privaten Probleme der Charaktere als um den Fall und auch die Figur des Mörders bleibt eindimensional. Doch besonders ärgerlich ist es, dass dieses Mal nicht professionelle Ermittlungen zur Ergreifung des Täters führen. Stattdessen ist es nötig, dass sich die inzwischen erwachsene und hochintelligente Lucy illegal in diverse Computer einhackt und dort herumschnüffelt.

Die Verbindung des Mordfalls zu der Klinik, in der Benton Wesley, der ehemalige FBI-Profiler, arbeitet, wirkt zu sehr konstruiert, ebenso wie die Wiedereinführung der Figur der TV-Psychologin Dr. Self - zwei Punkte in der Erzählung, die zu weiterer Frustration beim Leser führen. Auch das Ende des Romans ist nicht wirklich befriedigend, der Abschluss der Ermittlungen hinterlässt eher die Frage, ob das jetzt wirklich alles gewesen sein soll. Einzig das rätselhafte Verschwinden eines der Vertrauten von Kay Scarpetta könnte den Leser noch dazu bewegen, einen Blick in einen Folgeroman zu werfen, in der Hoffnung, hier über das Schicksal des Charakters aufgeklärt zu werden.

Fazit:

Wie schon seit einigen Bänden enttäuscht Patricia Cornwell auch mit dem fünfzehnten Roman ihrer Kay-Scarpetta-Reihe ihr Publikum. Der unbefriedigende Kriminalfall, der weniger durch wissenschaftliche Methoden und gründliche Ermittlungsarbeit aufgeklärt wird als durch illegale Handlungen, sorgt genauso wenig für eine Befriedigung beim Leser wie die enttäuschende Entwicklung der Charaktere. "Totenbuch" scheint, trotz eines viel versprechenden Anfangs, eher der Beweis zu sein, dass die Autorin bei ihrer Reihe um die Gerichtsmedizinerin ihr Potenzial schon lange ausgeschöpft hat und sich vielleicht doch lieber anderen Tätigkeiten zuwenden sollte.

 
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