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Tod auf der Northumberland  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Freitag, 29. Mai 2009

Tod auf der Northumberland

1. Band der Reihe

Untergenre: Historisches
Verlag: Goldmann
Erschienen: Dezember 2008
ISBN: 978-3-442-46776-1
Preis: 7,95 EUR

352 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
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Zum Inhalt:

New York, 1895: Als Privatdetektiv John Gowers seinem Auftraggeber Senator Blandon mitteilt, dass dessen verschwundene Tochter als Prostituierte arbeitet, weigert sich Blandon, den Detektiv zu bezahlen. Gowers verkauft sein Beweisfoto daraufhin einer Zeitung - und verlässt die Stadt, um der Rache des mächtigen Senators zu entgehen. Im Auftrag der Britin Emmeline Thompson begibt er sich auf das Schiff Northumberland, wo er den Tod von Emmelines Vater untersuchen soll. Dabei kommt er einer Gruppe von Verschwörern auf die Spur ...

Meinung:

In "Tod auf der Northumberland" hat der Autor Daniel Twardowski mehrere Handlungsstränge zu einem ungewöhnlichen und faszinierenden historischen Kriminalroman verwoben. Auf den ersten Blick erwartet der Leser nicht mehr als einen geheimnisvollen Kriminalfall. Nachdem der Privatdetektiv John Gowers von Senator Blandon nicht für seine Arbeit bezahlt wurde, übergibt er Fotos, die beweisen, dass die Tochter des Politikers als Prostituierte arbeitet, der Polizei. Gerade als er die Stadt verlassen will, um sich vor der Rache des Senators in Sicherheit zu bringen, beauftragt ihn Emmeline Thompson damit herauszufinden, wer ihren Vater getötet hat.

Die Britin reiste zusammen mit ihrem Vater Samuel Thompson auf dem Schiff Northumberland. Ihre Fahrt sollte bis St. Helena gehen, wo Mr. Thompson den Gouverneursposten antreten sollte, doch kurz vor New York fand man Emmelines Vater an der Rah hängend. Angeblich ein Selbstmord, doch seine Tochter ist sich sicher, dass Samuel Thompson umgebracht wurde. Spontan beschließt John Gowers, mit der jungen Frau zusammen auf dem Schiff nach St. Helena zu reisen. Dies wird ihn nicht nur vor dem Senator in Sicherheit bringen, sondern ihm auch die Gelegenheit bieten, in Ruhe herauszufinden, wer Mr. Thompson getötet haben könnte.

Während der Leser nach und nach die Passagiere der Northumberland kennenlernt und John Gowers Ermittlungen verfolgt, gibt es immer wieder Einschübe, in denen man die Perspektive des Mörders verfolgen kann. Hier wird deutlich, dass es um mehr geht als um die Erhängung eines älteren Briten. Samuel Thompsons Tod, die Geschichte der Northumberland und frühere Ereignisse auf St. Helena hängen eng zusammen, denn mit diesem Schiff reiste bereits Napoleon Bonaparte in sein Exil auf der britischen Insel.

Daniel Twardowski bedient sich des Kriminalfalls, um als zweiten Handlungsstrang von Napoleons letzter Reise zu erzählen. Zusammen mit dem besiegten Korsen und seinen letzten Getreuen begibt sich der Leser nach St. Helena - und ahnt schnell, dass in dieser Verbannung des kleinen Feldherrn das Motiv für eine Jahrzehnte später begangene Mordserie liegen könnte. Umso ungewöhnlicher wirken in diesem Zusammenhang die Passagen um Jane Williams, die von ihrer Familie verstoßen wurde, weil sie sich in einen schottischen Ingenieur verliebte. Leider haben diese vielen Perspektivwechsel zu Beginn des Buches auch zur Folge, dass der Leser ein wenig Zeit benötigt, um sich in die Handlung einzufinden.

Lösen die Handlungselemente auf der Northumberland und um Napoleon eher Neugier auf Motiv und historische Hintergründe im Leser aus, ist Janes Geschichte wirklich mitreißend geschrieben. Hier schildert der Autor die erschütternde Realität in den Kohlegruben in England um 1845. Janes Schicksal nimmt einen gefangen, und mit ihr zusammen erleidet man Trauer, Demütigungen und Misshandlungen und resigniert fast vor den Ungerechtigkeiten einer so harten Gesellschaft. So unterscheidet sich dieser Teil des Romans deutlich von der restlichen Handlung - und doch greifen alle Elemente stimmig ineinander und präsentieren dem Leser eine überraschende und faszinierende Geschichte, deren verschiedene Stränge durch die Figur John Gowers' zusammengeführt werden.

Mit diesem Privatdetektiv hat Daniel Twardowski einen klassischen Helden mit einem ungewöhnlichen Hintergrund geschaffen. Auch wenn man sich schon manches Mal fragt, warum ein Mann mit einer so spannenden Lebensgeschichte ausgerechnet diesem Beruf nachgeht, führt dieses Rätsel weniger zu Unglauben beim Leser als zur Neugier auf weitere Informationen über diesen Charakter. Auch erkennt man deutlich, dass der Autor von vornherein geplant hat, mehrere Romane mit John Gowers zu schreiben, denn es gibt unzählige faszinierende Andeutungen über den Lebensweg dieses Mannes, die noch eine Menge Stoff für weitere Geschichten bieten. Wäre Daniel Twardowsi mit "Tod auf der Northumberland" nicht so ein fesselndes Buch gelungen, würde man ihm für einen solchen Romanaufbau wohl Berechnung vorwerfen. So aber ist man viel zu sehr damit beschäftigt, sich Gedanken über John Gowers, sein Schicksal und diesen ungewöhnlichen Kriminalfall zu machen.

Fazit:

Wenn man sich erst einmal an die vielen Perspektivwechsel gewöhnt hat, erwartet einen mit Daniel Twardowskis Debüt "Tod auf der Northumberland" ein faszinierender historischer Kriminalroman. Drei verschiedene Handlungsstränge werden von dem Autor zu einem Fall verwoben, der sowohl den Intellekt als auch das Gefühl des Lesers anspricht. Gespannt verfolgt man die aktuellen Ermittlungen des Privatdetektivs John Gowers, Napoleons letzte Reise nach St. Helena und Jane Williams' Schicksal in den Kohlegruben Englands, bis sich ein ungewöhnliches Gesamtbild herauskristallisiert. Zusammengehalten werden die verschiedenen Elemente von der Figur John Gowers, deren Charakter vom Autor so angelegt wurde, dass er auf jeden Fall noch Potenzial für einige weitere Romane um den Privatdetektiv mit der interessanten Vergangenheit bietet.
Weiterführende Infos
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