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Risiko  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Mittwoch, 1. Oktober 2008

Risiko

Originaltitel: Risc Factor
Übersetzt von: Marcel Bülles

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: Mai 2008
ISBN: 978-3-404-15871-3
Preis: 7,95 EUR

303 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

In der Notaufnahme der Psychiatrie rastet ein Mädchen aus und fällt über ihre Mutter her. Ein Stockwerk höher ersticht ein junger Schizophrener eine Pflegerin. Dr. Molly Katz, Psychologin und Mutter zweier Kinder, versucht den Hintergründen auf die Spur zu kommen und wird dabei immer tiefer in die dunkle Welt von Jugendlichen hineingezogen, die keinen Ausweg mehr sehen als Gewalt. Mit Mollys Augen folgen wir den Spuren eines Mörders aus den Straßen von Boston bis in die geschlossene Abteilung der Psychiatrie. Und der Killer hat bereits ein nächstes Opfer im Blick: Molly und ihre Kinder ...

Meinung:

Nachdem letztes Jahr bereits der Titel "Gift" von Charles Atkins in Deutschland erschien, wurde diesen Sommer der Roman "Risiko" bei Bastei Lübbe veröffentlicht. Wieder wählt der Psychiater ein Thema, das in sein Fachgebiet fällt. Dieses Mal geht er sogar explizit auf seinen beruflichen Schwerpunkt "psychisch gestörte und gewaltbereite Jugendliche" ein.

Die erste Hälfte des Buches über hat der Leser das Gefühl, eine sehr extreme Arztgeschichte zu lesen. Die Hauptfigur Molly Katz arbeitet in der Notaufnahme einer Psychiatrie und beschäftigt sich in erster Linie mit gestörten Jugendlichen. Durch ihre Augen nimmt man den Alltag in einer solchen Station wahr und erlebt die Frustration, die aufgrund von Budgetkürzungen entsteht. Egal wie engagiert Pfleger und Ärzte sein mögen, der Patient kommt immer zu kurz. Ein Mangel an Zeit und Geld sorgt dafür, dass nicht mehr als eine minimale Versorgung geleistet werden kann, danach sind die Familien mit ihren verstörten Kindern wieder allein.

Zudem gibt es eine immer größere Zahl von Kindern, die mit ihrem normalen Leben nicht mehr zurecht kommen. Die allgemein verbreitete Hoffnungslosigkeit führt schon bei den Jüngsten der Gesellschaft zu Aggressionen, Drogenmissbrauch und Selbstmordversuchen. Selbstachtung oder gar Hoffnung auf die Zukunft scheint keiner dieser Jugendlichen zu besitzen. Doch nicht nur in vermeintlichen Problemfamilien häufen sich die Vorkommnisse mit Kindern. Auch in Familien, in denen die Eltern anscheinend alles richtig machen, kommt es zu auffälligen Verhaltensweisen beim Nachwuchs.

In der psychiatrischen Notaufnahme des Boston Commonwealth Hospital treffen all diese verlorenen Kinder zusammen. Manchen kann geholfen werden, bei anderen hingegen verschlechtert sich der Zustand durch die Gesellschaft von ebenfalls gestörten Gleichaltrigen. Eines Nachts eskaliert die Situation in der Notaufnahme, als eine Krankenschwester erstochen aufgefunden wird. Neben ihr befindet sich der junge Garret, ein wegen Schizophrenie eingewiesener Patient, mit dem blutigen Messer in der Hand.

Molly Katz kann nicht fassen, dass solch eine schlimme Tat in dieser eigentlich sehr streng überwachten Abteilung passieren konnte. Und doch gerät sie jeden Tag selbst in Gefahr, weil ihr wegen des Personalmangels auch bei gewaltbereiten Patienten nur selten jemand zur Seite stehen kann. Als eine zweite Krankenschwester nach dem gleichen Schema getötet wird, kommt der Verdacht auf, dass Garret doch nicht der Täter gewesen sein kann. Beim Versuch, ihrem jungen Patienten beizustehen, gerät Molly in das Visier des Mörders.

Charles Atkins hat zwar einen interessanten Thriller geschrieben, doch die Suche nach dem Mörder nimmt neben den Erlebnissen in der psychiatrischen Abteilung nur einen geringen Raum ein. Viel eher beschäftigt den Leser die Frage nach der Ursache für ein solch hohes Aufkommen an gestörten und gewaltbereiten Kindern. Die vom Autor geschilderten Fälle lassen in der Regel keine eindeutige Schuldzuweisung zu. Manchmal hat man zwar das Gefühl, dass sich hier Eltern und Kinder gegenseitig in die Tiefe reißen, aber genauso liest man von liebevollen und engagierten Familien, deren aggressive Kinder zu einer Gefahr für die Geschwister und Eltern werden. Gäbe es nicht die engagierte Ärztin Molly Katz und ihr relativ heiles Familienleben als Gegensatz zu den Patienten, würde einen diese unglaubliche Hoffnungslosigkeit der Jugendlichen beim Lesen des Romans ungemein deprimieren.

Erst gegen Ende des Buchs konzentriert sich die Handlung mehr darauf, den Mörder der Krankenschwestern zu schnappen, wobei es zu einer spannenden Auseinandersetzung kommt. Mollys nervenaufreibendes Aufeinandertreffen mit dem Täter entschädigt den Leser dann auch für die etwas enttäuschende Auflösung des Falls. Doch in erster Linie faszinieren bei "Risiko" die Charaktere und ihre Hintergründe - sie sind es auch, die die Aufmerksamkeit des Lesers den ganzen Roman hindurch fesseln.

Fazit:

In "Risiko" konzentriert sich Autor Charles Atkins sehr darauf, dem Leser seine - als Psychiater für gestörte Jugendliche gesammelten - Erfahrungen nahe zu bringen. Dadurch gehen zwar die Ermittlungen in den Mordfällen ziemlich unter, doch es entsteht ein wirklich spannender Roman über die erschreckenden Entwicklungen von Jugendlichen in der heutigen Gesellschaft. Als Gegengewicht zu den gestörten Patienten der Psychiatrie dient die engagierte Ärztin Molly Katz mit ihrer Familie - und bewahrt das Buch so davor, allzu düster zu werden.
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