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Miss Winters Hang zum Risiko  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 18. Mai 2009

Miss Winters Hang zum Risiko

Originaltitel: The War Against Miss Winter
Übersetzt von: Kirsten Riesselmann

1. Band der Reihe

Untergenre: Historisches
Verlag: Suhrkamp
Erschienen: Mai 2009
ISBN: 978-3-518-46090-0
Preis: 9,95 EUR

488 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.0

Wertung:
8.0
von 10
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Zum Inhalt:

Um die Miete bezahlen zu können, bräuchte Rosie Winter - großes Talent und große Klappe - dringend mal wieder ein Engagement. Aber im Kriegsjahr 1943 sind die guten Rollen am Broadway schwer zu kriegen, und für die schlechten hat Rosie leider viel zu viel Temperament. So hält sie sich mit einem Job im Detektivbüro von Jim McCain über Wasser. Bis ihr eines Nachmittags die Leiche ihres Bosses in die Arme fällt ...

Meinung:

"Miss Winters Hang zum Risiko" ist der ungewöhnliche und wunderbar humorvolle Debütroman der Autorin Kathryn Miller Haines. Und auch der zweite Band der inzwischen dreiteiligen Serie soll - laut Autorenhomepage - in absehbarer Zeit vom Suhrkamp-Verlag auf Deutsch veröffentlicht werden. Die Autorin hat sich für ihren ersten Kriminalroman ein ungewöhnliches Umfeld gesucht: Ihre Hauptfigur Rosie Winter lebt im Jahr 1942 in New York, und so langsam wird auch für die amerikanischen Bürger spürbar, dass sie in Europa in einen Krieg verwickelt sind.

Immer mehr Soldaten sterben an der Front oder gelten als vermisst, die Lebensmittel werden rationiert, die Straßen in der Nacht verdunkelt und die sonst so leuchtende Stadt erlebt eine der düstersten Silvesternächte ihrer Geschichte. Auch im Leben der Schauspielerin Rosie Winter hinterlässt der Krieg deutliche Spuren. Ihr Geliebter ist an die Front gezogen und seitdem hat sie nicht ein Lebenszeichen von ihm bekommen. Auch ihre Karriere stagniert. Inzwischen war sie sogar gezwungen, sich einen Nebenjob in einer Privatdetektei zu suchen. Doch als ihr nach den Weihnachtsfeiertagen die Leiche ihres Chefs aus einem Büroschrank entgegenfällt, ist auch diese letzte Einnahmequelle erschöpft.

Die Polizei scheint nicht gerade engagiert zu ermitteln und will den Fall als Selbstmord behandeln, auch wenn alle Spuren dagegen sprechen. Als Rosie mitbekommt, wie gleichgültig die Behörden mit der Ermordung ihres Chefs umgehen, beschließt sie, selbst ihre Nase in die Ermittlungen zu stecken. Jim McCain war ein guter Mensch und hat es verdient, dass die Wahrheit über seinen Mord herausgefunden wird. Voller Entschlossenheit und vor allem mit viel Charme, Skrupellosigkeit und der - nicht immer freiwilligen - Hilfe ihrer Freundinnen beginnt Rosie, im Leben des Verstorbenen herumzuschnüffeln.

Jim McCains letzter Fall drehte sich um ein verschwundenes Manuskript des berühmten Raymond Fielding. Dieser Autor veröffentlichte seine Theaterstücke anonym und war berüchtigt für seine kompromisslose Haltung gegenüber Regisseuren und anderen Leuten seiner Zunft, die lieber auf kommerzielle Stücke setzten, anstatt der Kunst zu dienen. Überraschenderweise sind nicht nur diverse Kollegen von Rosie an dem anscheinend gestohlenen Manuskript interessiert. Auch Jims Familie, Angestellte einer hoch offiziellen Regierungsstelle und sogar Angehörige der New Yorker Unterwelt machen sich auf die Suche nach der verschwundenen Geschichte - und erstaunlich viele von ihnen sind bereit, für diese paar Seiten Papier über Leichen zu gehen.

Kathryn Miller Haines hat mit Rosie Winter eine wunderbare Hauptfigur geschaffen, die sich mit ihrer großen Klappe ständig selbst in Schwierigkeiten bringt. "Miss Winters Hang zum Risiko" zeigt eine Gesellschaft, die wild entschlossen ist, die alltäglichen Erinnerungen an den Krieg zu verdrängen und stattdessen das Leben so weit zu genießen, wie es nur möglich ist. Flüsterkneipen, Theateratmosphäre und Rosies ungewöhnliches Empfinden für das, was richtig und was notwendig ist, sorgen für eine stimmungsvolle Geschichte.

Die Autorin verbindet auf gelungene Weise die Elemente einer Screwball-Komödie mit einer Kriminalgeschichte, die in ihrer Desillusioniertheit nicht selten an die hardboiled novels der 40er-Jahre erinnert. Bei einer so interessanten Genremischung kann man dann auch darüber hinwegsehen, dass Kathryn Miller Haines' Kriminalfall ein paar kleinere Logikbrüche aufweist und dass die Auflösung am Ende den Leser nicht ganz so überrascht, wie es die Autorin wohl geplant hat. Dafür kommt man beim Lesen aus dem Schmunzeln nicht heraus, wenn man miterlebt, mit welcher Unverfrorenheit und welchem Ideenreichtum Rosie Winter ihre Ermittlungen verfolgt.

Fazit:

Kathryn Miller Haines' Debütroman "Miss Winters Hang zum Risiko" bietet dem Leser eine ungewöhnliche Mischung aus Screwball-Komödie und Kriminalroman. Vor der ansprechenden Kulisse New Yorks im Jahre 1943 sucht die erfolglose Schauspielerin Rosie Winter nicht nur den Mörder des Privatdetektivs Jim McCain, sondern auch nach dem verschwundenen Manuskript eines berühmten Theater-Autors. Unerschrocken erobert Rosie dabei den Salon einer der einflussreichsten Familien der Stadt und tritt furchtlos einflussreichen Regierungsbeamten und skrupellosen Mitgliedern der Mafia entgegen. Nicht ganz ohne Logikbrüche, dafür aber mit einem mitreißenden Humor und voller Situationskomik beschreibt die Autorin Rosies Ermittlungen. Bei so viel Vergnügen kann man nur hoffen, dass der Suhrkamp-Verlag schon bald die Fortsetzung dieser amüsanten Reihe veröffentlicht.
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