Banner bookdepository.com

Königsallee  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 22. November 2009

Königsallee

Untergenre: Regionalkrimi
Verlag: Grafit
Erschienen: Oktober 2008
ISBN: 978-3-89425-350-9
Preis: 10,50 EUR

411 Seiten
Inhalt
3.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
3.5

Wertung:
3.5
von 10
Jetzt kaufen



Zum Inhalt:

Erst ein millionenschwerer Gemälderaub, dann ein brutaler Mord, in den Politprominenz verstrickt ist. Derweil verkauft der Oberbürgermeister seine Stadt ... Ein Debakel für Kommissar Jan Reuter: Sein wichtigster Informant wird ermordet, kurz darauf verschwindet die einzige Zeugin, die Tochter eines aufstrebenden Politikers. Steht die Tat mit dem Raub eines wertvollen Bildes in Zusammenhang, das hinter dem Rücken der Polizei zurückgekauft wurde - ausgerechnet unter der Vermittlung von Reuters Bruder Edgar, einem erfolgreichen Anwalt? Zugleich gerät Oberbürgermeister Kroll in Bedrängnis: Der Investor eines prestigeträchtigen Bauvorhabens springt ab, eine peinliche Pleite droht. Da bietet sich ein dubioser Milliardär als Ersatz an. Soll Kroll das Angebot annehmen?

Meinung:

Nach einem vielversprechenden Auftakt, in dem der Leser in das osteuropäische Land Transnistrien versetzt wird, wo er die örtlichen Machthaber kennenlernt, geht die Handlung in Düsseldorf weiter. Dort lässt der Autor Horst Eckert den Kriminaloberkommissar Jan Reuter in einem Gemälderaub ermitteln, der vermutlich von einem lokalen Drogenboss in Auftrag gegeben wurde. Während der Polizist sich wie eine Bulldogge in die schon längst erkaltete Spur verbeißt, verfolgt man parallel die Geschehnisse im Düsseldorfer Rathaus.

Hier versucht der Oberbürgermeister ein großes Bauprojekt zu verwirklichen. Statt den allseits beliebten Strandklub Gecko-Beach im Düsseldorfer Hafen bestehen zu lassen, will der Politiker - mit Hilfe der Baufirma seines Cousins - an dieser Stelle ein aufsehenerregendes Hafen-Congress-Centrum errichten. Doch der kanadische Investor springt ab und Oberbürgermeister Kroll versucht alles, um diesen Umstand vor der Presse zu verheimlichen und schnell einen alternativen Geldgeber aufzutreiben. Die Tätigkeiten des umtriebigen Politikers verfolgt der Leser über seine Assistentin Simone Beck. Diese ist gerade erst aus Hamburg zugezogen, wo sie nicht nur studierte, sondern auch in einer Begleitagentur mehr als die üblichen Dienste angeboten hatte.

Leider ist keiner der Charaktere von Horst Eckert sonderlich sympathisch aufgebaut worden. Jan Reuter, der auf den ersten Blick wie der einzige ehrliche Polizist wirkt, geht so in seiner Jagd nach den Verbrechern auf, dass er weder Rücksicht auf seine Familie noch auf seine Freundin nimmt. Seine Zeit bei der Abteilung für innere Ermittlungen sorgt dafür, dass er auch zu seinen Kollegen kein persönliches Verhältnis aufbauen kann. So ist es nicht verwunderlich, dass er ein deutliches Interesse für die hübsche Mordzeugin Henrike Andermatt entwickelt. Diese war eine Freundin von Jan Reuters Informant Robby, der von unbekannten Tätern im Düsseldorfer Hafen erschossen wurde.

Durch die einleitenden Szenen in Transnistrien ist dem Leser bereits bewusst, dass die dort herrschende Familie nun versucht, in Deutschland ein neues Imperium aufzubauen. Aufgrund dieses Vorwissens geht in diesem Krimi einige Spannung verloren, denn eine Menge Fragen, die für die Polizisten rätselhaft sind, lassen sich durch diesen Umstand erklären. Und auch die Charaktere lassen keine Sympathie aufkommen, sodass es einem recht gleichgültig ist, was aus ihnen wird. Weder eine drohende Vergewaltigung noch der Mord an einer jungen Frau noch das Schicksal eines der Polizisten berühren den Leser.

Horst Eckert bemüht sich zwar, eine Atmosphäre der Depression und Korruption aufzubauen, wie man sie hauptsächlich aus skandinavischen Kriminalromanen gewohnt ist. Doch statt eine Faszination beim Leser auszulösen, verursacht diese unendliche Düsternis ein Gefühl von Überdrüssigkeit. So wird dieses Buch wohl einzig denjenigen ansprechen, der sich daran erfreuen kann, dass, wie schon in den anderen Krimis des Autors, auch in "Königsallee" wieder eine Menge Lokalkolorit vorhanden ist.

Fazit:

Horst Eckerts Roman "Königsallee" wird wohl nur die Leser in seinen Bann ziehen, die sich an den Beschreibungen der Stadt Düsseldorf und den Anspielungen auf die örtliche Prominenz erfreuen können und sich nicht daran stören, dass es dem Autor nicht gelingt, Spannung aufzubauen. Politische Machtspiele, organisiertes Verbrechen und eine korrupte Polizei sind wahrlich keine ungewöhnlichen Zutaten für einen Krimi, die in diesem Buch nicht einmal besonders spannend verbunden werden. Die Handlung ist in "Königsallee" vorhersehbar und die Charaktere bewegen sich ausschließlich innerhalb bekannter Klischees, was sie nicht gerade sympathischer erscheinen lässt.
Weiterführende Infos

 
Copyright © 2008-2017 by booklove.de. Alle Rechte vorbehalten.