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Kein Friede seiner Asche  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 26. Mai 2008

Kein Friede seiner Asche

Originaltitel: Buried Bones
Übersetzt von: Dietmar Schmidt

2. Band der Reihe

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: Februar 2002
ISBN: 978-3-404-14678-9
Preis: 7,90 EUR

447 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Lawrence Ambrose war einst ein bekannter Schriftsteller. Nun plant er ein Comeback - mit einem Roman über Zinnia, Mississippi, Sarah Booth Delaneys Heimatstadt. Ambrose lädt zu einer großen Feier ein, die in einer Katastrophe endet. Jeder der Gäste hatte offensichtlich etwas zu verbergen, etwas, das Ambrose in seinem Buch zu enthüllen droht. Als Sarah am Morgen danach über eine Leiche stolpert, beginnt sie mit ihren Ermittlungen und gerät dabei sehr schnell selbst in Gefahr.

Meinung:

"Kein Friede seiner Asche" ist der zweite Fall um die Figur der Sarah Booth Delaney von Carolyn Haines. Wie schon in dem Auftakt der Reihe, "Wer die Toten stört", stolpert die Südstaatenlady nach der Party des berühmten Schriftstellers Lawrence Ambrose eher zufällig in die Mordermittlungen. Eigentlich wollte der Autor nur die baldige Veröffentlichung seines nächsten Buches feiern, doch es gibt genügend geladene Gäste, die die Publikation dieses Romans gern verhindern würden.

Vor der faszinierenden Kulisse der fiktiven Stadt Zinnia im Mississippi-Delta dringt Carolyn Haines mit ihrer Erzählung in die Untiefen der Südstaaten-Gesellschaft ein. Hier bestimmen immer noch die ehemaligen Plantagenbesitzer über die restliche Bevölkerung. Menschen, die ihre vorherbestimmte Rolle nicht übernehmen wollen, werden ausgegrenzt und zu Exzentrikern erklärt. Der Schriftsteller Lawrence Ambrose droht nun damit, in seinen Memoiren die ihm anvertrauten Geheimnisse der Oberschicht Zinnias zu verraten.

Der gutmütige Autor hat nichts Böses damit im Sinn, während seine Biografin Brianna Rathbone, die als ehemaliges Fotomodell für die nötige Werbung sorgen soll, ganz eigene Motive dafür hat, die Mitglieder ihrer Gesellschaftsschicht in Misskredit zu bringen. Nach dem Mord verschwindet das Manuskript des Buches und nun hat Sarah Booth Delaney alle Hände voll zu tun, mehr über die Geheimnisse ihrer Mitbürger herauszufinden und so vielleicht den Täter zu fassen.

Unterstützt wird sie dabei auch in diesem Roman von ihren Freunden, wie zum Beispiel der kapriziösen Tinkie Richmond oder der zauberhaften Journalistin Cece, die vor einigen Jahren als Cecil nach Skandinavien reiste, um als betörende junge Frau in ihre Heimatstadt zurückzukehren. Auch der Bankier Harold Erkwell tritt wieder in Sarahs Leben. Als guter Bekannter von Lawrence Ambrose und langjähriger Kunstmäzen hat auch er einen guten Grund dafür, an der Party teilzunehmen. Umso erschütternder wird für Sarah die Erkenntnis, dass selbst ein so anständiger und langweiliger Mensch wie Harold ein kleines Geheimnis zu verbergen scheint.

Wieder einmal ist die Detektivin gezwungen, hinter die heilen Fassaden ihrer Mitmenschen zu schauen, und stolpert dabei auf der Suche nach einem abscheulichen Mörder über nicht wenige erschreckende Tatsachen im Leben ihrer Freunde und Bekannten. Zum Glück hat nicht jeder, der etwas zu verbergen hat, damit auch gleich ein Mordmotiv.

Zusätzlich gibt es noch Hausgeist Jitty als stabilisierenden Mittelpunkt in Sarah Booth Delaneys Leben. Das ehemalige Kindermädchen von Sarahs Ururgroßmutter trägt mit seiner spitzen Zunge, seinen konservativen Ansichten und seinem eisernen Willen, das Erbe der Familie zu erhalten, deutlich zum Amüsement des Lesers bei. Stets besser gekleidet als ihre lebendige Mitbewohnerin und mit einem boshaften Wissen über Sarahs Schwachstellen bewaffnet, sorgt Jitty dafür, dass sich die Detektivin nicht vor lauter Melancholie dem Blues hingibt, sondern von ihrer Neugierde getrieben letztendlich doch noch den Fall aufklärt.

So interessant und spannend die Hintergründe des Kriminalfalls auch sind, die größte Stärke von Carolyn Haines liegt einfach in der Beschreibung von Sarahs Umfeld. Das Mississippi-Delta mit seinen ganz eigenen Regeln, die skurrilen und oft gerade deshalb so liebenswerten Figuren und die ungewöhnliche Hauptfigur mitsamt ihrem eigenwilligen Hausgeist üben einen ganz eigenen Reiz auf den Leser aus. Der Charme der Erzählung führt dazu, dass man fast geneigt ist, die Koffer zu packen und in die fiktive Stadt Zinnia zu reisen, um all diese Personen einmal zu treffen.

Fazit:

Im Vergleich zum ersten Roman der Serie um die Detektivin Sarah Booth Delaney ist Carolyn Haines der Kriminalfall in "Kein Friede seiner Asche" noch spannender gelungen. Doch neben dem Charme des Mississippi-Deltas und seiner Bewohner verblasst der Krimi fast. Das größte Vergnügen zieht der Leser in erster Linie aus den bezaubernden, exzentrischen und liebenswerten Charakteren der kleinen Stadt Zinnia. Mit ihren gelungenen Beschreibungen und amüsanten Dialogen zeichnet die Autorin das liebevolle Bild einer ganz besonderen Gesellschaft, deren Verbindungen in die Vergangenheit mit ihren herrschaftlichen Plantagen einen Zauber heraufbeschwören, der für viele unterhaltsame Lesestunden sorgt.
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