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Hämatom  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Mittwoch, 8. September 2010

Hämatom

Reihe: Lila Ziegler
2. Band der Reihe

Verlag: Grafit
Erschienen: März 2010
ISBN: 978-3-89425-367-7
Preis: 8,95 EUR

251 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Lila Ziegler macht mal wieder keine halben Sachen. Nachdem sie zwei Wochen daran gearbeitet hat, ihren Beziehungsschmerz zu betäuben, begibt sie sich in eine Klinik zur Entgiftung. Dort wird sie Zeugin, wie eine junge Putzfrau an einem Herzinfarkt stirbt. War das tatsächlich ein natürlicher Tod? Dreist bewirbt sich Lila auf die frei gewordene Stelle und erhält ein sehr widersprüchliches Bild von der Verstorbenen: liebevolle Mutter oder nymphomanisches Flittchen? Hilfsbereite Kollegin oder karrieresüchtige Zicke?

Meinung:

Mit ihrer Debütveröffentlichung "Der 13. Brief" erregte die Autorin Lucie Flebbe (damals noch Lucie Klassen) vor knapp zwei Jahren viel Aufsehen. So überraschte es auch nicht, dass die Schriftstellerin damals für ihren witzigen und ungewöhnlichen Kriminalroman mit dem Glauser-Preis ausgezeichnet wurde. Nun liegt mit "Hämatom" der zweite Band rund um Lila Ziegler vor und Lucie Flebbe muss beweisen, dass sie ein weiteres Mal das hohe Niveau ihres ersten Buchs erreichen kann.

Auch "Hämatom" beginnt damit, dass Lila Ziegler auf der Flucht ist, doch während sie in "Der 13. Brief" vor dem Studium flüchtete, das ihre Eltern für sie bestimmt hatten, will sie in diesem Buch vor ihrem Liebeskummer davonlaufen. Lila ist sich sicher, dass Ben Danner, dessen privates und berufliches Leben sie seit gut drei Monaten auf den Kopf stellt, sie mit einer alten Flamme betrügt. So stürzt sich die impulsive junge Frau ins Bochumer Nachtleben, um zu vergessen, dass der Privatdetektiv sie betrogen hat. Doch Lilas Suche nach Ablenkung endet in einem exzessiven Alkohol- und Drogenrausch und erst als sie sich dabei ertappt, dass sie einen Sprung vom Dach als ein akzeptables Ende ihres Lebens empfindet, kommt sie so weit zur Vernunft, dass sie sich selbst in ein Krankenhaus einliefert.

Auch dort sucht sie Ablenkung von ihren eigenen Gedanken und Gefühlen und beginnt, das Leben im Krankenhaus zu beobachten. Vor allem die Putzfrau Janna fällt Lila dabei ins Auge, da diese ein Hämatom am Handgelenk hat, das klar zeigt, dass sie von einer Hand grob angefasst wurde. Obwohl diese Spuren Lila daran erinnern, dass sie regelmäßig von ihrem Vater misshandelt wurde, will sie herausfinden, was in Jannas Leben schief läuft - und ob sie ihr helfen kann. Noch bevor sie näheren Kontakt knüpfen kann, stirbt die Putzfrau vor Lilas Augen an einem Herzinfarkt.

Um weiter im Krankenhaus herumschnüffeln zu können und um nach ihrer Entlassung aus dem Entzug nicht auf der Straße leben zu müssen, bewirbt sich Lila auf die Stelle der verstorbenen Putzfrau. So kann sie während der Arbeitszeit ihre Nase in alle Ecken der Klinik stecken und nachts - dank der Schlüsselkarte der Putzfrau - in den Kellern des Gebäudes übernachten. Doch schnell führen ihre Ermittlungen sie auch in Bereiche außerhalb des Krankenhauses, denn auch Jannas Ehemann verhält sich verdächtig - und dann gab es noch einen Nebenjob, dem die junge Frau auf der Amüsiermeile der Stadt nachging.

Auch in "Hämatom" verzweifelt man anfangs fast an Lilas riskantem und beinah selbstmörderischem Verhalten und wieder gelingt es ihr mit viel Witz, Verstand und einigen faustdicken Lügen, wieder festen Boden unter den Füßen zu finden. Lila und die verschiedenen Figuren innerhalb und außerhalb des Krankenhauses werden von Lucie Flebbe nicht frei von Klischees, aber immer angenehm detailliert beschrieben. So gewinnt man schnell einen Eindruck von den verschiedenen Charakteren und kann sich seine ganz eigenen Gedanken über die Hintergründe von Jannas Tod machen.

Obwohl die Autorin auch dieses Mal wieder amüsante Szenen und Dialoge in ihre Geschichte einbaut, kann dieser Band leider nicht ganz an das Niveau von "Der 13. Brief" heranreichen. Vor allem vermisst man den Kontrast zwischen der lebhaften Lila und dem älteren Danner, aber auch all die anderen Figuren, die man nach dem ersten Band in Lilas Leben erwartet hätte, kommen eindeutig zu kurz. So lässt sich "Hämatom" zwar ganz gut ohne Vorwissen lesen, aber ohne diese Gegensätzlichkeit zwischen Lila und ihrer Umgebung, die beim Leser für eine ungläubige Faszination geführt hatte, fehlt einfach der entscheidende Funke, der die Geschichte zu mehr als einem unterhaltsamen Roman machen würde.

Fazit:

Mit "Hämatom" liefert Lucie Flebbe einen interessanten und unterhaltsamen Kriminalroman ab, auch wenn die Geschichte nicht an das hohe Niveau von "Der 13. Brief" anknüpfen kann. Lila Ziegler landet nach zwei durchzechten Wochen voller Drogen im Krankenhaus, was der Autorin die Gelegenheit bietet, mit wunderbarer Detailgenauigkeit auf die Vorgänge in einer solchen Klinik einzugehen. Amüsante Dialoge und witzige Szenen, die vor allem auf Lilas hemmungsloser Verdrehung der Wahrheit basieren, sind gut zu lesen. Und obwohl man die restlichen Charaktere aus dem Vorgängerroman vermisst, bemüht sich Lucie Flebbe um liebevoll entwickelte - wenn auch etwas stereotype - Figuren, deren Schicksale man aufmerksam verfolgt.
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