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Eisiges Herz  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Montag, 13. Juli 2009

Eisiges Herz

Originaltitel: By the Time You Read This
Verlag: Knaur
Erschienen: Oktober 2008
ISBN: 978-3-426-63719-7
Preis: 7,95 EUR

432 Seiten
Inhalt
3.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
3.5

Wertung:
3.5
von 10
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Zum Inhalt:

Als seine Frau Catherine mit einem Abschiedsbrief in der Hand tot aufgefunden wird, bricht für Detective John Cardinal die Welt zusammen. Für seine Kollegen von der Polizei in Algonquin Bay ist der Fall klar: Selbstmord. Doch Cardinal kann es einfach nicht glauben und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Schon bald gelangt er auf die Spur des Psychiaters Dr. Bell, den auch Catherine in ihren depressiven Phasen aufgesucht hatte. Ihm fällt auf, dass ungewöhnlich viele Patienten sterben, während sie bei dem Arzt in Behandlung sind. Alles nur Zufall?

Meinung:

"Eisiges Herz" spielt - genauso wie alle Vorgänger-Romane des Autors - in der fiktiven Stadt "Algonquin Bay". Und auch dieses Mal dienen ihm die beiden Ermittler John Cardinal und Lisa Delmore als Protagonisten. Dabei muss man als Leser kein Vorwissen haben, um das Buch verstehen zu können, denn es ist in sich abgeschlossen und an keiner Stelle wird Bezug auf frühere Erlebnisse der beiden Hauptpersonen genommen.

Als John Cardinal zu einem Fall gerufen wird, ahnt er noch nichts Böses. Doch als sich die gefundene Leiche als seine Ehefrau Catherine herausstellt, wird sein Leben von einem Moment auf den anderen auf den Kopf gestellt. Da sie wegen Depressionen in Behandlung war und einen Abschiedsbrief bei sich trug, deutet alles auf einen Selbstmord hin. Dies will Cardinal jedoch nicht wahrhaben und startet seine eigenen Ermittlungen, während gleichzeitig seine Kollegin Lisa Delmore in einem Kinderpornografie-Fall ermittelt. Dass der trauernde Witwer bald darauf zynische "Beileidskarten" erhält, bestärkt ihn nur noch in seinen Bemühungen, den wahren Täter zu finden.

Wenn jemand einen geliebten Menschen verliert, ist dies hart. Wenn dieser auch noch aus eigenem Willen aus dem Leben scheidet, ist es schon fast unerträglich. In solchen Situationen klammert man sich an Strohhalme und verweigert sich dem Augenschein. Man will einfach nicht wahrhaben, dass die Person, die einem so nahe stand, diesen Akt begangen hat. So ergeht es auch John Cardinal, als er mit dem Selbstmord seiner geliebten Frau Catherine fertig werden muss. Und deshalb ermittelt er und überprüft alle Personen, mit denen sie in der letzten Zeit Kontakt hatte. Darunter auch der Psychologe Dr. Bell, der sie wegen ihrer Depressionen behandelt hatte.

Basierend auf dieser Ausgangssituation hätte ein Autor sicherlich einen spannenden Psychothriller schreiben können. Doch es kommt beim Lesen des Buches keine Spannung auf. Selbst als die zynischen "Beileidskarten" bei John Cardinal eintreffen, empfindet der Leser nicht mit ihm mit. Merkwürdig unberührt erlebt man, wie sich über den trauernden Ehemann lustig gemacht wird. Der Funke springt nicht über, da sich der Roman sehr zäh liest. Zum einen kommt die Handlung auf den ersten hundert Seiten nicht wirklich vorwärts, da der Autor zu viel Zeit damit verbringt, den Plot aufzubauen. Immer wieder konzentriert er sich darauf, die Bedenken seines Protagonisten zu schildern - und wiederholt sich dabei schnell.

Ein weiteres Problem ist, dass die Handlungsebene um den Kinderschänder-Fall, den Lisa Delmore betreut, nicht richtig in Fahrt kommt. Die beiden Fälle laufen lange Zeit nebeneinander her, ohne dass sich eine Überschneidung der Geschehnisse ergibt. Der Leser fragt sich, wieso sich der Autor dieses hochbrisanten Themas angenommen hat, wenn er es am Ende nicht mit einer gewissen Aufmerksamkeit verfolgt. Dieser Plot wirkt wie ein überflüssiges, schmückendes Beiwerk, obwohl die Handlung an sich mehr als genug Potenzial geboten hätte, um ein Buch zu tragen.

Am ärgerlichsten ist jedoch die Auflösung des Rätsels um die "Beileidskarten": Die in diesem Bereich sorgsam aufgebaute Spannung verpufft schlagartig, als ihr Ursprung bzw. die Motivation ihres Schreibers enthüllt wird, da der Autor diese nicht überzeugend darstellt. Von diesem Schlag erholt sich der Leser bis zum Ende des Buchs nicht mehr. Zwar gibt sich Giles Blunt redliche Mühe, ihn zum Weiterlesen zu motivieren, indem er sich darauf konzentriert, die Suche nach dem mutmaßlichen Mörder von Catherine zu schildern. Doch leider erfolgt dies zu spät im Roman, da einem zu diesem Zeitpunkt bereits klar ist, was hinter dem vermeintlichen Selbstmord steckt.

Fazit:

Giles Blunt "Eisiges Herz" ist ein sehr neueinsteigerfreundliches Buch, das man auch ohne jegliches Vorwissen hervorragend lesen kann. Doch dies ist leider auch das einzige Erfreuliche am gesamten Roman, der ansonsten eine ziemliche Enttäuschung darstellt. Zum einen liest sich der Anfang sehr zäh, weil die Handlung kaum vorwärts kommt. Andererseits gibt es da noch den zweiten Plot um einen Kinderschänder-Fall, doch dieses eigentlich hochbrisante Thema geht im Buch vollkommen unter. Zu lange laufen die beiden Handlungsebenen nebeneinander her, ohne sich zu überschneiden. Als dann auch noch enthüllt wird, was hinter den "Beileidskarten" steckt, die der Ermittler nach dem Selbstmord seiner Frau erhält, ist die Spannung endgültig aus den Seiten entwichen.
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