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Ein Mord von bessrer Qualität  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 23. Januar 2011

Ein Mord von bessrer Qualität

Originaltitel: A Better Quality of Murder
Übersetzt von: Axel Merz

3. Band der Reihe

Untergenre: Historisches
Erschienen: November 2010
ISBN: 978-3-7857-2414-9
Preis: 18,99 EUR

368 Seiten
Inhalt
4.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
4.4

Wertung:
4.4
von 10
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Zum Inhalt:

Oktober 1867. Wie ein Leichentuch legt sich der Nebel über die Stadt. In solchen Nächten, heißt es, geht es um, das Flussphantom. Und tatsächlich: Am nächsten Morgen findet man im Green Park eine Tote: Allegra Benedict, die bildschöne Frau eines renommierten Kunsthändlers. Was sie an diesem Tag in London gemacht und warum sie sich nur wenige Stunden vor ihrem Tod von ihrer Begleiterin heimlich getrennt hat, bleibt erst einmal ein Rätsel. Inspector Benjamin Ross vom Scotland Yard wird auf den Fall angesetzt. Die Zeit drängt, denn möglicherweise ist Allegra nicht die letzte Tote ...

Meinung:

"Ein Mord von bessrer Qualität" ist der dritte Band aus Ann Grangers historischer Kriminalromanreihe rund um die ehemalige Gesellschafterin Lizzie Martin und den Inspector Benjamin Ross. Während im zweiten Teil, "Neugier ist ein schneller Tod" noch die Befürchtung aufkam, dass Lizzie und ihr Inspector - wie andere Ermittlerpaare der Autorin - ewig umeinander herumtanzen würden, ohne dass sie endgültig zusammenfinden, sind die beiden zu Beginn des aktuellen Romans schon verheiratet.

So eilt Benjamin Ross an einem besonders nebligen Abend nach Hause, als er mit einer Prostituierten zusammenstößt, die Angst vor dem "Flussphantom" hat. Diese unheimliche Gestalt soll bei solch heftigem Nebel in der Nähe der Themse herumschleichen und bedroht die leichten Mädchen, die dort ihrer Arbeit nachgehen. Kurz darauf hat der Inspector dieses Zusammentreffen und die als Aberglauben erscheinende Erzählung vom Phantom schon fast verdrängt, doch dann wird eine junge Dame ermordet aufgefunden.

Schnell ziehen die Zeitungen eine Verbindung zwischen dem Mord an der schönen Mrs. Benedict und dem Flussphantom und schreiben allerlei Schauergeschichten über die unheimliche Gestalt. Dieser öffentliche Druck macht die Ermittlungen für Benjamin Ross nicht gerade einfacher, vor allem, da er zwar allerlei verdächtige Personen findet, aber bei seinen Nachforschungen nicht einen handfesten Beweis in die Finger bekommt.

Während ihr Mann bis über beide Ohren in den Mordermittlungen steckt, macht sich Lizzie Sorgen um ihr Küchenmädchen Bessie. Dieses hat sich in den letzten Wochen in der Temperenzbewegung von Joshua Fawcett engagiert und ist absolut begeistert von den mitreißenden Predigten des Mannes. Obwohl Lizzie die Grundidee hinter der Vereinigung, die ihren Mitgliedern jeglichen Alkohol verbietet, da dieser die Wurzel allen Übels sei, gutheißen kann, macht ihr der Einfluss des charismatischen Predigers auf Bessie Angst.

Auch "Ein Mord von bessrer Qualität" bietet wieder einen schönen Einblick in den Alltag der Menschen, die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts in London gelebt haben, doch leider reichen diese atmosphärischen Beschreibungen nicht aus, um einen über die Schwächen dieses Romans hinwegsehen zu lassen. Der Mordfall, in dem Inspector Benjamin Ross ermittelt, lässt beim Leser leider keinerlei Spannung aufkommen. Obwohl es zu mehreren Todesfällen kommt, hat man nie das Gefühl, man müsse um das Leben einer wichtigen Figur bangen oder als würde dem Polizisten gar die Zeit davonlaufen.

Ebenfalls vermisst man ausführlichere Passagen aus Lizzies Perspektive, denn die energische junge Frau hatte in den beiden vorangegangenen Romanen eine große Rolle bei der Aufklärung der Verbrechen gespielt. In dieser Geschichte hat man hingegen das Gefühl, dass sie (trotz diverser Kapitel, die aus ihrer Sicht erzählt werden) zu einer Nebenfigur degradiert wurde, die vor allem dazu da ist, sich um den Haushalt zu kümmern und ihrem Mann abends ein offenes Ohr zu bieten.

Auch wenn es unglaubwürdig wäre, wenn eine verheiratete Frau weiterhin mitten im Geschehen ermitteln würde, vermisst man ihre ungewöhnliche Perspektive und ihre impulsiven Aktionen. So muss der Leser sich mit den wenigen Momenten begnügen, in denen Lizzie und Bessie in der Temperenzbewegung für Aufruhr sorgen. Zusätzlich wirkt Benjamin Ross ohne Lizzies ständigen Einfluss zwar immer noch sympathisch, aber deutlich blasser als in den ersten beiden Teilen der Serie.

So ist es Ann Granger leider weder gelungen, die Handlung so zu gestalten, dass einen der Kriminalfall fesselt, noch hat man das Gefühl, dass das Flussphantom wirklich eine Bedrohung für die Damen der Gesellschaft darstellt. Insgesamt ist "Ein Mord von bessrer Qualität" zwar - aufgrund der einen oder anderen amüsanten Szene - immer noch recht unterhaltsam, wenn man denn damit leben kann, dass die Handlung dahinplätschert. Letztendlich ist dieses Buch jedoch sowohl für Krimiliebhaber als auch für Ann-Granger-Fans eine Enttäuschung - und bislang der Tiefpunkt der Reihe um Lizzie Martin und Benjamin Ross.

Fazit:

In "Ein Bord von bessrer Qualität" von Ann Granger, dem dritten Kriminalroman rund um Lizzie Martin und Benjamin Ross, plätschert die Geschichte leider ohne jegliche Spannung dahin. Obwohl die Handlung recht unterhaltsam ist, können einen weder das Rätsel um das Flussphantom noch die Ermittlungen bezüglich des Mordes an Mrs. Benedict fesseln. Vor allem vermisst man in diesem Band die Wortwechsel zwischen Lizzie Martin und Inspector Benjamin Ross, die in den vorangegangenen Romanen aufgrund ihrer unterschiedlichen Ansichten zu den Nachforschungen bei den verschiedenen Fällen entstanden. Trotz einiger ganz amüsanter Szenen kann "Ein Mord von bessrer Qualität" daher leider nicht überzeugen.
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