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Die Schlangengrube  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 1. März 2009

Die Schlangengrube

Originaltitel: They Did It With Love
Übersetzt von: Christine Gaspard

Verlag: Knaur
Erschienen: Januar 2009
ISBN: 978-3-426-50009-5
Preis: 7,95 EUR

430 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Vor lauter Langeweile schließt sich Buchhändlerin Sofie einem illustren Krimi-Lesezirkel an. Dort treffen sich die ersten Damen der Stadt: Man ist perfekt gestylt, man lästert, belauert und beneidet sich und versucht, einander die Männer abspenstig zu machen. Bis eines Tages die Schönste und Mondänste von ihnen an einem Baum in ihrem Vorgarten hängt. Selbstmord? Es läge nahe, doch die passionierte Krimileserin Sofie weiß, dass hier ein Haken sein muss - und beginnt, auf ihre Art tätig zu werden ...

Meinung:

Mit "Die Schlangengrube" bietet Kate Morgenroth dem Leser einen wirklich ungewöhnlichen Kriminalroman, bei dem die Handlung ein wenig Zeit benötigt, um sich zu entwickeln. In einem auf dem ersten Blick eher langweiligen, wenn auch sehr wohlhabenden Viertel geschieht ein Mord - und gibt so die Möglichkeit, hinter die Fassaden der edlen Villen zu blicken und die zumeist gestörten Familienverhältnisse zu durchleuchten.

Sofie arbeitet stundenweise in einer Buchhandlung, ist seit drei Jahren mit ihrem Mann Dean zusammen und führt eine ganz normale Ehe. Noch immer ist Sofie in Dean verliebt, auch wenn sie sich über Kleinigkeiten wie eine heruntergedrehte Heizung, eine vergessene Sporttasche, die sie ihm ins Büro bringen darf, und ähnliche Dinge etwas ärgert. Nach dem Tod ihres Vaters schlägt ihr Mann vor, dass sie zusammen in eine der eher ländlichen Gegenden rund um New York ziehen. Dean will mit Sofie eine Familie gründen, träumt von einem Häuschen mit Garten und nimmt dafür gern die tägliche Fahrt in die Stadt in Kauf.

Doch Sofie langweilt sich schnell in Greenwich. Der Weg ist zu weit, als dass sie weiterhin stundenweise arbeiten könnte, und das wunderschöne und geräumige Haus lastet sie genauso wenig aus, wie darauf zu warten, dass Dean abends heimkommt. Doch zum Glück gibt es ja den Lesezirkel, in dem sich Sofie mit einigen ihrer neuen Nachbarinnen über Kriminalromane austauschen kann. Bis zu dem Tag, an dem eine von ihnen an einem Seil in ihrem Vorgarten hängt und Sofie ihr angelesenes Wissen in der Realität ausprobieren kann.

Kate Morgenroth stellt dem Leser erst die fünf Frauen des Lesezirkels samt ihren Ehepartnern in vielen kleinen Szenen vor, damit man sich einen guten Eindruck von den Personen und ihren Situationen machen kann. Anfangs ist es vielleicht ein wenig verwirrend, die Namen den jeweiligen Lebensumständen zuzuordnen, aber dank der Zwischenüberschriften und der wirklich sehr unterschiedlich ausgearbeiteten Charaktere findet man schnell in die Gesellschaft hinein. Schon bald wird klar, dass hinter den luxuriösen Fassaden der Vorstadtvillen nicht immer die große Harmonie herrscht.

Da gibt es Priscilla, die eindeutige Herrscherin über die Frauen des Lesezirkels, die zwar stolz auf ihr designtes Zuhause ist, sich aber in ihrer Ehe mit Gordon schon lange nicht mehr wohlfühlt. Ashley hingegen ist Stewards zweite Frau, und noch genießen die beiden ihre Zweisamkeit. Doch dafür fühlt sich Ashley mit ihren Nachbarinnen überaus unwohl, da diese sie durchaus spüren lassen, dass sie Gordons erste Frau deutlich sympathischer fanden.

Während Julia und Alex noch recht neu in der Gegend sind und - trotz Julias nicht immer so ganz angenehmen Charakterzügen - wie das perfekte Paar wirken, scheinen Susan und Harry einfach nur in Zufriedenheit zusammen gealtert zu sein. Doch schnell findet Sofie heraus, dass auch diese beiden Paare mit ihrem Leben nicht ganz so glücklich sind, wie es nach außen hin den Anschein hat. Als dann auch noch der Mord geschieht, brechen die schönen Fassaden ihrer Nachbarn endgültig zusammen - und auch Sofie steht vor einigen erschütternden Erkenntnissen. Die Detectives Peters und Ackerman hingegen sind für die analytische Sicht der jungen Frau sehr dankbar und profitieren von den Informationen, die Sofie für sie herausfindet.

Sowohl die Bewohner dieses luxuriösen Viertels in Greenwich als auch die beiden Ermittler werden von Kate Morgenroth nur so weit beschrieben, dass man sich die verschiedenen Personen recht gut vorstellen kann. Die Autorin verzichtet auf tiefergehende Charakterisierungen zugunsten vieler kleiner Szenen, die dem Leser die Möglichkeit geben, sich selbst ein Urteil zu bilden. Auch den einen oder anderen kleinen Hinweis auf die Hintergründe des Mordes und die Identität des Täters bekommt man geboten, wenn auch häufig so dezent, dass diese Elemente zum Teil erst in der Rückschau ihre Wirkung entfalten.

Die zu Beginn etwas gemächliche Erzählweise und die gegen Ende nicht immer so ganz stimmigen Handlungsentwicklungen sind der einzige kleine Wermutstropfen in einem ansonsten überaus faszinierenden Kriminalroman. Jede einzelne Figur hat ihre positiven und negativen Seiten, und Kate Morgenroth gelingt es in der Regel, diese darzustellen, ohne dem Leser eine Meinung vorzuschreiben. Auch der kleine Einblick in Sofies weiteres Leben nach dem Mordfall entspricht vielleicht nicht den Gesetzen der klassischen Kriminalgeschichte, hinterlässt aber das Gefühl, dass es für die junge Frau genau so weitergehen sollte.

Fazit:

In "Die Schlangengrube" bietet Kate Morgenroth einen wunderbar erschütternden Blick hinter die friedvollen Fassaden eines luxuriösen Vorstadtviertels. Gemächlich entwickelt sich die Geschichte um die Krimiliebhaberin Sofie, die wohl nie gedacht hätte, dass sie jemals ihr angelesenes Wissen in einer wirklichen Ermittlung anwenden müsste. Gerade die Freiheit, sich selbst ein Urteil über die Figuren und ihre Leben zu bilden, die die Autorin dem Leser lässt, macht einen großen Teil dieses ungewöhnlichen Kriminalromans aus. Bei einer so gelungenen Geschichte kann man auch über kleine Unstimmigkeiten gegen Ende des Buches hinwegsehen und sich stattdessen an Sofies ungewöhnlicher Zukunftsplanung erfreuen.
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