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Der Milchkontrolleur  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 7. Juni 2010

Der Milchkontrolleur

1. Band der Reihe

Untergenre: Regionalkrimi
Verlag: Piper
Erschienen: Januar 2010
ISBN: 978-3-492-25142-6
Preis: 8,95 EUR

224 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Mit durchgeschnittener Kehle wird Else Weber in einem Graben aufgefunden. Ihr Ruf im kleinen Dorf war eher zweifelhaft, entsprechend viele Verdächtige gibt es. Der ermittelnde Staatsanwalt Allmers aus Stade nutzt gern die Kontakte seines Bruders Hans-Georg, der als Milchkontrolleur in den Gehöften des Ortes ein- und ausgeht und jedes Gerücht aufschnappt. Doch dann gerät Hans-Georg selbst in Verdacht und wird verhaftet ...

Meinung:

"Der Milchkontrolleur" ist der erste Krimi von Thomas B. Morgenstern und von Anfang an bekommt der Leser den Eindruck, dass der Autor den Menschenschlag und die Umgebung, über die er schreibt, sehr genau kennt. Dieser Eindruck täuscht nicht, denn der Diplom-Biologe bewirtschaftet mit seiner Familie in den Elbmarschen einen biologisch-dynamischen Bauernhof. Hauptfigur in seinem Roman ist der Milchkontrolleur Hans-Georg Allmers, ein ruhiger und genügsamer Mann, der seine Berufswahl vor allem aufgrund der freien Zeiteinteilung getroffen zu haben scheint und der zusammen mit seiner extrem religiösen Mutter auf dem elterlichen Hof in den Elbmarschen lebt.

Als eine von Allmers' Nachbarinnen ermordet aufgefunden wird, gerät das ganze Dorf in Aufruhr. Schnell sind sich die Leute sicher, dass es der unmoralische Lebenswandel der Frau war, der zu ihrem Tod geführt hat. Auch der Staatsanwalt Werner Allmers, Hans-Georgs älterer Bruder, sucht den Verdächtigen erst einmal unter den zahlreichen Liebhabern der Ermordeten. Und da er befürchtet, dass er auf seine offiziellen Fragen keine ausreichenden Antworten bekommen wird, bittet er Hans-Georg, für ihn die Augen und Ohren offenzuhalten.

Da auch der Milchkontrolleur von der Neugier geplagt wird und bei seinem Beruf sowieso regelmäßig bei den Bauern der Nachbarschaft vorbeikommt, forscht Allmers wirklich auf eigene Faust weiter. Auch mit der jungen Journalistin Susanne, die gerade erst in der Gegend ein Volontariat angefangen hat, tauscht er sich regelmäßig über den Fall aus. Doch obwohl es viele Verdächtige gibt und der Milchkontrolleur so einige Geheimnisse seiner Nachbarn erfährt, kann die Staatsanwaltschaft den Mörder erst einmal nicht ausfindig machen.

Thomas B. Morgenstern geht seine Geschichte eher gemächlich an, und so interessant die Frage ist, wer Else Weber umgebracht hat und welches Motiv der Täter hatte, so sehr fühlt sich der Leser vor allem durch die skurrilen Charaktere unterhalten. Mit einfachen Sätzen beschreibt der Autor die Landschaft der Elbmarschen und die Menschen, die dort seit langer Zeit leben. Und während man an manchen Stellen das Gefühl hat, dass der Autor zu sehr ins Klischee abdriftet, überkommt einen an anderen Punkten der Gedanke, dass er die eigene ländliche Nachbarschaft ungemein stimmig beschreibt.

Die Kriminalgeschichte in "Der Milchkontrolleur" bietet dem Leser so manchen Ansatz zum Miträtseln. Jedes Gespräch, das Allmers mit seinen Nachbarn führt, lässt einen den Fall wieder in einem anderen Licht sehen. Trotzdem ist dieser Roman eher kurzweilig als spannend, auch wenn die verschiedenen Wendungen am Ende der Geschichte und die Frage, ob Allmers am Schluss den Mörder der Justiz ausliefern wird, den Leser noch eine Zeit lang beschäftigt halten werden. Ein weiterer Teil mit Hans-Georg Allmers, der den Titel "Tod eines Milchbauern" trägt, ist vom Piper-Verlag für Juli 2010 angekündigt worden, und hier bekommt der Leser vielleicht noch die eine oder andere drängende Fragen beantwortet, die nach der Lektüre von "Der Milchkontrolleur" ungeklärt geblieben ist.

Fazit:

Mit "Der Milchkontrolleur" hat Thomas B. Morgenstern einen sehr reizvollen Regionalkrimi geschaffen. Neben der Frage, wer Else Weber ermordet haben könnte, unterhält einen der Autor mit einer liebevollen, wenn auch manchmal überzogenen Darstellung des Lebens in den Elbmarschen. Vor allem wächst einem die Hauptfigur Hans-Georg Allmers schnell ans Herz, der anfangs eher widerwillig für seinen Bruder, den Staatsanwalt aus Stade, die Augen nach Anhaltspunkten offenhält. Ein interessanter Kriminalfall, überraschende Wendungen und die Frage, was der Milchkontrolleur Allmers letztendlich mit seinem Wissen anfangen wird, beschäftigen einen noch über die letzten Seiten des Buches hinaus und machen neugierig auf die im Juli 2010 erscheinende Fortsetzung "Tod eines Milchbauern".
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