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Das Mädchen im Fluss  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 28. Juli 2008

Das Mädchen im Fluss

Originaltitel: Penumbra
Übersetzt von: Karl-Heinz Ebnet

Verlag: Gustav Lübbe
Erschienen: Juni 2008
ISBN: 978-3-7857-2328-9
Preis: 19,95 EUR

333 Seiten
Inhalt
6.0
Preis/Leistung
7.0
Gesamtwertung
6.1

Wertung:
6.1
von 10
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Zum Inhalt:

In dem Kleinstädtchen Drexel, Mississippi, läuft alles in friedlichen Bahnen. Bis an einem heißen Sommertag eine junge Frau im Wald brutal überfallen und vergewaltigt wird. Ihre kleine Tochter, die bei ihr war, verschwindet spurlos. Die schöne Jade ist die Halbschwester des Opfers. Alle in Drexel wissen das, doch keiner spricht darüber, denn Jade ist die illegitime Tochter der reichsten Frau des Ortes, ein Halbblut von der eigenen Mutter verleugnet. Als Jade sich mit dem weißen Sheriff Frank Kimble auf die Suche nach ihrer kleinen Nichte macht und Geheimnisse entdeckt, beginnt es unter der Oberfläche der kleinen Stadt zu brodeln ...

Meinung:

Eins haben alle Romane von Carolyn Haines gemeinsam: Sie spielen im Bundesstaat Mississippi und spiegeln die Liebe der Autorin zu ihrer Heimat wieder. Während ihre Reihe um die Detektivin Sarah Booth Delany leicht und amüsant geschrieben ist, haben ihre anderen Romane in der Regel einen größeren Tiefgang und beleuchten neben der für diese Region typischen Eigenheiten auch so manches soziale Problem.

"Das Mädchen im Fluss" spielt in den 50er Jahren. Die Prohibition ist in Mississippi (als einem der letzten Staaten) noch nicht aufgehoben, wirtschaftlich geht es aufwärts und wenngleich der Krieg selbst in den kleinen Orten Amerikas viel verändert hat, gelten noch immer die gesellschaftlichen Regel aus der Vorkriegszeit. Wie es in einer so kleinen Stadt wie Drexel üblich ist, weiß jeder alles über jeden. So ist es auch kein Geheimnis, dass die schöne Jade die illegitime Tochter von Lucille Longier ist. Die Dame aus gutem Hause hatte sich in ihrer wilden Jugend mit einem schwarzen Musiker eingelassen und Jade ist das Ergebnis dieser Beziehung.

Obwohl jeder Bewohner von Drexel von Jades Verwandtschaft mit Lucille und ihrer legitimen Tochter Marlena weiß, wird diese Verbindung eisern totgeschwiegen. Jade wurde von Ruth und Jonah, Lucilles Angestellten, aufgezogen und in jeder Hinsicht behandelt, als wäre sie deren eigene Tochter. Inzwischen erwachsen, betreibt Jade einen kleinen Schönheitssalon in Drexel und richtet nebenbei für den Leichenbestatter die Toten für die Beerdigungen her.

Die junge Frau leidet besonders unter der herrschenden Rassentrennung. Für die Weißen ist sie eine Farbige, gerade gut genug, um ihnen die Haare zu machen und sie in Modefragen zu beraten, aber niemand, mit dem man sich anfreunden würde. Aber auch die schwarze Gemeinschaft Drexels meidet Jade, da sie eben keine Schwarze ist, sondern die Tochter der "First Lady" der Stadt. Nur ihrer Halbschwester Marlena steht die Mulattin ein bisschen näher.

Auch hier verhindern die gesellschaftlichen Vorurteile eine Freundschaft, aber so gut es über die Barrieren hinweg möglich ist, kümmern sich die Frauen umeinander. Ganz besonders hat Jade ihre kleine Nichte ins Herz geschlossen, da ihr das verwöhnte Mädchen leid tut. Als nun Marlena im Wald brutal angegriffen wird und die kleine Suzanna spurlos verschwindet, versucht Jade zusammen mit dem Sheriff Frank Kimble herauszufinden, was hinter dieser Tat steckt.

Carolyn Haines versteht es wieder einmal gekonnt, die erschreckenden und skurrilen Begebenheiten hinter einer friedlichen Kleinstadtkulisse aufzuzeigen. Doch neben dem recht spannenden Kriminalfall - und den erschütternden Details über die verschiedenen Familien in Drexel - geht das Mitgefühl mit den Charakteren ein wenig unter. So sympathisch vor allem Jade und Frank Kimble beschrieben werden, so wird der Leser doch auch von der Flut der verschiedenen Namen und Hintergrundgeschichten erschlagen.

Auch hätten die verschiedenen problematischen Themen - von Rassentrennung über Gewalt in der Ehe bis hin zu jahrelangem Missbrauch, Entführung und Mord - wesentlich mehr Tiefgang verdient. Die Autorin verwebt die verschiedenen Missetaten zwar zu einem erstaunlich stimmigen Gesamtbild, doch für den Leser wäre es angenehmer, mit weniger Problemen konfrontiert zu werden. Vor allem, da diese dann auch intensiver und mit mehr Substanz hätten dargestellt werden können.

Fazit:

"Das Mädchen im Fluss" von Carolyn Haines ist leider nicht mehr als nur ein unterhaltsamer Roman vor einer liebevoll geschilderten Kulisse geworden. Dabei bietet die Grundidee das Potenzial für eine kritische und mitreißende Geschichte. Doch trotz der erschreckenden Details, die man über die verschiedenen Personen erfährt, und der wirklich sympathischen Hauptpersonen mangelt es diesem Buch an der nötigen Tiefe. So kann der Leser bei dieser Erzählung nicht wirklich mitfiebern und behält die gesamte Lektüre hindurch einen gewissen Abstand zu den Geschehnissen.

 
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