Banner bookdepository.com

Das dunkle Erbe  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Freitag, 28. August 2009

Das dunkle Erbe

2. Band der Reihe

Verlag: Droemer
Erschienen: Oktober 2008
ISBN: 978-3-426-19779-0
Preis: 18,00 EUR

378 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
Jetzt kaufen



Zum Inhalt:

Zwei Frauen werden heimtückisch ermordet, eine dritte verschwindet spurlos. Alle drei standen demselben Mann sehr nahe: Sie waren die Frau, die Geliebte und die Kollegin des Kölner Arztes Bernhard Schwan. Und alles deutet darauf hin, dass dieser Mann die drei Frauen auf dem Gewissen hat. Handelt es sich um eine private Verzweiflungstat? Je länger Hauptkommissar Klemens Raupach den tatverdächtigen Arzt vernimmt, desto rätselhafter wird das Bild ...

Meinung:

Nach "Der vierte Mörder" ist "Das dunkle Erbe" der zweite Roman von Thomas Kastura, in dem der Kölner Hauptkommissar Klemens Raupach die Hauptrolle spielt. Raupach nimmt sich des Falls an, da es um drei Morde geht, die der Verdächtige Bernhard Schwan begangen haben soll, obwohl sich der Polizist eigentlich gerade aus persönlichen Gründen beruflich etwas weniger engagieren will.

Jeder in seiner Abteilung weiß, dass die bisher zuständige Kommissarin Heide Thum zwar eine gute Ermittlerin ist, aber dass ihr lange Verhöre nicht liegen. Und die offensichtliche Religiosität des verdächtigen Allgemeinmediziners macht die Vernehmung zu einer schwierigen Angelegenheit. Doch je länger Klemens Raupach Bernhard Schwan zuhört, desto weniger hat er den Eindruck, dass dieser wirklich etwas zur Lösung der Fälle beitragen kann.

Im Laufe der Untersuchung wird klar, dass hinter den Morden an Schwans Ehefrau und seiner Geliebten Gesa mehr stecken muss als nur ein Mann, der nicht mehr mit den Frauen in seiner Umgebung leben konnte. Auch das Verschwinden der Praxiskollegin des Verdächtigen, Eva von Barth, stellt die Polizei vor große Rätsel. Vermutlich wurde sie ebenso wie die anderen beiden Frauen getötet. Aber warum wurde ihre Leiche dann weggeschafft, während die anderen Opfer zuhause gefunden wurden?

So langsam verhärtet sich für Raupach und seine Mitarbeiter der Verdacht, dass einige der Fragen, die dieser Fall aufwirft, mit der Jugendstil-Villa zusammenhängen, in der Bernhard Schwan und Eva von Barth ihre Praxis hatten. Als dann noch eine amerikanische Journalistin auftaucht und auf nicht ganz legale Weise versucht, Informationen über die Vorbesitzer des Hauses zu bekommen, steht fest, dass das Motiv für die Morde mit diesem Gebäude und seiner Vergangenheit zusammenhängen muss.

Thomas Kastura gehört nicht gerade zu den Autoren, bei denen der Leser es vor Spannung kaum noch aushält. Auf einen Klemens-Raupach-Krimi muss man sich erst einmal einlassen und sich die Muße nehmen, um die langsame und liebevolle Erzählweise genießen zu können. Während sich für den Leser recht schnell die Hintergründe des Falles andeuten, nimmt sich der Autor Zeit für stimmungsvolle Beschreibungen und überzeugende Charakterdarstellungen.

Schien Hauptkommissar Klemens Raupach in "Der vierte Mörder" noch dem Klischee des Polizisten zu entsprechen, dessen Privatleben aufgrund seines beruflichen Engagements in Trümmern liegt und für den nur der Job ein Grund zum Weiterleben ist, so ändert sich nun langsam seine Persönlichkeit. Die Krebserkrankung seines Jugendfreundes Felix bringt Klemens dazu, sich mit seinem Leben auseinanderzusetzen und wieder offener auf andere Menschen zuzugehen. So entspinnt sich ganz zaghaft Interesse für seine junge Kollegin Photini Dirou, und auch der Journalistin Sharon Springman kommt der Hauptkommissar näher.

Auch für Heide Thum haben die Geschehnisse in dem vorhergehenden Roman das Leben deutlich verändert. Die früher so selbstsichere Frau, die von einer Beziehung zur anderen wechselte, kann sich auf keinen Mann mehr einlassen und geht aufgrund ihres psychischen Ungleichgewichts Risiken ein, die sie das Leben kosten könnten. Diese Mischung aus privaten Darstellungen und den Ermittlungen, bei denen Spuren bis in die Nachkriegszeit verfolgt werden müssen, ergibt einen reizvollen, aber auch recht gemächlichen Roman.

Doch wer sich auf die langsame Erzählweise einlässt, wird nicht nur mit einer angenehmen Sprache, sondern auch mit vielen liebevollen Szenen belohnt. So gelingt es Thomas Kastura, aus der Befragung einer Nachbarin eine eher nachdenkliche Teestunde zu machen, in der sich Photini Dirou die Erinnerungen von Viktoria Brehm an ein längst vergangenes Köln und die wilden Proteste in den 60er-Jahren anhören darf. So schafft der Autor nicht nur Atmosphäre, sondern gibt auch, eingebettet in solch stimmungsvolle Momente, kleine Hinweise auf die Hintergründe des Kriminalfalls.

Fazit:

"Das dunkle Erbe" ist bei Weitem kein spannungsgeladener Krimi, sondern eine Geschichte, auf die sich der Leser einlassen muss. Thomas Kastura erzählt fast gemächlich von den Ermittlungen in mehreren Mordfällen und den Verbindungen, die diese Taten zu einer alten Jugendstilvilla in einer der edelsten Gegenden Kölns haben. Dabei nimmt sich der Autor die Zeit, um seine Figuren weiterzuentwickeln und über liebevolle Beschreibungen Atmosphäre aufzubauen. Wenn man sich als Leser erst einmal auf die schöne Sprache und die ruhige Erzählweise eingelassen hat, erwartet einen eine gut konstruierte Kriminalgeschichte mit Charakteren, die im Vergleich zum Vorgänger deutlich realistischer und sympathischer geschildert werden.
Weiterführende Infos
Leseprobe

 
Copyright © 2008-2017 by booklove.de. Alle Rechte vorbehalten.