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Alle Vögel sind schon tot  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Krimi & Thriller
Geschrieben von Konstanze Tants   
Mittwoch, 4. März 2009

Alle Vögel sind schon tot

Originaltitel: Murder with Puffins
Übersetzt von: Frauke Meier

2. Band der Reihe

Verlag: Bastei Lübbe
Erschienen: August 2008
ISBN: 978-3-404-15897-3
Preis: 7,95 EUR

317 Seiten
Inhalt
5.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
5.3

Wertung:
5.3
von 10
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Zum Inhalt:

Ein romantischer Kurztrip! Meg Langslow und ihr Freund freuen sich schon sehr auf die einsame kleine Insel Monhegan vor der Küste von Maine, ein Vogelparadies für Papageientaucher. Die erste Überraschung ist, dass Megs Eltern, ihr Bruder, ihre Tante und ein neugieriger Nachbar ebenfalls dort sind. Doch als eine Leiche gefunden wird, verdächtigt man ihren Vater plötzlich des Mordes. Spätestens jetzt erwartet Meg statt erholsamer Spaziergänge am Meer nur noch die Suche nach Beweisen für seine Unschuld. Was brütet der Killer als Nächstes aus?

Meinung:

Mit ihrem zweiten Roman rund um die Kunstschmiedin Meg Langslow kann die Autorin Donna Andrews leider das hohe Niveau ihres Debüts nicht wieder erreichen. "Alle Vögel sind schon tot" spielt einige Monate nach den Ereignissen in "Falscher Vogel fängt den Tod". Meg und ihr Freund Michael wollen nichts anderes als ein ruhiges Wochenende in trauter Zweisamkeit verbringen. Michael ist gerade ohne eine eigene Wohnung, da seine Vermieter Eigenbedarf angemeldet haben, und Megs Atelier wird immer noch von der Bildhauerin besetzt, die eigentlich am Ende des Sommers ausziehen sollte.

Nach so vielen Wochen im Schoß ihrer Familie benötigt Meg dringend eine Auszeit und beschließt, mit ihrem Freund für ein Wochenende das Sommerhäuschen ihrer Tante Phoebe zu beziehen. Während der Herbststürme würde sich bestimmt kein Mitglied ihrer Familie auf die Insel Monhegan verirren, und die ersehnte Einsamkeit würde den Mangel an Komfort auf jeden Fall aufwiegen. Doch nach einer extrem unangenehmen Überfahrt stellt sich heraus, dass entgegen aller Erwartungen Tante Phoebes Haus schon als Unterschlupf für Megs Eltern, ihren Bruder, die Tante und deren Freundin Mrs. Fenniman dient. Eine Flucht von der Insel ist nicht möglich, da der Fährbetrieb wegen einer Hurrikanwarnung für ein paar Tage eingestellt wird.

Um nicht rund um die Uhr mit Megs liebenswerter, aber überaus anstrengender Verwandtschaft in dem kleinen Häuschen zu sitzen, nutzen sie und Michael die Stunden vor dem Sturm, um sich ein wenig umzuschauen und bei den Vorbereitungen gegen das Unwetter zu helfen. Schnell finden die beiden heraus, dass sich zurzeit eine große Zahl Vogelbeobachter auf der Insel versammelt hat. Für die Einheimischen dienen diese Federfreunde als willkommene Einnahmequelle nach der Touristensaison - nur Victor Resnick, ein einheimischer Maler, verscheucht die Vogelbeobachter regelmäßig mit Gewehrschüssen von seinem Grundstück.

Doch nicht nur mit den zugereisten Vogelfreunden hat der Künstler Probleme. Sein hoch modernes Haus passt genauso wenig zu den traditionellen Bauten seiner Nachbarn wie seine Pläne für eine wirtschaftliche Umnutzung der Insel zu der Tatsache passen, dass ein Großteil dieses Eilands als Naturschutzgebiet für Vögel ausgewiesen ist. Als Resnick dann auch noch tot in einem Gezeitentümpel gefunden wird, scheint die Gegend nur so vor Tatverdächtigen zu wimmeln. Zu Megs großer Bestürzung gehört auch ihr Vater in den Augen des örtlichen Gesetzeshüters zum Kreis der potenziellen Mörder.

So unterhaltsam die Grundidee für "Alle Vögel sind schon tot" zu sein scheint, so wenig gelingt es Donna Andrews aus dieser Idee herauszuholen. Die Geschichte kommt nur sehr langsam in Gang und schnell vermisst man die rasante Erzählweise des ersten Teils. Wie schon im ersten Band versucht Meg, den überzogenen Ansprüchen ihrer Familie gerecht zu werden, während ihr Freund Michael gutmütig das Seine tut, um Meg dabei zu unterstützen. Irgendwann gelangt der Leser an einen Punkt, an dem er sich wünscht, dass die junge Frau endlich einmal einsieht, dass ihre Eltern auch ohne sie überlebensfähig sind und dass es nicht das Ende der Welt wäre, wenn sie einmal ein Ansinnen ablehnen würde. Die vielen Szenen mit den besessenen Vogelfreunden, für die ein Mord nur ein kleines Übel auf dem Weg zum nächsten Beobachtungsposten ist, während ein toter Papageientaucher fast zur Lynchjustiz führt, wirken nach einem ersten Schmunzeln in der Häufung nicht mehr amüsant, sondern ermüdend.

Ein angenehmer Aspekt an diesem Roman ist das Zusammenspiel zwischen Meg und Michael. Auch wenn die übermäßige Geduld des jungen Mannes mit der Familie seiner Freundin die Grenzen der Glaubwürdigkeit sprengt, hat Donna Andrews doch einige Dialoge zwischen den beiden geschrieben, die deutlich zur Unterhaltung des Lesers beitragen. Auch einige der Nebenfiguren - vor allem diejenigen, die noch nicht aus "Falscher Vogel fängt den Tod" bekannt sind - werden von der Autorin so liebevoll dargestellt, dass auch sie ein Grund sind, warum dieser Roman immer noch nett zu lesen ist. Trotzdem bleibt am Ende des Buches in erster Linie der Wunsch, dass Donna Andrews im dritten Band ihrer Meg-Langslow-Reihe ("Schräge Vögel sterben schneller"), wieder auf das Niveau ihres Debütromans zurückfindet.

Fazit:

Mit "Alle Vögel sind schon tot" kann Donna Andrews leider nicht an das Niveau ihres Debütromans anschließen. Diese Fortsetzung der Meg-Langslow-Bücher weist ein wesentlich schleppenderes Erzähltempo auf und nachdem man schon einen Band mit der exzentrischen Familie Langslow erleben durfte, verlieren auch die Eigenheiten von Megs Verwandtschaft ein wenig ihren Reiz. Der Autorin ist es nicht gelungen, das richtige Maß an skurrilen Charakteren, seltsamen Begebenheiten und einem Fortschreiten der Handlung zu finden, sodass viele - an sich ganz amüsante - Elemente eher ermüdend wirken. Trotzdem ist dieser Roman dank einigen unterhaltsamen Dialogen, der ironischen Sichtweise der Hauptfiguren und den neuen Nebencharakteren für ein paar nette Lesestunden auf dem Sofa geeignet.
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