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Voll daneben  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Montag, 29. November 2010

Voll daneben - Ein unmöglicher Roman

Originaltitel: King of the Screwups
Übersetzt von: Johanna Ellsworth

Verlag: Baumhaus
Erschienen: Oktober 2010
ISBN: 978-3-8339-3825-2
Preis: 12,99 EUR

317 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
9.0
Gesamtwertung
8.1

Wertung:
8.1
von 10
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Zum Inhalt:

Jeder kennt Liam Geller. Er ist einer dieser Typen, in deren Haut man liebend gern stecken will: er sieht gut aus, ist sportlich, trägt die besten Klamotten, hat reiche Eltern und trifft sich mit den schönsten Mädchen. Aber ihm haftet auch das Pech an. Denn zum großen Leidwesen seines Vaters ist Liam unschlagbar darin, Dinge zu vermasseln oder Pläne jeder Art in den Sand zu setzen. Dies führt dazu, dass er zu Hause rausgeschmissen wird und bei seinem Onkel, einem schwulen Glamrock-DJ, Zuflucht finden muss. In einem Wohnwagen in New York zu leben, war nicht unbedingt das, was sich Liam für sein Abschlussjahr an der Schule vorgestellt hatte. Doch bald merkt er, dass dies vielleicht seine große Chance ist. In der neuen Schule kann er sich in einen strebsamen Kerl verwandeln und vielleicht endlich den Ansprüchen seines Vaters genügen.

Meinung:

Obwohl der siebzehnjährige Liam, die Hauptfigur in "Voll daneben" von K.L. Going, auf den ersten Blick ein beneidenswertes Leben führt, wird schon im ersten Kapitel deutlich, dass er keine glückliche Kindheit hatte. Liams Mutter Sarah war mal ein gefeiertes und weltbekanntes Model, während sein Vater Allan ein überaus erfolgreicher Geschäftsmann ist. Und von klein auf wünscht sich Liam nichts mehr, als dass seine Eltern mit ihm zufrieden und stolz auf ihn sind. Doch irgendwie gelingt es ihm immer wieder, sich in Schwierigkeiten zu bringen. So auch an dem Tag, an dem der Leser ihn kennenlernt. Zwischen Amüsement und Fremdscham hin- und hergerissen, muss man miterleben, wie Liam von seinem Vater dabei erwischt wird, wie sich der Junge volltrunken und halbnackt mit seiner Mitschülerin Delia auf dem väterlichen Schreibtisch wälzt.

Für Allan Geller ist dies der Gipfel all der Verfehlungen, die sich sein Sohn schon geleistet hat, und so setzt er Liam vor die Tür. Nur dank der Hilfe seiner Mutter findet der Junge Unterschlupf bei seinem Onkel Pete, dem älteren Bruder seines Vaters und schwarzem Schaf der Familie. Denn Pete ist nicht nur schwul, sondern auch noch Mitglied einer Glamrock-Band, was seine sehr konservative Familie natürlich nicht tolerieren kann. Und auch Liam hat so einige Probleme mit der Lebensweise seines Onkels, den er für sich nur "Tante Pete" nennt, und mit den drei besten Freunden von Pete, die sich ebenfalls große Mühe mit ihm geben.

Liam sieht nur einen Ausweg, um so schnell wie möglich wieder aus dem Wohnwagenpark in dem kleinen Kaff Pineville zu verschwinden: Er muss sich in einen Menschen verwandeln, auf den sein Vater stolz sein kann. Doch egal wie viel Mühe sich der Junge gibt, um sich ein Streberimage zuzulegen, in der Schule nicht ständig negativ aufzufallen und sich mit den "richtigen" Leuten anzufreunden, ständig läuft etwas schief. Dabei versucht er sogar seine Leidenschaft für Mode und Markenkleidung zu unterdrücken - und nicht ständig raushängen zu lassen, dass er in einem Umfeld voller Laufstege, Models, Designer und anderer Berühmtheiten aufgewachsen ist.

K.L. Going erzählt die Geschichte in "Voll daneben" auf zwei Ebenen. Auf der einen Seite erlebt der Leser chronologisch mit, wie es dem Jungen nach dem Rauswurf ergeht. Andererseits flicht die Autorin zu Beginn der meisten Kapitel Kindheitserinnerungen von Liam ein, um so die Familienverhältnisse des Teenagers und die Ursache für sein Verhalten aufzuzeigen. Für den Leser ist es nicht nur witzig, sondern zum Teil regelrecht schmerzhaft, Liams Bemühungen mitzuerleben. Denn für einen Außenstehenden steht schnell fest, welche Begabungen der Junge hat und was genau dafür verantwortlich ist, dass er ständig in seinem Streben um die Anerkennung seines Vater scheitert.

Obwohl diese Hintergründe - vermutlich aufgrund der jugendlichen Zielgruppe - von K.L. Going recht offensichtlich dargestellt werden, ist die Geschichte an keiner Stelle langweilig oder berechenbar. Die Autorin hat Liam so sympathisch gestaltet und seine Probleme so nachvollziehbar gehalten, dass die kurzen Kapitel nur so vorbeifliegen, während man gespannt darauf wartet, was dem Jungen als Nächstes passieren wird.

So legt K.L. Going mit "Voll daneben" einen unterhaltsamen und mitreißenden Roman vor, der den Leser dazu bringt, sich eine Menge Gedanken über die eigenen Wünsche und Fähigkeiten zu machen und darüber zu reflektieren, wie weit man sich den Erwartungen anderer beugt und wie oft man doch selbst dazu neigt, auf den ersten Blick zu urteilen, statt hinter die Fassade eines Menschen zu blicken. Dabei gelingt es der Autorin, so humorvoll zu schreiben, dass man beim Lesen - trotz all der nachdenklichen Szenen - ständig ein Schmunzeln im Gesicht trägt. Vor allem "Tante Pete", seine drei Glamrock-Freunde und das Nachbarmädchen Darleen wurden von der Autorin so liebevoll beschrieben, dass man sie schnell ins Herz schließt und sich wunderbar über sie und ihren Umgang mit Liam amüsiert.

Fazit:

Mit "Voll daneben" ist der Autorin K.L. Going ein amüsanter und mitreißender Roman für Jugendliche gelungen. Obwohl einige Hintergründe ein wenig zu offensichtlich gehalten sind, fühlt man mit dem sympathischen Liam mit, während er - nach einem Rausschmiss aus seinem Elternhaus - versucht, den Erwartungen seines Vaters gerecht zu werden. Einige der Situationen, in die der Siebzehnjährige gerät, sind zwar so peinlich, dass der Leser regelrecht mitleidet, aber trotzdem sind auch diese Momente unterhaltsam geschrieben. K.L. Going ist es wunderbar gelungen, die Suche Liams nach dem richtigen Weg für seine Zukunft in einer spannenden und witzigen Geschichte zu verpacken.
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