Banner bookdepository.com

Skinned  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Heike Bellas   
Samstag, 1. Mai 2010

Skinned

Originaltitel: Skinned
Übersetzt von: Claudia Max

Reihe: Skinned
1. Band der Reihe

Verlag: script5
Erschienen: Januar 2010
ISBN: 978-3-8390-0106-6
Preis: 16,90 EUR

376 Seiten
Inhalt
10.0
Preis/Leistung
9.0
Gesamtwertung
9.9

Wertung:
9.9
von 10
Jetzt kaufen



Zum Inhalt:

Lia Kahn ist reich, schön und beliebt bis ein Unfall sie beinahe tötet. Im Krankenhaus wacht sie in einem perfekten, künstlichen Körper auf. Lia wird nie wieder Schmerz empfinden, sie wird nicht altern und nicht sterben. Doch der Preis dafür ist hoch: Ihre Freunde misstrauen ihr, ihr Freund betrügt sie und alles, was ihr wichtig war, wandelt sich in einen Albtraum. Hin- und hergerissen zwischen dem Leben, das sie einmal kannte, und einer neuen, aufregenden Existenz, lernt Lia bald die bitterste Lektion: Niemand kann ihr die Entscheidung abnehmen, die sie treffen muss, um ihre Liebsten zu schützen.

Meinung:

Lia Kahns Leben ist perfekt, gemeinsam mit ihren Freundinnen ist sie Trendsetterin, Jungs liegen ihr zu Füßen und sie gewinnt als Läuferin einen Pokal nach dem andern. Doch dann kommt der Tag, an dem sie einen schrecklichen Autounfall hat, der ihr Leben für immer verändert. Ihr Körper ist so zerstört, dass ihre Familie sich entscheidet, sie in einen neuen künstlichen Körper herunterzuladen. Doch Lia hätte nichts schlimmeres passieren können. Sie fühlt sich fremd im maschinellen Körper, die Menschen verachten sie für das, was sie ist. Nach und nach verliert sie ihre Freunde, ihren Freund und ihre Familie. Doch dann wird Lia von anderen MechHeads, wie ihr Zustand genannt wird, eingeladen, die ihr einen neuen, aber waghalsigen Weg zeigen möchten, mit ihrem neuen Leben zurechtzukommen.

Lia lebt im Amerika der Zukunft. Naturkatastrophen und Atomkrieg haben eine völlig neue soziale Struktur geschaffen und die Menschen können jede Annehmlichkeit der Technik nutzen. Das halbe Leben spielt sich online ab. In sogenannten EgoZones lädt jeder Mensch mit genug Bonus sein gesamtes Leben hoch - Fotos, Videos, Gespräche. Es existieren keine Kaufhäuser mehr, keine Bibliotheken oder andere öffentliche Einrichtungen, denn alles ist im Internet zu haben, bequem von zu Hause aus oder sogar von unterwegs, denn sogar Kontaktlinsen und Kleidung sind mit dem World Wide Web verbunden. Die Menschheit wird blind und kritiklos. Den reichen Menschen, die sich jegliche Art von Technik leisten können, - darunter auch Gentechnik, um Kinder nach Wunsch zu gestalten - sind verwöhnt von ihrem problemlosen Leben, das sie sich drehen können, wie es ihnen passt. Politik interessiert sie nicht, obwohl sie die einzigen mit Wahlrecht sind, da arme Menschen ihr Wahlrecht verkaufen für eine Arbeitsstelle, Essen und die nötigste Medizin. Mit ihrer Zukunftsvision kritisiert die Autorin schon bestehende Missstände und zeigt, wohin es in Zukunft führen könnte, wenn man sein Leben online ausbreitet, desinteressiert an sozialen Umständen ist und der Technik immer mehr die Oberhand überlässt.

Doch Robin Wasserman übt nicht nur Kritik, sondern bringt den Leser auch dazu, darüber nachzudenken, wie sich ein Mensch definiert. Schon als Lia das Krankenhaus verlässt, nachdem sie gelernt hat, mit ihrem neuen Körper umzugehen, warten religiöse Protestler auf sie, die ihr vorwerfen, widernatürlich zu sein und nur eine Maschine, die glaubt, ein Mensch zu sein, weil sie dazu programmiert wurde. Auch ihre Freundinnen lassen sie schnell links liegen, weil es ihnen peinlich ist, mit einem "Skinner" gesehen zu werden, einer Maschine, die die Identität einer Person geklaut hat. Unter der Last der Vorurteile beginnt auch Lia sich zu fragen: Ist sie eine Maschine oder ein Mensch? Denn obwohl ihr immer wieder versichert wird, dass sie normal wäre und ihr Leben beinahe so wird, wie vorher - mit Abstrichen wie Nahrung zu sich nehmen oder andere biologische Vorgänge - fühlt Lia sich alles andere als normal. Zu laufen macht ihr keine Freude mehr, weil ihr die körperliche Erschöpfung fehlt, Musik weckt gar keine Gefühle mehr in ihr. Trauer, Wut und Freude fühlen sich an wie durch Watte und jede Berührung ist nur ein Bruchteil der Intensität wie sie früher war. Allein wirklich extreme Gefühle wirken noch echt für Lia und auf genau diese zielen die MechHeads ab, die mit Lia Kontakt aufnehmen und von ihr verlangen, zu akzeptieren, dass sie kein Mensch mehr ist. Auch dem Leser stellt sich die Frage - ist Lia der Mensch, der sie war, nur in einem künstlichen Körper, oder ist sie eine Maschine, die glaubt, Lia zu sein?

Die Gesellschaftskritik und die Frage nach dem Menschsein sind in eine spannende Handlung verpackt, die schnell voranschreitet, ohne langweilig zu werden. Gemeinsam mit Lia wird der Leser in die neue Situation geworfen, durchlebt mit ihr, wie sie sich an den Körper gewöhnen muss, der nicht ihrer ist und wie ihr Leben immer mehr außer Kontrolle gerät. Er erlebt alles hautnah mit und kann sich völlig in Lias Situation hineinversetzen.

Fazit:

"Skinned" von Robin Wasserman ist ein absolut gelungener Auftakt für eine Trilogie, die nicht nur unterhaltsam ist, sondern den Leser zum Nachdenken bringen soll. Das Buch wirft die Frage auf, ob ein Mensch nur aus seinen Erinnerungen und Gedanken besteht, oder noch mehr in seine Existenz hineinspielt. Außerdem zeichnet es das Bild einer möglichen Zukunft, in der Technologie ein bequemes, aber auch ignorantes Leben ermöglicht. Der Leser wird von Lias Geschichte mitgerissen und kann ihren Kampf in ihrem neuen mechanischen Körper hautnah miterleben und mitfühlen.
Weiterführende Infos
Leseprobe

 
Copyright © 2008-2017 by booklove.de. Alle Rechte vorbehalten.