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Sharon Holmes 1: Die gestrandete Zeitmaschine  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Götz Piesbergen   
Dienstag, 23. Juni 2009

Sharon Holmes: Die gestrandete Zeitmaschine

Reihe: Sharon Holmes
1. Band der Reihe

Verlag: Schneiderbuch
Erschienen: März 2009
ISBN: 978-3-505-12592-8
Preis: 8,95 EUR

138 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
7.1

Wertung:
7.1
von 10
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Zum Inhalt:

Der Vater von John H. Watson verschwindet spurlos. Dafür taucht ein Mädchen in altmodischer Kleidung auf und behauptet, aus dem Jahr 1891 ins heutige London gereist zu sein! John und sein Freund Daniel glauben ihr natürlich kein Wort. Doch Sharon Holmes weiß über Dinge Bescheid, die sie eigentlich nicht wissen dürfte.
In ihrem ersten Fall müssen die Zeitreise-Detektive den verschwundenen Sherlock Holmes und seinen Gegenspieler aufspüren. Gleichzeitig müssen Sharon und ihr Begleiter sich in einer Welt mit Autobahnen und Schnellimbissen zurechtfinden, Daniel und Watson jr. dagegen in einer Welt ohne Elektrizität, Telefon und Internet ... Eine aufregende Jagd im historischen London beginnt!

Meinung:

Noch heute, mehr als über ein Jahrhundert nach seinem ersten Auftritt, ist Sir Arthur Conan Doyles Detektiv Sherlock Holmes eine der beliebtesten und bekanntesten literarischen Figuren. Und daher ist es auch nicht verwunderlich, dass es im Laufe der Jahre immer wieder neue Ideen und Konzepte gibt, die sich seiner bedienen, wie zum Beispiel die Jugendbuchreihe "Sharon Holmes".

Der Roman "Die gestrandete Zeitmaschine" wurde von Mike Maurus und Ulrich Bader geschrieben. Für Letzteren ist dieses Buch auch gleichzeitig sein Erstlingswerk, während sein Partner bereits ein erfahrener Autor ist. So hat er die "Fantasmania"-Saga geschrieben, in der er das Fantasy-Genre mit dem Sport Fußball vermischte, und die Comicfassung für "Die Wilden Fußballkerle" gezeichnet. In "Sharon Holmes" ist er beides, sowohl Schriftsteller als auch Illustrator.

Protagonist des Buches ist John H. Watson, der gemeinsam mit seinem Vater das Sherlock-Holmes-Museum leitet und gleichzeitig dort auch wohnt. Ein Umstand, den sein Elternteil auszunutzen weiß, indem er seinen Spross in allen Belangen der Zeit zwischen 1880 und 1900 unterrichtet, also exakt der Zeitraum, in dem Sir Arthur Conan Doyle die meisten Abenteuer seiner Romanfigur hat stattfinden lassen. Doch urplötzlich verschwindet der Erziehungsberechtigte und lässt seinen Sohn alleine zurück. Und um das Ganze noch etwas komplizierter zu machen, trifft dieser auf Sharon Holmes, ihres Zeichens Nichte von Sherlock Holmes. Sie redet etwas von einer Zeitmaschine und dass er ihr helfen wird, da er es in ihrem Leben bereits getan hat. So steckt der Junge plötzlich, vollkommen verwirrt, in einem spannenden Kriminalfall, der sich durch verschiedene Zeiten zieht.

Die beiden Autoren Mike Maurus und Ulrich Bader vermengen in diesem Roman die verschiedensten Genres. Da wäre zum einen die Science-Fiction, verkörpert durch die Zeitmaschine, die von H.G. Wells stammt. Dieser hat tatsächlich gelebt und war einer der allerersten Science-Fiction-Autoren überhaupt. Bekannt ist er vor allem für seinen Roman "Krieg der Welten", der einen Angriff der Marsianer auf die Erde beschreibt und in der Hörspielfassung von Orson Welles Weltruhm erlangte. Auf der anderen Seite ist da natürlich das Genre der Detektiv-Romane.

Die Mischung wirkt erstaunlich homogen und unterhaltsam, was vor allem an den Helden des Romans liegt, die alle gegensätzlicher nicht sein könnten. Am normalsten ist da noch John H. Watson, der sich eigentlich wie ein zeitgenössischer, typischer Junge im Alter von zehn bis zwölf Jahren benimmt.

Ganz und gar nicht durchschnittlich ist sein Freund Daniel Christi, ein Computer- und Technikfreak. Hier greifen die Autoren in die Klischeekiste, indem sie ihn als jemanden präsentieren, der mehr in seiner Welt zu Hause ist als in der normalen Realität. Natürlich ist er deshalb auch ein beliebtes Opfer zweier Schulschläger. Doch im Laufe des Buches gelingt es Mike Maurus und Ulrich Bader, sich von dem Altbekannten zu lösen und die Figur normal weiterzuentwickeln. Dritter im Bunde ist Rooney Wallace, ein Straßenjunge aus dem 19. Jahrhundert, der gemeinsam mit Sharon Holmes in die Gegenwart geraten ist. Er hat es faustdick hinter den Ohren, was kein Wunder ist, da er schließlich eine gewisse kriminelle Vergangenheit hat.

Doch der Star des Buches ist natürlich Sharon Holmes. Sie ist der treibende Faktor der Geschichte. Ihr erklärtes Ziel ist es, ihren Onkel zu retten, ehe er von Moriarty getötet wird. Geschickt wird sie von den Autoren als selbstbewusst dargestellt, aber auch als ein Kind ihrer Zeit, was zum Beispiel die Moralvorstellungen angeht. So ist es ihr peinlich, dass John ihre nackten Beine sieht, die unter einer modernen Schuluniform hervorgucken, die sie zur Tarnung angezogen hat.

Das Miteinander der verschiedenenartigen Figuren trägt maßgeblich dazu bei, dass der Roman so unterhaltsam geraten ist. Besonders, wie die jeweiligen Zeitreisenden auf die veränderten Bedingungen der für sie neuen Epoche reagieren, sorgt für Auflockerung. So erweist sich Rooney Wallace plötzlich als sehr interessiert an Hackfleischkuchen mit Käse eines gewissen Schotten. Bloß dass diese ihm am besten mit Essig schmecken ... einem Nahrungsmittelbestandteil, den ein normaler Mensch wohl nie gemeinsam mit diesem Gericht verwenden würde.

Was man am Buch bemängeln muss, ist, dass der Plot um den aufzuklärenden Kriminalfall im Vergleich zu der Handlung um die Zeitmaschine eindeutig zu kurz gerät. Erst im letzten Drittel des Buches beschäftigt er die Protagonisten und dann wird er sehr schnell aufgeklärt. Dies ist schade, da man bei einer Buchreihe, die den Namen "Holmes" im Titel trägt, eigentlich mehr Konzentration auf die Detektivarbeit erwartet hätte. Die Illustrationen von Mike Maurus sind hingegen gelungen. Er hat einen sehr lockeren Zeichenstil, ohne allzu sehr ins skizzenhafte abzugleiten. Gleichzeitig zeigen seine Darstellungen einen leichten Manga-Einschlag auf, was man vor allem an den Personen bemerkt.

Fazit:

"Die gestrandete Zeitmaschine" ist ein sehr unterhaltsamer Roman. Die beiden Autoren Mike Maurus und Ulrich Bader verwenden eine ungewöhnliche Mischung des Science-Fiction- und des Detektiv-Genres auf eine für den Leser äußerst vergnügliche Art und Weise. Dabei brillieren sie vor allem dann, wenn die vier verschiedenen Protagonisten miteinander agieren. Doch so interessant und spannend die Erlebnisse der Figuren sich auch lesen, können sie bedauerlicherweise nicht darüber hinwegtäuschen, dass die eigentliche Detektiv-Arbeit am Ende doch etwas zu kurz gerät.
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