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Piratenblut  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 1. März 2009

Piratenblut

Originaltitel: Piratenbloed
Übersetzt von: Sonja Fiedler-Tresp

Untergenre: Historisches
Verlag: Loewe
Erschienen: Januar 2009
ISBN: 978-3-7855-6541-4
Preis: 7,95 EUR

378 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
9.0
Gesamtwertung
8.1

Wertung:
8.1
von 10
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Zum Inhalt:

Regungslos steht Sebastian an Bord des Piratenschiffes. Er beobachtet das tosende Meer unter ihm und wartet gespannt, wann der Kapitän das nächste Mal Befehl zum Entern gibt. Doch noch bevor ein neues Opfer ihren Weg kreuzt, steigt dichter Nebel auf und verhindert jede Sicht. Wie aus dem Nichts zeichnen sich plötzlich die Konturen eines riesigen Schiffes ab, das genau auf sie zukommt. Ein Schrei des Entsetzens geht durch die Mannschaft. Das Schiff hat blutrote Segel und fährt durch sie hindurch, als wären sie Luft. Sebastian gefriert das Blut in den Adern. Das war der Fliegende Holländer - das legendäre Geisterschiff, das Tod und Verderben bringt ...

Meinung:

Annejoke Smids Debütroman "Piratenblut" bietet alles, was sich ein Leser von einem Piratenroman erhoffen darf: Seeschlachten, Abenteuer, Spannung und interessante Charaktere. Mit dieser Ausgabe liegt nun die Taschenbuchversion der im Sommer 2006 erschienenen deutschen Fassung vor und für das gute Preis-Leistungsverhältnis muss man dem Loewe-Verlag ebenso ein Lob aussprechen wie für die ansprechende Covergestaltung mit dem hervorgehobenen Titel.

Der junge Sebastian dient als Schiffsjunge auf dem holländischen Handelsschiff "Katharina" und sein Leben ist hart und entbehrungsreich. Dem Kapitän ist es wichtiger, möglichst viel Fracht aufzunehmen, als seine Mannschaft durch eine ausreichende Bewaffnung vor Piratenangriffen zu schützen. Doch die Bedrohung durch räuberische Überfälle ist weniger präsent als der tagtägliche Überlebenskampf auf hoher See. Als Schiffsjunge steht Sebastian am untersten Ende der Hierarchie, und so muss er die Misshandlungen seiner Vorgesetzten ebenso erdulden wie die Tatsache, dass seine magere Essensration zum Großteil aus Maden besteht, während die Offiziere sich an einem kräftigen Stück Fleisch sättigen können.

Dann kommt es eines Tages zu einer unheimlichen Begegnung auf See: Drei geheimnisvolle Gestalten erscheinen an Deck der "Katharina" und bitten darum, dass der Kapitän ihre Briefe mit nach Amsterdam nimmt und an ihre Angehörigen überreicht. Doch so schnell wie die drei Fremden an Bord aufgetaucht sind, verschwinden sie auch wieder - und hinterlassen bei der Mannschaft des Seglers den unheimlichen Verdacht, dass es sich bei ihnen um Besatzungsmitglieder des "Fliegenden Holländers" gehandelt haben könnte. Gerüchten zufolge segelt dieses legendäre Geisterschiff schon seit langer Zeit in diesem Gebiet vor Afrika und bringt allen Seefahrern Tod und Verderben.

Der Fluch des "Fliegenden Holländers" scheint auch die "Katharina" zu treffen, als kurz darauf ein schrecklicher Sturm ausbricht und das Schiff sinkt. Sebastian überlebt zusammen mit zwei weiteren Besatzungsmitgliedern und wird kurz darauf von einem Piratenschiff aus dem Meer gefischt. Bei einem Überfall auf ein englisches Handelsschiff versuchen die drei Holländer zu fliehen, müssen aber einsehen, dass sie bei den Piraten eine deutlich größere Chance haben zu überleben.

Auf Madagaskar angekommen, wo die Siedlung der Piraten liegt, stellt Sebastian schnell fest, dass das Leben als Freibeuter gar nicht so schlecht ist. Hier hat er die Chance, aus eigener Kraft etwas zu erreichen und für seine Leistungen anerkannt zu werden. Auch wenn es ihm sehr schwer fällt, damit fertig zu werden, dass es für einen Piraten notwendig ist, zu kämpfen und zu töten, bietet das Leben auf der Insel doch viele Vorzüge für ihn. Und so steht seine Entscheidung, sich dem englischen Piratenkapitän Fenmore anzuschließen, schnell fest. Doch so ganz ist der ehemalige Schiffsjunge dem Fluch des "Fliegenden Holländers" nicht entkommen ...

Annejoke Smids gelingt es hervorragend, dem Leser die Atmosphäre der unterschiedlichen Schauplätze zu vermitteln. Man segelt zusammen mit Sebastian auf den verschiedenen Schiffen, lernt die Pirateninsel und ihre Bewohner mit all ihren Licht- und Schattenseiten kennen und fürchtet sich angesichts des Geisterschiffs und des damit verbundenen Verderbens für die Seemänner. Gelungen verwebt die Autorin die Aspekte eines Seefahrerromans mit historischen Details und den mystisch-gruseligen Elementen der Legende um den "Fliegenden Holländer".

Zusammen mit Sebastian kann sich der jugendliche Leser Gedanken über die Motivation der Piraten machen und erfährt, welchen Einfluss die Handelspolitik der verschiedenen europäischen Großmächte auf die Geschichte der Seefahrt und der Piraterie hatte. Doch vor allem die Bedrohung durch den Fluch des Geisterschiffs, der den ganzen Roman hindurch über dem Jungen zu schweben scheint, sorgt neben all den Abenteuern, die Sebastian erlebt, dafür, dass die Spannung nicht abreißt. Atemlos hofft man bis zum Ende, dass für den ehemaligen Schiffsjungen noch alles gut ausgehen wird.

Auch die verschiedenen Personen, denen Sebastian während seines Weges vom Schiffsjungen zum selbstständigen und erwachsenen Seefahrer begegnet, sind von Annejoke Smids sehr lebendig beschrieben worden. Ein jeder von ihnen hat seine eigenen Beweggründe für sein Tun. Von Habsucht über Rache bis zu Freundschaft und Hilfsbereitschaft findet man alle Facetten des menschlichen Verhaltens in diesem Roman wieder - und jede Begegnung kann für Sebastian bedeuten, dass er vor die Frage gestellt wird, ob er weiterhin seinen Grundsätzen und seinen Freunden treu sein kann oder sich der Schattenseite des Piratendaseins ergibt.

In den Text hat die Autorin immer wieder Ausdrücke aus der Seemannssprache einfließen lassen, die ihren Teil zur Stimmung in dieser Geschichte beitragen. Auch wenn man nicht jedes Wort verstehen sollte, wird die Bedeutung immer im Zusammenhang klar. Doch wer genauer wissen will, was sich hinter den unvertrauten Begriffen verbirgt, der findet auf den letzten Seiten des Buches ein Glossar mit einfachen und verständlichen Worterklärungen.

Fazit:

Mit "Piratenblut" hat die holländische Autorin Annejoke Smids einen wunderbaren Abenteuerroman geschaffen, der nicht nur für Jugendliche eine Menge Lesevergnügen bereithält. Die Erlebnisse, die Sebastian auf seinem Weg vom Schiffsjungen eines holländischen Handelsschiff bis zum Mitglied einer Piratenkolonie auf Madagaskar zustoßen, sind mitreißend und spannend geschildert. Die gelungene Verwebung von historischen Tatsachen, den Elementen eines Abenteuerromans und der Legende vom "Fliegenden Holländer" sorgt für eine durchgehend faszinierende Geschichte.
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