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Leon und die Geisel  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Sonntag, 6. April 2008

Leon und die Geisel

Reihe: Leon
2. Band der Reihe

Verlag: Schneiderbuch
Erschienen: Januar 2008
ISBN: 978-3-505-12386-3
Preis: 8,95 EUR

222 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
9.0
Gesamtwertung
8.1

Wertung:
8.1
von 10
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Zum Inhalt:

Nach den Ereignissen rund um den falschen Abt im Katharinenkloster in Stralsund ist der junge Leon besonders bemüht, den Ansprüchen der Mönche gerecht zu werden. Umso weniger erfreut es ihn, als seine Freundin Anna, die Tochter des Vogts, laut rufend in den Klostergarten stürmt und ihn von seiner Arbeit wegreißen will. Doch Annas Anliegen ist dringend: Ihr kleiner Bruder Heyno ist verschwunden, und sie befürchtet das Schlimmste.

Meinung:

Schon in ihrem ersten Band um den Waisenjungen Leon ("Leon und der falsche Abt") bewies Eva Maaser, dass sie in der Lage ist, hervorragende historische Kriminalromane für Kinder zu schreiben. In "Leon und die Geisel" beginnt die Geschichte mit Leons Freundin Anna, die bei einem Marktbesuch ihren kleinen Bruder aus den Augen verliert. Erst macht sie sich keine Gedanken, doch je mehr Zeit verstreicht, desto panischer wird das Mädchen. Ihr ist bewusst, dass im Stralsund des Jahres 1334 viele Gefahren auf den siebenjährigen Jungen lauern könnten.

Mit Hilfe von Leon macht sich Anna auf die Suche nach ihrem Bruder. Schnell finden die beiden heraus, dass Heyno entführt wurde. Doch wer den Jungen in seine Gewalt gebracht hat, ist eine Frage, die Leon und Anna noch eine Weile beschäftigen wird. Als Sohn des Vogts wäre Heyno sowohl für die Gegner des Stadtoberen ein wichtiges Unterpfand in Verhandlungen als auch eine gute Verdienstmöglichkeit für Piraten, die die Gewässer um die Handelsstadt unsicher machen.

Eva Maaser schafft es, die Handlung um die Entführung Heynos stimmig bis nach Dänemark zu führen, wobei die Autorin auch manchmal den Zufall zu Hilfe nimmt, um die Geschichte voranzutreiben. So bietet sich die Gelegenheit, den Lesern nicht nur, wie im ersten Band, die mittelalterliche Hansestadt Stralsund vor Augen zu führen, sondern auch die politischen und wirtschaftlichen Verbindungen zum nördlichen Nachbarland zu beschreiben. Eigentlich ist der Teil, der in Dänemark spielt, ein wenig zu kurz, um wirklich ein konkretes Bild zu vermitteln, doch darauf scheint es auch nicht anzukommen. Viel wichtiger sind die Einflüsse, die die beiden Länder aufeinander haben.

Ohne dabei ihre junge Zielgruppe zu überfordern, erzählt die Autorin von politischen Intrigen und dem Einfluss, den der Handel schon im Mittelalter auf das Leben der Menschen hatte. Gewürzt durch einige Zusammentreffen mit Piraten, bleibt trotz dieser unterhaltsamen Wissensvermittlung auch die Spannung erhalten. Der Humor kommt, gerade bei einigen Szenen mit dem unsympathischen Kollektor, ebenfalls nicht zu kurz.

Scheint die Handlung für den Erwachsenen hier und da schon sehr vom glücklichen Zufall beeinflusst, so wird sich der jugendliche Leser daran bestimmt nicht stören. Dafür bangt man mit Anna und Leon um das Leben des kleinen Heyno und steht so manches Mal erschrocken vor der Gewissenlosigkeit der Erwachsenen. Dabei sind es nicht immer die Piraten, die durch ihre Skrupellosigkeit hervorstechen. Auch so manch vermeintlich braver Kirchenmann schockiert durch seine Handlungen.

Eva Maaser gelingt es, selbst die kleinen Nebenfiguren der Erzählung stimmig und einprägsam darzustellen. Diese Fähigkeit, verbunden mit der fundierten Recherche um das mittelalterliche Leben in der Hansestadt Stralsund, machen ihre historischen Kriminalromane zu so einem überzeugenden und spannenden Leseerlebnis. Man bangt als Leser mit Anna, während sie verzweifelt ihren Bruder sucht, feuert Leon an, während er seiner Freundin beisteht, und ist überrascht von der realistischen Schilderung der Piraten in diesem Buch.

Fazit:

Auch in ihrem zweiten Roman rund um den Waisenjungen Leon und seine Freunde hat es Eva Maaser geschafft, mit stimmigen Charakteren und einer unvorhersehbaren Geschichte zu überzeugen. Wissensvermittlung und Spannung halten sich unmerklich die Waage und verbinden sich zu einer Erzählung, die den Leser immer wieder zu überraschen weiß. Auch wenn in "Leon und die Geisel" der Zufall doch ein wenig zu häufig als Hilfsmittel eingesetzt wird, macht die Lektüre einfach sehr viel Spaß. Da bleibt nur zu hoffen, dass die Reihe um Leon in Zukunft noch weitergeführt wird.

 
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