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König der Marionetten  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Heike Bellas   
Samstag, 1. Mai 2010

König der Marionetten

Originaltitel: Puppet Master
Übersetzt von: Barbara Abedi

Verlag: Loewe
Erschienen: 15. September 2009
ISBN: 978-3-7855-6825-5
Preis: 14,90 EUR

210 Seiten
Inhalt
7.0
Preis/Leistung
9.0
Gesamtwertung
7.2

Wertung:
7.2
von 10
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Zum Inhalt:

Einst die Tochter des angesehendsten Marionettenspielers von Prag, wächst Milena nach dem Tod ihres Vaters in ärmlichen Verhältnissen bei ihrer Großmutter auf. Ihre Mutter ist seit drei Jahren spurlos verschwunden und niemand außer Milena hofft noch darauf, dass sie jemals zurückkehrt. Doch Milena kann nicht vergessen, nicht die Stimme und den Duft und das Lachen ihrer Mutter und auch nicht die Puppen und fantastischen Geschichten ihres Vaters. So wird sie unwiderstehlich vom Theater eines fahrenden Marionettenspielers angezogen, einem charismatischen, aber undurchschaubaren Mann, der sich "Meister der Marionetten" nennt. Sie ahnt nicht, dass er sie längst dazu auserkoren hat, eine wichtige Rolle in seinem teuflischen Plan zu spielen - einem Plan, der ihn zum König von Böhmen machen wird.

Meinung:

Milena weigert sich strikt, sich Waisenkind nennen zu lassen, doch im Prinzip ist sie das. Ihr Vater - ein berühmter Marionettenspieler - kam in seinem Theater bei einem Unfall ums Leben, ihre Mutter verschwand eine Stunde später spurlos. Jetzt lebt das junge Mädchen bei ihrer Großmutter und hegt den Traum, das Marionettentheater ihres Vaters neu zu eröffnen. Doch dann eröffnet ihre Großmutter ihr, dass sie ein viel größeres Erbe in sich trägt und direkte Abkömmin von Libussa ist, einer berühmten Person der böhmischen Mythologie. Ebenso wie Libussa und ihre Mutter soll Milena in die Zukunft sehen können. Als der Meister der Marionetten mit seinem Theater in die Stadt kommt, wird Milena zu dessen Theaterstück eingeladen - nichtsahnend, dass es sich nicht nur um harmlose Marionettenspielerei handelt.

Mit "König der Marionetten" hat die Autorin Joanne Owen eine Leidenschaft zum Roman gemacht, denn sie selbst wohnt mit Unmengen an Holzfiguren in ihrem Haus zusammen. Sie lässt ihr Buch an fünf Tagen im Jahre 1898 spielen und zwar in der tschechischen Hauptstadt Prag. Dabei baut sie Beschreibungen der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Prags in ihre Geschichte ein, zum Beispiel, indem Milena unter der astronomischen Uhr warten lässt, die just in diesem Moment schlägt. Doch schon hier beginnt ein Problem der Erzählweise. Die Autorin verliert sich oft in unwichtigen Details. Das mag zwar noch interessant sein, solange sie die historische Kulisse Prags beschreibt, doch so manches Gespräch oder gar Kapitel hätte man sich sparen und stattdessen die Handlung vorantreiben können. Joanne Owen baut in ihr Buch auch viele alte Sagen, Mythologien oder tschechische Märchen ein, die größtenteils zwar nichts mit der Geschichte zu tun haben, aber als Einzelnes gesehen interessant zu lesen sind. Trotzdem wundert sich der Leser darüber, was genau diese Erzählungen nun in der Geschichte zu suchen haben. Das zusammengenommen verschafft dem Leser zwar ein Bild über das Böhmen und vor allem Prag dieser Zeit, zieht die Handlung aber nur künstlich in die Länge.

Wirklich erwähnenswert ist die optische Gestaltung und hervorragende Qualität des Buches. Die Illustrationen wurden von Mutt Ink per Hand gezeichnet und später digital aufbereitet. Die Illustratorin ließ sich hier von allen möglichen Quellen inspirieren wie Originaldokumenten, zeitgenössischen Plakaten oder auch persönlichen Gegenständen der Autorin. Geht man davon aus, dass im Durchschnitt auf jeder dritten Seite Zeichnungen und Illustrationen auftauchen, die sehr detailreich gestaltet wurden, steckt hinter dem herausragenden optischen Eindruck des "König der Marionetten" ein großer Haufen Mühe, Arbeit und Herzblut. Die Märchen und Briefdokumente im Buch sind optisch von der restlichen Geschichte abgesetzt, um leicht unterschieden werden zu können und sie authentischer erscheinen zu lassen. Außerdem muss man erwähnen, dass das Buch nicht auf normalem Papier gedruckt ist, sondern auf hochwertigeren Blättern.

Die optische Aufmachung täuscht aber nicht darüber hinweg, dass die Handlung von "König der Marionetten" im großen und ganzen zwar sehr poetisch geschrieben wurde, aber doch vorhersehbar und in die Länge gezogen war. Für jüngere Kinder ist das Buch außerdem wegen seiner teilweise doch brutalen Seite nicht geeignet.

Fazit:

"König der Marionetten" von Joanne Owen erzählt die Geschichte des jungen Mädchens Milena, das von ihrem Vater die Leidenschaft für Marionetten und von ihrer Mutter eine besondere Gabe geerbt hat und deswegen zum Ziel einer bösen Macht wird. Dabei ist das Buch selbst optisch sehr detailverliebt und arbeitsaufwendig gestaltet, die Geschichte selbst wird aber mit unwichtigen Details und allzu ausschmückenden Erzählungen künstlich in die Länge gezogen und erreicht dabei leider nur Mittelmaß.
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