Banner bookdepository.com

Julie und Schneewittchen  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Heike Bellas   
Sonntag, 24. Januar 2010

Julie und Schneewittchen

1. Band der Reihe

Verlag: Arena
Erschienen: Juni 2009
ISBN: 978-3-401-06407-9
Preis: 12,95 EUR

280 Seiten
Inhalt
10.0
Preis/Leistung
9.0
Gesamtwertung
9.9

Wertung:
9.9
von 10
Jetzt kaufen



Zum Inhalt:

Julies Leben besteht aus Höhepunkten. Und Tiefpunkten. Mehr Tiefpunkten, wenn sie ehrlich sein soll. Die beinhalten ein uraltes Ponynachthemd (zur unpassenden Zeit getragen), einen süßen Jungen (der ungerne in Kellern eingesperrt ist) und eine Person, die dringend Hilfe braucht, sich aber nicht helfen lassen will! Als einzige Ratgeberin muss Sharon von der Sexhotline aus dem Nachtprogramm herhalten. Und Julies Tagebuch.

Meinung:

Julie ist zwölf(einhalb!) und ist überglücklich, denn sie hat eine tolle beste Freundin und gerade eine kleine Schwester bekommen. Doch eigentlich sieht alles gar nicht mehr so rosig aus: Julies Mutter hat den "Baby-Blues" und weint pausenlos, ihr Vater ist überfordert mit seinem Job und seiner depressiven Frau und gerade jetzt benimmt sich ihre beste Freundin Hanna extrem seltsam. Nicht nur, dass sie die ganze Klasse gegen Scharina - die alle nur Schneewittchen nennen - aufhetzt. Als Julie Hannas Schwarm Ben, der zufälligerweise ihr Nachbar ist, einen Liebesbrief von Hanna überbringen soll, eskaliert die Situation: Ben küsst Julie und Hanna ist stinksauer auf sie. Und wäre das nicht genug, kommt sie durch Zufall dahinter, dass Scharina zu Hause verprügelt wird. Doch das Mädchen will sich von Julie nicht im Traum helfen lassen. Julies einzige Ansprechpartnerin wird Sharon von der Telefonsexhotline.

"Julie und Schneewittchen" ist in Tagebuchform geschrieben. Zur Geburt ihrer kleinen Schwester Ottilie bekommt Julie von ihrer Oma Mumi ein Tagebuch für den Fall, dass sie sich einsam fühlt. Jeder Eintrag beginnt mit einer Auflistung von Höhe- und Tiefpunkten. Die Seiten sind mit Zeichnungen verziert, wichtige Wörter sind hervorgehoben. Manche Zeilen sind krakelig, manche sind tränenverschmiert. Julies Tagebuch ist von innen und von außen sehr liebevoll gestaltet und sieht aus, wie man sich das Journal einer 12-Jährigen vorstellen würde.

Julie ist eine sehr liebenswerte Protagonistin. Sie hat einen Tick für Fachwörter, die sie hier und da in ihre Einträge einfügt, nicht ohne sie in Fußnoten zu erklären. Manchmal ist sie schwer von Begriff, manchmal ist sie hysterisch und manchmal zum Schreien komisch. Aber allem voran ist sie mutig. Zum einen deshalb, weil sie sich für Scharina einsetzt. Als Julie Scharina Hausaufgaben vorbeibringen soll, hört sie hinter der Wohnungstür, wie Scharina verprügelt wird. Julie ruft bei der Jugendfürsorge an. Scharina ist deswegen stinksauer auf ihre Klassenkameradin und leugnet alles. Doch die 12-Jährige lässt nicht locker, erst recht nicht, als sie in Sport Scharinas blaugeschlagenen Oberkörper sieht. Nach und nach schafft sie es, das Vertrauen des Mädchens zu erlangen, obwohl Scharinas Bruder ihr konstant droht und ihre Mitschülerin selbst sie lange Zeit einfach abblitzen lässt.

Zum anderen ist Julie mutig, weil sie sich traut, Hanna zu widersprechen. Deren Rolle in der Klasse ist klar: Wer mit ihr befreundet ist, der ist beliebt, wen sie hasst, der hat eine echt harte Zeit - so wie Scharina, die Hanna angeblich in der Grundschule ein Armband gestohlen hat. Eigentlich ist sie Julies beste Freundin, doch die Freundschaft beginnt zu kriseln. Hanna fährt Julie des Öfteren an und als Ben Julie küsst, bringt sie jeden dazu, nicht mehr mit Julie zu reden. Sie ist hinterhältig und verbreitet Gerüchte und stellt Julie und Scharina sogar eine lebensgefährliche Falle. Mehrere Male bekommt Julie die Möglichkeit, in Hannas Gunst - und somit in der Klassenhierarchie - wieder zu steigen, doch sie hat genug Rückgrat, um zu ihren eigenen Prinzipien zu stehen.

Auch wenn die Geschehnisse in Julies Leben sich ein wenig unrealistisch häufen: Wie die 12-Jährige mit ihrem Leben umgeht, sich verbissen durchboxt und mit ihrer offenen und warmen Art jeden für sich gewinnt, ist wunderbar beschrieben. Man kommt sich oft so vor, als wäre man eine gute Freundin von Julie, die erzählt bekommt, wie sie sich um Scharina kümmert, wie sie sich ausheult, ihrer Wut Luft macht oder auch einmal schwärmt. Im Gegensatz zu Jugendbüchern, die sich auf ernste Weise um Problemthemen kümmern und dabei beim Leser oft ein flaues Gefühl im Magen erzeugen wollen, und bei denen man fast den erhobenen Zeigefinger herauslesen kann, bewundert man hier viel eher Julies Verhalten und möchte es ihr deswegen nachtun. "Julie und Schneewittchen" zeigt, dass Mut eine wunderbare Eigenschaft ist, die man beibehalten sollte, dass man zu sich selbst stehen sollte und dass Hilfe anzunehmen manchmal nicht das Schlechteste ist.

Fazit:

Franca Düwels "Julie und Schneewittchen" ist ein liebevoll gestalteter Jugendroman in Tagebuchform. Die Protagonistin Julie ist ein sympathischer Charakter und geht den Lesern mit gutem Beispiel voran, denn sie ist mutig und steht selbstbewusst zu ihren Prinzipien. Der Roman behandelt Themen wie Mobbing, häusliche Gewalt und Elternprobleme, aber nicht auf verbissene, sondern auf unterhaltsame und humorvolle Art. Der Roman lässt sich auch von jüngeren Lesern flüssig und einfach lesen und viele Leserinnen werden sich in Julie wiederfinden.
Weiterführende Infos

 
Copyright © 2008-2017 by booklove.de. Alle Rechte vorbehalten.