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Familiensache  Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Sabine Hut   
Freitag, 22. August 2008

Familiensache

Untergenre: Krimi
Verlag: Thienemann
Erschienen: Januar 2008
ISBN: 978-3-522-17900-3
Preis: 9,90 EUR

238 Seiten
Inhalt
8.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.0

Wertung:
8.0
von 10
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Zum Inhalt:

Als Jannis von der Schule nach Hause kommt, ist nichts mehr, wie es war. Jannis fühlt sich, als habe ihm jemand den Boden unter den Füßen weggezogen. Sein Vater ist ermordet worden, sein richtiger Vater, von dem er bislang noch nichts wusste. Unter Mordverdacht steht sein Stiefvater, den er sein ganzes Leben lang für seinen richtigen Vater gehalten hat. Was ist wahr? Was ist falsch? Gemeinsam mit seiner Freundin Romy versucht Jannis herauszufinden, was wirklich Sache mit seiner Familie ist. Eine erste Spur führt nach Hamburg mitten auf den Kiez.

Meinung:

"Familiensache" gehört zu Thienemanns Reihe der Labyrinthe-Krimis. Diese sind meist für Jugendliche ab 13 Jahren empfohlen. Dieses Buch ist Arne Sommers erster Roman in der Reihe, bisher hat er vor allem Hörbücher geschrieben. Der Autor wurde 1970 in Itzehoe geboren und machte dort sein Abitur. Nachdem er seine Studien in Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie abgebrochen hatte, widmete er sich dem Studium an der Filmakademie Baden-Württemberg. Danach ging er nach England und studierte an der Bournemouth Filmschool. Seit 1996 ist er als Drehbuchautor tätig, "Familiensache" ist sein erster Jugendroman.

Wem kann Jannis jetzt noch trauen? Sein ganzes Leben scheint auf einer Lüge zu basieren, in der selbst seine Mutter und sein (Stief-)Vater mitspielen. Sein Vater ist gar nicht sein Vater? Wer ist dieser Mann, der umgebracht wurde und warum wird sein Stiefvater verdächtigt? Als Jannis an einem Freitagmittag nach Hause kommt, ist irgendetwas merkwürdig. Fremde Männer sind in der Wohnung seiner Familie und räumen Schubladen aus. Ein Mann stellt sich als Herr Görlitz vor, von der Mordkommission, und sagt Jannis, dass jemand seinen Vater ermordet habe. Jannis zieht es den Boden unter den Füßen weg, doch was ist das? Sein Vater steht doch in der Wohnung und unterhält sich mit den Polizisten. Soll das etwa nur ein schlechter Scherz gewesen sein? Doch dann der nächste Schock: Jannis Vater ist nicht sein richtiger Vater. Jannis steht vor einem Nichts, denn er hat das Gefühl, er kenne sich und seine Familie nicht. Es gibt sicherlich viele Jugendliche, denen es ähnlich geht, wenn auch aus anderen Gründen.

Jannis wächst dem Leser sehr bald ans Herz, da man mit ihm fühlen kann, wie schlecht es ihm geht. Er dachte, seine Familie sei in Ordnung, so wie sie ist - und jetzt ist nichts mehr da, außer einer Leere. Auf der Suche nach seiner Familie, seinem richtigen Vater und dessen Mörder stößt er auch auf Dinge, die er lieber nicht gewusst hätte. Vor allem die Vergangenheit seiner Mutter zeigt sich auf einmal in einem Licht, in dem Jannis sie nie gesehen hat. Zumindest kennt sie sich auf dem Kiez gut aus und hat dort jede Menge Freunde.

Die Geschichte ist spannend geschrieben und hält immer neue Wendungen parat. Es gibt immer mehr Wirrungen und Gerüchte, sodass Jannis und der Leser nicht genau wissen, was die Wahrheit ist. Ob diese am Schluss noch ans Licht kommt? Kapitelweise wird anfangs in der Geschichte zwischen den Momenten gesprungen, in denen Jannis zuhause ist und all dieses Schreckliche erfährt, sowie zwischen den Szenen, die kurz davor passierten. Dies ist jedoch nicht sehr verwirrend, da über jedem Kapitel die Uhrzeit steht und man so gut nachvollziehen kann, um welche Teilgeschichte es gerade geht.

Die Nebencharaktere bleiben insgesamt sehr blass. Nur über Jannis und seine Mutter erfährt man mehr. Bei einem psychisch so schwierigen Thema hätte man etwas mehr Tiefgang erwarten können. In der Seele von Jannis und auch in denen seiner Eltern müssen sich Abgründe aufgetan haben, doch darüber erfährt der Leser nichts. So gesehen bleiben alle Charaktere etwas farblos und auch bei Jannis wird nur an der Oberfläche gekratzt. Der Schreibstil ist recht einfach gehalten und für junge Leser gut geeignet. Die Absätze sind in Tage und Uhrzeiten unterteilt. Beispielsweise ist die große Überschrift "Sonntag" und eine Zwischenüberschrift "9.32 Uhr". So hat der Leser immer eine gute Übersicht, in welcher Zeit man sich befindet und wie lange die ganze Situation schon dauert.

Auch wenn man bei Buchtitel und Cover vielleicht etwas anderes erwarten könnte (zum Beispiel eine Mafiageschichte), wird der Leser von dem Roman letztlich nicht enttäuscht. Die Geschichte ist spannend und interessant geschrieben, auch wenn etwas mehr Tiefgang sicherlich nicht geschadet hätte.

Fazit:

"Familiensache" ist sehr spannend und jugendgerecht geschrieben und gehört somit nicht ohne Grund zur Reihe der Labyrinthe-Krimis. Die Nebencharaktere sind recht flach gehalten, doch in die Gefühlswelt von Jannis und seiner Familie erhält man einen etwas besseren Einblick. Aufgrund der Tiefe des Themas hätten sich dem Autor allerdings noch viel mehr Möglichkeiten zur Charakterentwicklung geboten. Durch ständige Wirrungen und Gerüchte weiß man nie so recht, welche Spur die richtige ist und genau das macht die Jagd nach der Wahrheit so spannend. Da immer die genaue Zeit angegeben wird, behält man einen guten Überblick darüber, wie lange eine Situation schon dauert und wo man sich gerade befindet.

 
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