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Erebos  Redaktionstipp Drucken E-Mail
Bücher: Belletristik Kinder & Jugend
Geschrieben von Konstanze Tants   
Freitag, 2. April 2010

Erebos

Verlag: Loewe
Erschienen: Januar 2010
ISBN: 978-3-7855-6957-3
Preis: 14,90 EUR

488 Seiten
Inhalt
9.0
Preis/Leistung
8.0
Gesamtwertung
8.9

Wertung:
8.9
von 10
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Zum Inhalt:

Nick ist süchtig nach Erebos, einem Computerspiel, das an seiner Schule von Hand zu Hand weitergereicht wird. Die Regeln sind äußerst streng: Jeder hat nur eine Chance, Erebos zu spielen. Er muss dabei immer allein sein und darf mit niemandem über Erebos reden. Wer dagegen verstößt oder seine Aufgaben nicht erfüllt, fliegt raus und kann das Spiel auch nicht mehr starten. Was aber am merkwürdigsten ist: Erebos erteilt Aufträge, die nicht in der virtuellen Welt, sondern in der Wirklichkeit ausgeführt werden müssen. Fiktion und Realität verschwimmen auf irritierende Weise. Und dann befielt das Spiel Nick, einen Menschen umzubringen ...

Meinung:

Die österreichische Schriftstellerin Ursula Poznanski legt mit "Erebos" ihren ersten Jugendroman vor und führt den Leser mit dieser Geschichte in die Welt der PC-Rollenspieler. Dem sechzehnjährige Nick Dunmore fällt auf, dass sich immer mehr seiner Mitschüler seltsam verhalten. So schwänzt sein bester Freund Colin ohne jegliche Begründung von einem Tag auf den anderen das Basketball-Training und riskiert damit einen Rausschmiss aus dem Team. Und auch für Nick und ihre üblichen gemeinsamen Unternehmungen hat er keine Zeit mehr.

Nachdem er die Vorgänge in der Schule aufmerksam beobachtet hat, bekommt Nick mit, dass eine geheimnisvolle DVD unter der Hand weitergereicht wird. Doch im Gegensatz zu anderen Gelegenheiten, als Raubkopien unter den Schülern die Runde machten, redet niemand über das, was sich auf dieser Scheibe befindet, oder gibt gar damit an, dass sie sich in seinem Besitz befindet. Obwohl Nick befürchtet, dass dieses Geheimnis etwas mit den auffälligen Verhaltensänderungen seiner Freunde zu tun hat, greift er begierig zu, als auch ihm eine dieser DVDs angeboten wird.

Zu seiner Enttäuschung befindet sich darauf nur ein Rollenspiel mit dem Namen "Erebos". Vor allem die Frage, warum dieses Spiel seine Mitschüler so fasziniert, lässt ihn über die anfänglich langen Ladezeiten und den langsamen Spielverlauf hinwegsehen. Doch bevor es Nick bewusst wird, ist auch er nach "Erebos" süchtig. Das Spiel bietet nicht nur die üblichen Möglichkeiten eines Rollenspiels, bei dem man sich einen Charakter aufbauen und sich mit anderen Spielern austauschen kann, denn es scheint selbst die geheimsten Gedanken von Nick zu kennen. Doch vor allem die Tatsache, dass bei den Dialogen eindeutig zu erkennen ist, dass es hier keine vorher festgelegten Antworten vom System gibt, sondern richtige Gespräche mit den "Nicht-Spieler-Charakteren" möglich sind, macht den Reiz an "Erebos" aus.

Schon sehr früh im Spiel bekommt Nick Aufträge, die nicht von seinem Spielcharakter, sondern von dem Schüler selbst in seiner realen Welt ausgeführt werden müssen. Und für die Erfüllung dieser Aufgaben bekommt er im Spiel Fähigkeiten oder Ausrüstungsgegenstände, die ihm neue Möglichkeiten eröffnen. Dieses unglaublich komplexe Spielprinzip von "Erebos" sorgt zusammen mit der strengen Geheimhaltung außerhalb der virtuellen Welt dafür, dass Nick erst gar nicht bewusst wird, welche Gefahren mit so einem Erlebnis verbunden sind.

Erst als es an seiner Schule zu immer mehr unangenehmen Vorfällen kommt, die vom einfachen Diebstahl bis zu lebensbedrohlichen Anschlägen reichen, wird Nick langsam unwohl. Doch lange Zeit siegt die Sucht nach dem Spiel über die Vernunft, bis er einen Auftrag bekommt, den er mit seinem Gewissen nicht mehr vereinbaren kann. Nun bekommt es Nick mit der Angst zu tun, und mit ein paar Freunden versucht er, die Hintergründe hinter dem Spiel "Erebos" zu erforschen.

Man muss kein Rollenspieler sein, um von "Erebos" fasziniert zu sein, auch wenn einem Nicht-Spieler die Passagen, die in der virtuellen Welt spielen, wohl etwas lang werden können. Denn nachdem Nick den Zugang zu diesem ungewöhnlichen Spiel gefunden hat, verbringt er sehr viele Stunden damit, Aufgaben zu erfüllen, mit seinem Charakter Erfahrungen zu sammeln und seine Mitspieler kennenzulernen. Jeder von ihnen ist ein potenzieller Gegner, und je besser Nick sie einschätzen kann, desto größer sind seine Chancen, sie im Kampf zu besiegen und so neue Fähigkeiten für seine Spielfigur zu gewinnen.

Obwohl anfangs so ein großer Teil der Geschichte online stattfindet, lässt Ursula Poznanski den Leser nie vergessen, dass hinter diesem Spiel mehr steckt. Immer wieder flicht die Autorin Passagen ein, in denen man beobachten kann, wie sich das Klima an der Schule verändert und wie extrem die Jugendlichen von "Erebos" beeinflusst werden. So steigert sich Seite um Seite die Spannung und man spekuliert mit jeder neuen Information über die Zusammenhänge und die Hintergründe dieser Geschichte. Dabei sind die verschiedenen Charaktere angenehm realistisch geschildert, keiner von ihnen ist zu übertrieben dargestellt, sondern jeder hat seine Stärken und Schwächen, die ihn dem Leser nahe bringen.

Auch der Erzählstil der Autorin unterstützt die Spannung in der Handlung. In kurzen und klaren Sätzen, die phasenweise schon fast ein wenig abgehackt und gehetzt wirken und doch immer gut lesbar sind, beschreibt Ursula Poznanski die Vorgänge rund um Nick. So entsteht unmerklich ein Zeitdruck beim Leser, der ihn mitfühlen lässt, wie es dem Schüler geht. Immer schneller folgt ein Ereignis auf das andere und ebenso eilig rasen die Seiten beim Lesen dahin. So möchte man "Erebos" nach den ersten Kapiteln gar nicht mehr aus der Hand legen, weil man unbedingt wissen muss, wie es weitergeht.

Man erlebt in "Erebos" eine rundum stimmige Handlung, in der Form und Inhalt hervorragend zueinander passen. Die ungewöhnliche Grundidee übt eine große Faszination aus, während die angenehm realistisch dargestellten Charaktere den Leser berühren. Immer wieder gibt es neue Informationen oder überraschende Wendungen, die einen dazu bewegen, weitere Spekulationen zu den Hintergründen der Geschichte anzustellen.

Fazit:

Mit "Erebos" von Ursula Poznanski hat der Loewe-Verlag einen überaus gelungenen Jugendroman veröffentlicht. Es gelingt der Autorin, in einer klaren und knappen Sprache eine wirklich spannende Geschichte zu erzählen. Zusammen mit dem sechzehnjährigen Nick erkundet der Leser die fantastische virtuelle Welt, in der das Rollenspiel "Erebos" stattfindet - und versucht dahinterzukommen, was es mit den gefährlichen Aufträgen auf sich hat, die der Teenager in der realen Welt für das Spiel erfüllen muss. Doch nicht nur die mitreißende Handlung und der dazu passende Erzählstil faszinieren, auch die angenehm realistisch gehaltenen Figuren und die verschiedenen Facetten, die diese Charaktere aufweisen, sorgen dafür, dass dieses Buch zu einem wirklich befriedigenden Leseerlebnis wird. Am Schluss hat man das Gefühl, dass die 488 Seiten viel zu schnell vorbeigeflogen sind.
Weiterführende Infos
Leseprobe

 
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